Bahnhofs-Ratten fressen Köder: Neue Sichtungen im Zentrum

Die Nager stolzieren auch am Landratsamt entlang. Die Behörden zögern, Schädlingsbekämpfer sind zuversichtlich.

Plauen.

Hat Plauen ein Rattenproblem? Seit Veröffentlichung des "Freie Presse"-Beitrages "Ein Rudel Ratten wartet auf Reisende" Ende Oktober zur Situation am Oberen Bahnhof haben sich einige Leser gemeldet und ihre Beobachtungen geschildert. Denn nicht nur auf der Grünfläche am Bahnhof flitzen Ratten umher, auch andernorts rücken die Nager ins Stadtbild. Vor allem im Bereich Forststraße zwischen dem Parkplatz an der Stresemannstraße und dem Abzweig zum Hradschin.

Gudrun Städtefeld beobachtet das Treiben seit Längerem und hat etliche Fotos. Ein aktuelles zeigt eine Ratte, die am Parkplatz zwischen einem Kinderwagen und erstaunten Passanten scheinbar seelenruhig die Fahrbahn überquert. "Manche amüsiert das, aber das sind doch Überträger gefährlicher Krankheiten", sagt Gudrun Städtefeld und erwartet, dass sich das Ordnungsamt nach wiederholten Anrufen kümmert.

Ähnliches schildert Margita Graser, die mit ihrem Hund Jackson dort oft unterwegs ist. Erstmals sah sie direkt am Landratsamt eine Ratte, gut genährt und tiefenentspannt. Wenige Tage später verfolgte ihr Jack Russel im Bereich der Garagen eine Spur, schnappte zu und trug eine Ratte im Maul. "Das ist ein Risiko, besonders für Kinder", sagt die Plauenerin, aber auch für Hunde. Und für Plauens Tourismusambitionen seien Ratten in der Innenstadt ganz gewiss kein Aushängeschild.

Die Zuständigkeiten sind kompliziert, Stadt und Kreis schieben sich seit den ersten Rattensichtungen im Februar am Bahnhof gegenseitig den Schwarzen Peter zu. Daran hat sich nach erneuten Anfragen, was den Behörden zur Forststraße bekannt ist, nichts geändert. "Bisher" gebe es "keine konkrete Gesundheitsgefahr", erklärt das zur Kreisbehörde gehörende Gesundheitsamt. Für Ratten auf öffentlichen Straßen liege die Zuständigkeit bei der Stadt. "Hier muss das Ordnungsamt tätig werden", erklärt Amtsärztin Kerstin Zenker.

"Das Landratsamt muss die erforderlichen Maßnahmen anordnen", hält Martin Gabriel aus dem Plauener Ordnungsamt gegen. Hinweise auf Sichtungen an der Forststraße lägen seit Kurzem vor. Am Oberen Bahnhof hat die Stadt Schädlingsbekämpfer beauftragt, jedoch sei zu befürchten, dass sich ein Teil der Ausbreitungsherde nicht im öffentlichen Bereich befindet. Es sei wichtig, den Herd der Ausbreitung zu finden und zu beseitigen. Einen vergleichbaren Rattenbefall in anderen Ecken der Stadt gebe es nicht.

Unterdessen sind die Schädlingsbekämpfer zuversichtlich. "Die ausgelegten Giftköder werden gut angenommen", sagt Jens Grimm, Geschäftsführer der beauftragten Holzschutz- und Schädlingsbekämpfung GmbH. Das sei nicht selbstverständlich, denn am Oberen Bahnhof finden die Nager einen reich gedeckten Tisch: Papierkörbe, Essenreste, Vogelbeeren. "In 14 Tagen müsste alles gut sein", sagt der erfahrene Kammerjäger. Seine Firma sei fast täglich irgendwo wegen Ratten im Einsatz: in Häusern, Kellern, Kanälen. Und: "Wer Nudeln im WC runterspült, braucht sich nicht wundern, wenn die Ratten kommen."

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