Die ersten Westend-Siedler kamen vor 100 Jahren

Geboren in der Not: Der Siedlerverein Westend feierte am Samstag den 100. Geburtstag des Stadtteils. Auch Prominente haben in der Siedlung ihre Wurzeln geschlagen.

Plauen.

Jedes Viertel mit seinen Bewohnern hat seine Geschichte, und die des Plauener Westend fing genau vor einem Jahrhundert an, in einer schweren Zeit. Denn ein Jahr nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, mitten im Bevölkerungswachstum der Stadt Plauen, herrschten Lebensmittelknappheit und Wohnungsnot. So schilderte es Bürgermeister Steffen Zenner in seinem Grußwort anlässlich des Jubiläums. Um die Not zu mindern, benötigte es einen Kraftakt, damit der Aufbau der Siedlung gelingt. Die meisten neuen Siedler wollten vor allem dort wohnen, weil sie in ihren angrenzenden Gärten Obst und Gemüse anbauen konnten.

So war es auch bei Katrin Hofmanns Großvater, der eines der ersten Einfamilienhäuser errichtete und mit seiner siebenköpfigen Familie ab 1930 dort lebte. Das nach dem Bornemann-Stil erbaute Domizil mit Ochsenaugenfenstern im Dach, den gedrechselten Sprossen in den Hausfenstern sowie den grünen Fensterläden, wurde immer wieder aufwendig saniert, um das Markante zu erhalten. Das Haus der Rentnerin wurde bei der Festveranstaltung im Haus Vogtland als eines der schönsten Gebäude im Westend ausgezeichnet. "Wir haben als Kinder hier auf der Straße gespielt", erinnert sich die 75-Jährige und sprach von einer behüteten Kindheit.

Auch heute stehe das Viertel noch hoch in der Gunst der Bürger, die die Ruhe schätzen, so Vereinschef Mario Beuchold: "Das Besondere ist, dass in unserer Siedlung alles in der Nähe ist." Es ist nicht weit zum nächsten Bäcker, Fleischer oder Supermarkt, zum Kindergarten und zur Schule. Durch die Straßenbahn sei man gut an den Nahverkehr angebunden. Genau das scheinen auch einige Prominente zu schätzen, die sich im Plauener Westend niedergelassen haben. So entdecken die Kinder und Enkelkinder von Angelika Bahmann, Olympiasiegerin von 1972 im Kanuslalom, den Steinpöhl zum Spielen. Für Kabarettistin Katrin Weber ist es die Wiege ihres Humors, und der Generalmusikdirektor der Vogtland-Philharmonie, Stefan Fraas, holt sich in der Siedlung künstlerische Inspiration. In der neuen Chronik beschreibt er, was das Westend lebenswert macht: "Es sind vor allem die Menschen, denn wir haben eine wunderbare Nachbarschaft voller gegenseitigem Respekt, Hilfe und Unterstützung."

Der Verein sieht seine Hauptaufgabe darin, die Gemeinschaft zu fördern. Er will Möglichkeiten schaffen, sich kennen zu lernen. Das soll durch Feste gelingen. "Es würde leider keiner mehr so richtig zusammen kommen, wenn wir das nicht alles organisieren", sagt Vize-Vereinschef Timo Lenk. So gibt es Anfang Januar das "Fichten vernichten", das Hexenfeuer, das Sommer- und Herbstfest und eine Ausfahrt, die in diesem Jahr nach Regensburg führt. Damit werde versucht, jeden anzusprechen, erklärt Mario Beuchold, der den Zusammenhalt im 200 Mitglieder starken Verein hervorhebt, die bis nach Mitternacht ihr Jubiläum feierten.

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