Eine Quelle, die die Menschen bewegt

Leben am Fluss Die Weiße Elster ist die Flusslandschaft des Jahres 2020/21. Rolf Ebert hütet die Bücher zur Elsterquelle. Wer dort etwas einträgt und was ihn selbst mit diesem Ort verbindet.

Steingrün/Výhledy.

Es sprudelt nur so heraus. An der Quelle der Weißen Elster, von den Naturfreunden Deutschlands und Partnern zur Flusslandschaft des Jahres 2020/21 erkoren, verewigen sich die Besucher unverblümt. Die Möglichkeit gibt es seit 1997 in Gästebüchern am Quellendenkmal im Wald zwischen Steingrün/Výhledy und Bärendorf. Gut 2000 Seiten in 18 Büchern haben die Besucher vollgeschrieben. Der eine schimpft, der zweite lobt, der dritte fühlt sich zum Gedicht inspiriert, der vierte schwelgt in Erinnerungen. Selten bleibt es beim lapidaren "Ich war auch da". Es ist eine Quelle, die die Menschen bewegt.

Rolf Ebert kann das verstehen. Dem 74-Jährigen, Ex-Präsident des Verbandes Vogtländischer Gebirgs- und Wandervereine, geht es ja nicht anders. "Für mich ist es persönlich ein Ort, der zum vogtländischen Wandern gehört, zu dem es mich persönlich und lange und immer wieder hingezogen hat." Viele kommen hierher immer wieder, das erzählen die Quellenbücher. Manchen verfehlen den Ursprung des vogtländischen Hauptflusses, anderer erreichen ihn und haben wenig davon.

So ging es auch Rolf Ebert. "Die ersten dreimal, als ich hier war, hat es in Strömen geregnet. Das muss Ende der 60er-Jahre mit der Sektion Wandern, Bergsteigen, Orientierungslauf der BSG Lok Adorf gewesen sein", erzählt er. Ähnlicher Unbill ereilte die Wanderer 1998, zur 100-Jahr-Feier der Quellfassung - es goss aus Kübeln.

Wie das Wetter zur Wandertour an der Elsterquelle war, ist aus vielen Eintragungen der Quellenbücher herauszulesen. Angefangen mit den linierten oder karierten Notizbüchern hat am 31. Oktober 1997 Udo Huster, der aus Remtengrün stammt und in Markneukirchen lebt. Er hat die Bücher auch betreut. War eins voll, brachte er es zu Ebert. Inzwischen reicht der bulgarische Postkarton, in dem sie wohlverwahrt sind, nicht mehr. Einfach abgelegt sind sie nicht. Rolf Ebert hat sie gelesen, anderen zum Lesen gegeben, sie mit Unterstützung des Ascher Vizebürgermeisters Pavel Klepáček in Museum Asch ausgestellt. Wer in ihnen einmal blättert, liest sich fest. Unterschriften längst Verstorbener tauchen auf, Vertriebene aus dem Egerland lassen Leser an ihren Gedanken zur Quelle als Sehnsuchtsort Teil haben, andere fühlen die Kraft der Ursprungs der Weißen Elster ("Ein wunderbarer Ort der Ruhe und Stille, tritt mir die unerschöpfliche Quelle entgegen. Ich bin gestärkt für den weiteren Weg").

Zwischen den Eintragungen von Michelle und Mark aus Washington D.C., Besuchern aus dem britischen Seebad Eastbourne oder aus der Ukraine verewigen sich in den Büchern viele, die an der Elster wohnen, nun ihren Ausgangspunkt aufsuchen - oder der Meinung sind, als Vogtländer gehört es dazu, die Quelle zu kennen. "Als Plauener einmal im Leben zur Elsterquelle" jubelten am 23. Juli Knirpse der Plauener Grundschule am Wartberg - drei Tage später stand mit dem Grünbacher Ortschronisten Rudi Fücker, damals 89 Jahre alt, einer der Senioren am Fuß des granitenen Denkmals.

Die Zukunft der Quellenbücher als einmaliges Zeugnis der Zeitgeschichte sieht Rolf Ebert im Historischen Archiv des Kreises auf Schloss Voigtsberg in Oelsnitz, bei vielen anderen Dokumenten zum Vogtlandwandern. Eins beweisen die Bücher auch: Papier ist nicht immer geduldig. "Richtig böse Kommentare" in den Büchern waren ein Antrieb für eine Aktion, mit der sich Ebert 2013 als Wanderverbandspräsident verabschiedete. Mit dem tschechischen Forst als Partner wurde das Denkmal saniert und der morsche Knüppeldamm vom Hauptweg zur Quelle ersetzt.

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