Die Lieblingsberufe im Vogtland

Die Rollen bei den Berufswünschen im Vogtland scheinen klar verteilt. Das Elternhaus spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Plauen.

Junge Frauen werden Verkäuferin, junge Männer Autoschrauber. Was nach Beschreibungen aus einem Werbefilm der 1950er Jahre klingt, entspricht aktuell im Vogtland noch immer den Spitzenplätzen bei den Wünschen nach Ausbildungsplätzen junger Frauen und Männer. Es sind die Stellen, um die sich auch in diesem Jahr die meisten Anwärter bewarben. Unbeachtet von Höhen, Tiefen und Entwicklungen am Arbeitsmarkt gab es in den vergangenen zehn Jahren an der Spitze der Liste keine Veränderung. Die Auswertung gab die Agentur für Arbeit in Plauen auf Anfrage heraus, Grafiken zeigen die Jahre 2009 und den aktuellen Jahrgang.

Zum Start des Ausbildungsjahres jetzt im September sind noch Plätze frei. Rund 180 junge Menschen sind auf der Suche. Rein rechnerisch kamen Ende August auf jeden dieser Bewerber fast drei offene Stellen. Insgesamt hatten knapp 1200 junge Männer und Frauen bei den Berufsberatern der Region ihr Interesse für eine Ausbildung signalisiert. Das entspricht einem Minus von neun Prozent. Groß ist das Interesse der Betriebe, in Zeiten des Fachkräftemangels junge Leute zu finden. "Mit ein wenig Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten können auch nach Beginn des Ausbildungsjahres Lehrverträge geschlossen werden", betont Agenturchefin Helga Lutz. Trotz der hohen Nachfrage gibt es im Einzelhandel in der Region noch immer knapp 30 freie Ausbildungsplätze, gefolgt von Stellen für angehende Maschinen- und Anlagenführer sowie junge Köche mit jeweils um die 20 freien Plätzen.


Auch bei einem wachsenden Internetgeschäft bleibt der stationäre Handel ein großer Sektor in der Region, betont Danny Szendrei auf Nachfrage. Er ist Geschäftsführer der Industrie und Handelskammer Plauen. "Es ist aktuell ein großer Bedarf da", sagt er. Ihm sind Fälle bekannt, wonach Mitarbeiter aus dem Ruhestand zurück an die Kasse geholt wurden. Prognosen zeigen, dass in den kommenden Jahren gerade in Klein- und Mittelstädten Geschäfte und Verkaufsflächen abseits der Bestlagen verschwinden.

Die Statistik legt dar, dass Änderungen bei den Chancen auf dem Arbeitsmarkt im Vogtland nur langsam Dynamik entfalten. So spielte der Fachinformatiker selbst vor zehn Jahren keine Rolle auf den vorderen Plätzen. In Zeiten von Digitalisierung steigt das Interesse, auch wenn es aus Sicht der Unternehmer mehr Bewerber sein könnten. "Wir hatten zuletzt etwa 20 unterschriebene Verträge, zwei neue Klassen an der Berufsschule in Plauen sind voll. Darüber sind wir wirklich froh, denn es gab weit fragilere Jahrgänge", sagt IHK-Chef Szendrei. Bis sich neue Ausbildungsberufe, wie etwa der Kaufmann oder die Kauffrau in E-Commerce in Hitlisten findet, vergehen Jahre. Ein Grund sind Erfahrungen der Eltern, die eher auf Bewährtes statt Experimente setzen. "Wir wissen, dass bei der Berufsorientierung ein großer Einfluss vom Elternhaus ausgeht", sagt Szendrei. Trotz wachsender Angebote zur Berufsberatung ist die Abbrecherquote von Azubis im ersten Lehrjahr in Industrie und Handel auf gleichem Niveau. Das ergab eine Durchsicht der Verträge der vergangenen fünf Jahre. "Wir hoffen, dass der Ausbau der Schulpraktika bei der Entscheidungsfindung hilft", sagt Szendrei.

Der Bereich Kfz-Technik am Standort Oelsnitz des Beruflichen Schulzentrums e.o.plauen startet dieses Jahr mit drei neuen Klassen im ersten Lehrjahr. Derweil steht die Automobil- und Zuliefererbranche in der Region mit der E-Mobilität vor einem möglichen Umbruch. Generell zeigten sich Unternehmer zur letzten Konjunkturabfrage der IHK verhaltener, was Geschäftsaussichten betrifft.

 

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