Ein kleines Dorf im Festfieber

Dehles feiert am Wochenende und putzt sich zum Jubiläum heraus - 90 Einwohner bereiten ein Fest vor, wie es der Ort noch nicht gesehen hat - Höfe öffnen sich am Samstag für Besucher und präsentieren allerlei Historisches - Buntes Programm im Festzelt

Dehles.

Auch wenn Dehles bereits 600 Jahre besteht: Der Ort ist ein junges Dorf, Familien mit insgesamt um die 20 Kinder und Jugendliche leben dort. Das Dorf durchläuft man in wenigen Minuten vom Ortseingang bis zum -ausgang. In der Mitte steht bereits das Festzelt fürs Jubiläum, dort wird am kommenden Wochenende ganz groß gefeiert. Es gibt jeweils eine Ortsdurchfahrt links und eine rechts, beide als Einbahnstraße ausgeschildert. Das war schon immer so, sagen die Dehleser.

"So ein großes Fest hatten wir wohl noch nie", meint Yvonne Rauh. "Wir freuen uns schon sehr." Auch wenn sie langsam Bauchschmerzen bekomme. Die junge Frau wohnt mit ihrer Familie, zu welcher Ehemann Frank und die drei Kinder Marvin, Justin und Lea gehören, seit 1997 dort. "Ich stamme aus Grobau, Frank aus Rothenacker. Das Haus ist von meinen Großeltern. Es gefällt uns hier." Wo man sie beim Fest findet? "Wir sind fürs Grillen zuständig. Und für die Finanzen", sagt Yvonne Rauh lachend.

Vor ihrem Haus haben die Rauhs "Hildes Kaffeestub'" aufgebaut. Mit lebensgroßen Puppen, altem Geschirr und Gebäck. So wie es bei der Oma war. Nur das Gebäck und die Getränke sind nicht echt. Ein Stück weit entfernt steht eine Zinkwanne mit einer Figur drin. Keine Frage, bei solch' heißen Temperaturen muss eine Abkühlung auch für die zusätzlichen, strohigen Dehleser in diesen Tagen her.

Die Häuser, aneinandergereiht wie an einer Perlenkette, zeigen sich mit Blumen in den Vorgärten und mit Wimpeln geschmückt. Beim Elektriker Stark steht vor dem Haus ein Schaltkasten, den ein ausgestopfter Elektriker zu überprüfen scheint. Eine Waschfrau verrichtet ihr Werk ein Stück daneben, Martin Stark, der Ortschaftsratsvorsitzende, richtet die Puppe, die Kittelschürze und Kopftuch trägt. Gleich daneben weist ein Schild darauf hin, dass es hier einst eine Stellmacherei gab. Diesem Handwerk und weiteren Zünften kommt man am Samstag zum Fest nahe, wenn sich am Nachmittag verschiedene Höfe im Ort öffnen. So gab es früher auch einen Schmied und einen Schuster im Dorf.

Und natürlich spielte die Landwirtschaft eine große Rolle. Im unteren Teil des Dorfes fällt ein großer Leiterwagen mit dazugehörigem Handschlepprechen von anno dazumal ins Auge. Daneben stehen drei Getreidepuppen. "Wir haben bei der Kröstauer Agrargenossenschaft gefragt, ob wir etwas Hafer bekommen könnten", erinnert sich Petra Türkis, die hier mit Ehemann Günter, den jungen Leuten und den drei Enkeln wohnt. Der Hafer war schön hochgewachsen, und an Stellen, wo schlecht geerntet werden kann, durften die Dehleser ran. "Mit der Hausense hat mein Mann den Hafer abgemäht, mit der Sichel aufgehoben und zu Garben gebunden." Die haben die Dehleser dann zu Puppen aufgestellt. Ein Bild, welches früher auf den Felder gang und gäbe war, heute aber Seltenheitswert hat. "Wir hatten früher Landwirtschaft", sagt Petra Türkis. Mit dem Leiterwagen wurde das Heu eingefahren. Die Kinder durften obenauf sitzen. Und weil die Dehleserin gerne alte Sachen aufhebt, hat sich im Haus viel Historisches angesammelt, was nun zum Fest präsentiert wird. "Wir öffnen unseren Hof und zeigen alte Landtechnik wie den Schlepprechen. Dazu eine Bauernstube mit Plüschsofa und altem Ofen, Kinderwagen und Teddy." Dazu kommt eine Waschküche mit Zinkwanne, Wäschestampfer, Waschbrett, alten Holzklammern und ebenso alter Wäsche. Petra Türkis merkt man die Freude an, wenn sie davon spricht, was sie alles zeigen will. Groß ist bei ihr auch die Freude auf den Gottesdienst im Festzelt. "So etwa gab es auch noch nie bei uns." Dehles hat keine Kirche, gehört zur Thossener Kirchgemeinde.

