Firma Grünbeck entwickelt Brandschutz-Fenster aus Holz

Auf der einen Seite tobt das Feuer, auf der anderen Seite ist das Holz lauwarm. Der Plauener Traditionsbetrieb hat ein brennbares Material zum Schutz-Renner gemacht.

Plauen.

Auf der Rückseite sieht das Fensterelement aus wie schwarze Holzkohle. Von vorn so gut wie neu. "Ein Gebäude aus Holz steht länger als eines aus Metall, wenn's brennt", erklärt Jörg Grünbeck (52), Geschäftsführer des Familienunternehmens Grünbeck Fenster und Türen. 45 Minuten sind Flammen gegen das Prüffenster geschlagen, ohne dass sie sich durchgebrannt haben: Test bestanden. Seit 15 Jahren baut Grünbeck Brandschutzfenster mit Holzrahmen. "Das macht nur eine Handvoll Firmen in Deutschland", sagt Jörg Grünbecks Sohn Maximilian (27) stolz.

Jörg Grünbeck, seine Frau Heike (52) und sein Sohn zeigten gestern führenden Vertretern der Handwerkskammer Chemnitz und Landrat Rolf Keil (CDU) den Betrieb, den 1940 Herbert Grünbeck als Tischlerei gegründet hatte. Als Jörg Grünbeck 1990 nach dem unerwarteten Tod seines Vaters Rolf die Tischlerwerkstatt übernahm, zählte sie sieben Mitarbeiter. Heute sind es 90. Grünbeck steigerte und erweiterte nach und nach die Fenster- und Türen-Produktion. Ohne seine Familie und sein Team hätte er das nicht geschafft, sagt er. Auch wenn es nach dem Millennium zum Einbruch in der gesamten Baubranche kam. Grünbeck ließ sich nicht entmutigen, sondern stieg in das Zuliefergeschäft ein, brachte seine Brandschutzfenster auf den Markt und setzt seit diesem Jahr auf eine verbesserte Betreuung von Privatkunden vor Ort. Auch ein neuer Online-Shop soll starten.

Dann können Handelskunden aus ganz Deutschland auch per Internet unter anderem Fenster und Türen aus Holz, Aluminium und Kunststoff ordern. Mit Brandschutz und ohne. Für Neubauten oder denkmalgeschützte Gebäude, wie man in der Spitzenstadt nicht nur an sanierten Mehrfamilienhäusern von Frank Müller sieht. Das Kopfhaus, die Astrid-Lindgren-Schule, das Helios-Klinikum: Alle haben Grünbeck-Fenster.

Bauchweh bereiten dem Chef trotz dieser sichtbaren Erfolge vor allem zwei Dinge: günstigere Fenster-Konkurrenz aus Polen und fehlende Facharbeiter, auch wenn Grünbeck selbst ausbildet. Von Sorgen lässt er sich aber nicht ausbremsen: Das Betriebsgelände im Heidenreich umfasst inzwischen gut 12.000 Quadratmeter, so der Chef, davon etwa 5000 Quadratmeter für die Produktion. Sie wollen sich aber noch mehr steigern, so sein Sohn. Deshalb entsteht noch eine weitere Halle von knapp 1000 Quadratmetern Größe mit neuen Maschinen für rund 2,2 Millionen Euro.

Zum Beispiel für die Fertigung von Fenstern. Gut 100 Fenster- und Türelemente pro Tag stellt Grünbeck her. Vor allem im Brandschutzbereich will das Unternehmen künftig noch mehr produzieren. Nicht nur die Materialstärke solcher Schutz-Elemente aus Eiche oder Lärche schirmt dabei vor Feuer ab: "Wenn Holz brennt, entsteht auf natürliche Weise eine brandhemmende Schicht", so Maximilian Grünbeck. Zurzeit entwickelt die Firma Fenster, die mindestens 90 Minuten Sicherheit vor Flammen bieten. Der Umsatz, den der Betrieb mit Brandschutz macht, hat sich seit dem Vorjahr stark erhöht, so Heike Grünbeck: von 900.000 auf gut 1,5 Millionen Euro.

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