Berni startet mit Hotdogs durch

Mitten im Lockdown öffnet ein Mann aus Karlsruhe in Reichenbach einen Imbiss - den Kunden schmeckt's, die Platzhirsche schauen sich das an.

Reichenbach.

Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Doch die ersten vier Tage seiner neuen Existenz geben Bernhard Brenk durchaus Anlass für Optimismus. Und das mitten in der Krise, die den Mann aus Karlsruhe jedoch wenig bekümmert. "Ich freue mich, dass die Reichenbacher mein Angebot so annehmen. Deshalb gibt's in Kürze noch eine Rabattaktion", sagt der Unternehmer und reicht die nächste Currywurst aus. "Die Soße ist selbst gemacht, nach einem Rezept von meiner Mutter, die war Köchin." Einer nicht repräsentativen Umfrage unter Kunden zufolge schmeckt's.

Am Montag hat Bernhard Brenk "Bernis Reichenbacher Grill" am Kölbelschen Eck eröffnet und ist damit offenbar in eine kleine Marktlücke an dem von mehreren Imbissen gesäumten Platz gestoßen. Currywurst oder Hotdogs sind deshalb auch das, was Berni in seinem den ganzen Tag geöffneten Grill am meisten verkauft. Immer wieder stehen Passanten an und bekommen auch ein paar Worte mit baden-württembergischem Einschlag serviert. Zum Beispiel, wenn er ein wenig mit seinem an einen Schlagersänger erinnernden Namen kokettiert - "Alles gleich, nur Brenk statt Brink". Auf Wunsch gibt's auch die Erklärung, wie es einen aus Karlsruhe ins Vogtland verschlagen kann.

"Mir hat es hier schon immer gefallen, und meiner Frau auch", erklärt Berni, während seine Frau zustimmend mit dem Kopf nickt. Bernhard und Yvonne Brenk wohnen seit Anfang Dezember in einer Wohnung an der Fritz-Ebert-Straße. Auch der Frau gefällt es in der Stadt Mattheuers und der Neuberin sehr gut. Brenk hatte diesen Flecken Erde auf seinen Brummifahrten durch ganz Deutschland schätzengelernt. "Durch Sachsen bin ich immer am liebsten gefahren, insbesondere durchs Vogtland. Plauen ist eine schöne Stadt und Reichenbach auch", erzählt Berni. In Karlsruhe hatte er zuletzt als Lieferfahrer einer Pizzeria gearbeitet. "Da bin ich auf den Geschmack gekommen und wollte einen Uralttraum von mir in die Tat umsetzen. Aber in Karlsruhe lohnt es sich nicht, da sind die Standgebühren viel zu hoch." So kam Reichenbach und damit die neue Wahlheimat des Paars ins Spiel.

Der Rest war ein Kinderspiel. Berni investierte in seine Ausrüstung und bekam von der Stadt die "Sondererlaubnis für einen umherziehenden Imbisswagen". Seitdem belebt er das Imbissgeschäft rund um den Postplatz. Und die Konkurrenz? "Er ist keine Konkurrenz für mich, zu mir kommen die Kunden, weil sie das wollen, was er nicht hat", sagt der Hähnchengriller. "Konkurrenz? Nö, mal gucken, ob er durchhält", sagt Würstelmann Andreas. Auch andere Platzhirsche des Viertels haben den neuen Mitbewerber um die Gunst des Königs Kunde zur Kenntnis genommen, halten sich aber mit Kommentaren zurück.

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11 Kommentare
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  • 1
    5
    kopfschuettler1
    07.01.2021

    Alles Neue wird ausprobiert ob es Bestand hat, wird sich zeigen. Bei dem kleinen Angebot - selbt der Hinweis auf die selbstgemachte Currysauce muss nichts bedeuten. Ich kenne viele Imbissbuden, die ihre selbstgemachte Soße preisen - und schmecken tut sie dann gar nicht. Die Überlebenschance wird sehr gering sein, da die Konkurrenz mit viel mehr Speisenauswahl zu groß ist. Es ist genauso wie bei den Auswanderern die glauben, die Bratwurst neu erfunden zu haben und dann damit im Ausland kläglich scheitern. Wollen wir mal ein halbes Jahr vergehen lassen und fragen dann noch einmal nach!