Einen historischen Abend führen die Dehleser nicht durch. "Wer sich für die Geschichte interessiert, kann alles nachlesen", sagt Heike Stark. Sie wird an die Wand Schautafeln aufhängen mit einem Abriss der Dehleser Historie. So erfährt man etwa, dass in der DDR im Jahr 1952 einige Familien ausgesiedelt wurden und das Dorf 1972 aus dem Grenzgebiet heraus kam. Auch dass die LPG "Edelweiß" Dehles 1960 gegründet wurde. Und auch, dass es früher eine Kneipe und eine Schule im Ort gab, aber nie einen Kindergarten.

Beim Rundgang durchs Dorf gibt es viel zu entdecken. "Bei uns machen alle mit", sagt Martin Stark. "Wir brauchen jeden." Dabei arbeiten die Vereine im Ort zusammen: Der Dorfverein Dehles 06 und die Feuerwehr unterstützen den Ortschaftsrat. Und dann gibt es noch so einige Dehleser Treffs, verrät Elektriker Matthias Stark, der Vorsitzende vom Dorfverein, am Rande: Die Doppelkopf-Männer, die sich immer freitags treffen, die Dorffrauen Dehles, auch DFD genannt (in der DDR stand die Abkürzung für Demokratischer Frauenbund) und die Skifahrer, die jedes Jahr in die Alpen düsen. Das Dorfjubiläum vereint sie alle. Die Dehleser Frauen backen Kuchen fürs Fest. So wie Manuela Sperling, die außerdem sagt: "Ich will auch noch eine Strohpuppe aufstellen, die gemütlich im Schaukelstuhl sitzt." Beim Fest wird die Dehleserin mit Kuchen verkaufen. Am Samstagnachmittag wird dazu ein buntes Programm im Festzelt zu erleben sein.

Gespannt sein darf man auch aufs Sonntagsessen, welches nach dem Traktortreffen und dem Frühschoppen mit Blasmusik serviert wird: Original Dehleser Sauerbraten mit "Kloß und Soß'". "200 Portionen haben wir, mehr Kapazität gibt es nicht, sagt Matthias Stark. "Wenn der Sauerbraten alle ist, gibt es noch vieles andere mehr zu essen. Und zu erleben sowieso." Denn Dehles heißt herzlich willkommen.


Programm zur 600-Jahrfeier

Zum Tag der offenen Höfe wird am Samstag, 25. August, ab 13 Uhr eingeladen. Man sieht, wie in der Landwirtschaft in früheren Jahren gearbeitet wurde oder wie es einst in der Stellmacherei des Dorfes zuging. Auch Pferdebeschlagen wird den Besuchern gezeigt. Weiterhin gibt es eine Jagdausstellung.

Auf die kleinen Besucher warten eine Kinderspielstraße und Hüpfburg. Die angebotenen Spiele sind für Jung und Alt gedacht.

Im Festzelt werden am Festwochenende Kaffee und Kuchen serviert. Dort beginnt am Samstag um 15 Uhr ein buntes Programm mit der Musikschule Fröhlich, der Mosen's Brass Band und dem Andreas-Gabalier-Double Richie Koch als Mitwirkende. Ab 20 Uhr heizt am Samstag die Schalmeienkapelle Thierbach mächtig ein. Die Party mit A9 live geht bis in die Nacht hinein.

Der Sonntag, 26. August, beginnt um 8.30 Uhr mit einem Gottesdienst im Festzelt. Um 10 Uhr startet der Frühschoppen mit den Straßberger Musikanten. Zum Traktorentreffen wird alte und neue Technik erwartet. Ab 12 Uhr gibt es das Sonntagsessen: Original Dehleser Sauerbraten mit Kloß und Soß'. (sim)


"Wirklich alle packen mit an"

Martin Stark ist der Ortschaftsratsvorsitzende in Dehles - 34 Jahre jung und von Beruf Projektleiter. Simone Zeh sprach mit ihm über das Ortsjubiläum.

Freie Presse: Was sollten Besucher zur 600-Jahrfeier in Dehles keinesfalls verpassen?

