Flüchtlinge nehmen Hilfe bei Einstieg in Job an

Beim Bildungsinstitut Pscherer macht man seit drei Jahren gute Erfahrungen mit einem Projekt, bei dem sich Mentoren umfassend um ausländische Arbeitssuchende kümmern.

Plauen.

Mit der großen Flüchtlingswelle vor vier Jahren kam auch eine große Anzahl Ausländer ins Vogtland. Als Reaktion darauf nahm vor drei Jahren das Projekt "Arbeitsmarktmentoren für Geflüchtete" des sächsischen Wirtschaftsministeriums seine Arbeit auf. Jetzt haben Jeannette Haase-Pfeuffer und Nicole Baumgärtel vom Bildungsinstitut Pscherer im Wirtschaftsförderungsausschuss der Stadt eine positive Bilanz ihrer Tätigkeit gezogen.

Das Unternehmen hat sich 2016 für das Modellprojekt beworben. Dass die beiden Frauen ihre Arbeit leidenschaftlich machen, konnten die Ausschussmitglieder während des Vortrages spüren. Aber auch die vorgebrachten Zahlen und Fakten ergaben ein klares Bild.

"Wir hatten rund 200 Vermittlungen", berichtete Jeannette Haase-Pfeuffer. Davon fanden 148 eine Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt. 85 Teilnehmer des Projektes haben die sechsmonatige Probezeit bereits hinter sich, 53 noch nicht. Zehn Kündigungen machten sich wegen eines Wechsels der Arbeitsstelle, wegen Winterpausen auf Baustellen oder wegen Veränderungen beim Aufenthaltsstatus der Menschen nötig. 45 Geflüchtete konnten eine Lehre beginnen. Davon haben 40 ihre Zwischenprüfung schon hinter sich, drei noch nicht. "Einer war nicht zuverlässig", sagte Nicole Baumgärtel. Ein anderer junger Mann wechselte von einer technischen Lehre in den Pflegebereich, wo es ihm besser gefiel. Sieben Frauen und Männer begannen eine Einstiegsqualifikation.

Für diesen Erfolg zeichnen nicht zuletzt die fünf Mentoren verantwortlich, die sich um die Bewerber kümmern. Im Pscherer-Team arbeiten zwei Fotografen mit, die Bewerbungsbilder erstellen, und auch Sprachmittler. Rollenspiele für Bewerbungsgespräche stehen auf dem Programm. Bei der Anerkennung von Studienabschlüssen anderer Länder in Deutschland wird geholfen. Selbst die Gestaltung der Freizeit bleibt nicht dem Zufall überlassen. Kontakte etwa zu Sportvereinen werden vermittelt.

Dazu kommen die Vorteile dieser an 14 Stellen im Freistaat ausgeübten Methode der Eingliederung Geflüchteter. Die Leute machen das freiwillig und es gibt keinerlei Sanktionen. Es seien auch keine Vorgaben übergeordneter Stellen zu befolgen. Wer Arbeit oder Ausbildung will, muss keine vorgefertigten Lehrgangsbestandteile in einer bestimmten Zeit absolvieren. Alles wird auf den Einzelnen zugeschnitten. "Einer ist schneller, ein anderer langsamer", erklärte Nicole Baumgärtel. Natürlich sei das Beherrschen der deutschen Sprache eine Grundvoraussetzung. Die Mentoren testen die Interessenten aber auch auf Pünktlichkeit und Eignung für die angestrebte Tätigkeit.

"Die Unternehmen kommen jetzt auf uns zu, was anfangs nicht so war", schilderte Jeannette Haase-Pfeuffer wachsendes Interesse der Wirtschaft für ausländische Arbeitskräfte. Mittlerweile liegt auch eine Anfrage aus Thüringen zu dem Projekt vor. Die beiden Frauen werden deshalb demnächst dort über ihre Arbeit sprechen. Das Projekt im Vogtland endet dieses Jahr. Eine Fortsetzung sei geplant.

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