Martin Stark: Wir haben mit unserem kleinen Programm versucht, für jeden etwas zu bieten. Ich kann jetzt keinen Punkt besonders hervorheben. Viele Dehleser haben in den vergangenen Wochen ihre Höfe hergerichtet, um bei unseren offenen Höfen den Besuchern etwas "Typisches" zu präsentieren. Parallel haben wir ein musikalisches Programm im Zelt vorbereitet, auf das sich unsere Kleinsten auch schon lange freuen. Den Abend wollen wir dann mit A9 live und der Schalmeienkapelle Thierbach ausklingen lassen. Am Sonntag geht's dann auch schon wieder früh mit einen Zeltgottesdienst los und nahtlos mit Frühschoppen und Traktortreffen weiter. Ich würde sagen, man sollte kein Highlight verpassen. Ich habe auch gehört, dass einige unserer Gäste mit Zelt oder Wohnwagen anreisen, um wirklich nichts zu verpassen.

Was verbindet die Dehleser miteinander? Machen alle beim Fest mit?

Uns Dehleser verbinden sehr viele gemeinsame Aktivitäten. Wir feiern gemeinsam runde Geburtstage, Jubiläen und alles, was es sonst noch zu feiern gibt. Einmal im Jahr gibt es ein Dorffest, eine gemeinsame Wanderung und alle zwei Jahre Fasching und Ostertanz. Bei allen diesen Aktivitäten ist das ganze Dorf zum Mitmachen eingeladen. Unsere diesjährige Jahrfeier ist für uns der Höhepunkt, bei dem die auch sonst schon tolle Zusammenarbeit nochmal übertroffen wird. Wirklich alle packen mit an, um das Wochenende für uns Dehleser und unsere Gäste unvergesslich zu machen.

Wo sind Sie als Ortschaftsratsvorsitzender beim Fest anzutreffen?

Ich werde beide Tage mit ziemlicher Sicherheit in Dehles anzutreffen sein. Wo genau, werde ich nicht verraten. Wer mich sucht, wird mich sicher finden.


Dies und das

Aus Deles wurde Dehles

Der Ortsname "Deles" wurde im Jahr 1418 erstmals urkundlich erwähnt. Allerdings wechselten die Ortsnamen im Laufe der Zeit gleich mehrmals. Aus Dalch, Dales, Delles, Delyss, Deleß oder auch Döhles wurde erst im Jahr 1791 Dehles - und blieb dann der heutige Name.

Keine Kirche im Dorf

Dehles hatte nie eine Kirche. Der Ort wurde 1587, so ist es überliefert, nach Thossen eingepfarrt. 2005 schlossen sich die Kirchgemeinden Thossen, Rodersdorf und Kürbitz zusammen. Der Taufstein in der Thossener Kirche stammt aus dem Jahr 1669 und wurde vom Dehleser Tischler Michael Reinl geschaffen.

Als Dehles eine Schule hatte

Im Jahr 1838 wurde das Schulhaus in Dehles gebaut. Neben den Kindern aus Dehles wurden auch die aus Schönlind, Reinhardtswalde und Kemnitz dort unterrichtet. Es gab nur ein Klassenzimmer für alle Schüler. Erst 1952 kam nach Umbau ein zweites Zimmer dazu. Heute ist das Gebäude das Bürgerhaus.

Dehles früher eigenständig

Dehles galt als kleinste eigenständige Gemeinde im Landkreis Plauen, bevor der Ort nach Reuth eingemeindet wurde. Jetzt zählt Dehles zur Gemeinde Weischlitz. Der Ortsteil Reinhardtswalde gehörte schon immer zu Dehles. Zum Fest packen auch Hände aus Reinhardtswalde in Dehles mit an.

Dehles feiert im Wechsel

In Dehles hat es sich etabliert, dass der Fasching nur alle zwei Jahre zelebriert wird. Gefeiert wird in Räumlichkeiten der Milchwirtschaft. Steht kein Fasching an, wird in besagtem Jahr der Ostertanz veranstaltet. So geht es immer im Wechsel. Ein Dorffest wird fast jedes Jahr gefeiert.

Sonntagsessen aus Milchwirtschaft

Neben Handwerksbetrieben wie Rollobau, Elektriker und Kesselreinigung gibt es einen landwirtschaftlichen Betrieb in Dehles: Die Milchwirtschaft Dehles, die eine öffentliche Kantine mit Mittagessen betreibt. Dort wird zum Ortsjubiläum der Sauerbraten für den Sonntagsschmaus vorbereitet. (sim)

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