Gedenkstele soll bis November fertig sein

Das Mahnmal soll an die Nazi-Verbrechen in Plauen erinnern. Der Künstler ist ein alter Bekannter - sein Entwurf allerdings nicht unumstritten.

Plauen.

Der ostfriesische Künstler Norbert Marten, der am Donnerstag den Zuschlag für die Gestaltung der Pogrom-Gedenkstele erhielt, soll bei dem Plauener Thomas Joram abgekupfert haben. Das deutete dieser im Kulturausschuss an: "Mir fällt die Ähnlichkeit zu meinem Entwurf von 2017 auf." Joram, beratender Bürger der Linken im Ausschuss, hatte seinen Vorschlag für die Stele im Mai zurückgezogen, nachdem das Landratsamt am Postplatz als Standort beschlossen worden war.

Kulturbürgermeister Steffen Zenner (CDU) bestritt die Plagiatsvorwürfe jedoch, ebenso wie der 65-jährige Künstler selbst. "Ich kenne den anderen Entwurf nicht", sagte er gestern am Telefon auf Nachfrage. Zenner hatte eine gewisse Ähnlichkeit aufgrund des Bauhaus-Stils eingeräumt.

Das Stimmergebnis für Marten war knapp: fünfmal Ja (CDU), zweimal Nein (Linke) und zwei Enthaltungen (SPD/Grüne). Petra Rank von der Fraktion der Linken begründete ihr Veto zur Auftragsvergabe nicht nur mit der vermeintlich gestalterischen Übereinstimmung zu Jorams Entwurf, sondern auch damit, dass Marten kein regionaler Künstler sei. "Es hat sich eben trotz gezielter Ansprache kein Vogtländer beworben", so Zenner. Marten habe gar als einziger ein Angebot abgegeben. Auch Daniel Herold von den Linken meldete sich zu Wort. Er befürchte, das Denkmal werde ein "schöner Klotz". Lutz Kowalzick (CDU) hatte sich zuvor wohlwollend über die "ästhetische Lösung" geäußert.

Jetzt läuft der Countdown: Ein Vierteljahr hätte Norbert Marten aus Westerstede bei Oldenburg Zeit, um das seit Ende 2016 angekündigte Mahnmal an die Schrecken des Pogroms von 1938 zu schaffen: Am 9. November wird der 80. Jahrestag begangen. Für den Künstler ist das machbar. Und auch der Kulturausschuss hat mehrheitlich Vertrauen in Martens Können. Schließlich ist er kein Unbekannter in Plauen. Im Jahr 2007 fertigte er den König-Albert-Brunnen auf dem Altmarkt an. Doch bei allem guten Ruf hatte die Verwaltung aus Zeitgründen wohl gar keine andere Chance, als dem Nordlicht den Zuschlag zu geben - des nahenden Stichtags wegen. Der sei aus Sicht von Ruth Röcher, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Chemnitz, gar nicht so wichtig. In Plauen habe man sich nun aber einmal für den Termin entschieden, so Bürgermeister Zenner.

Auch Künstler Marten hat sich in seinem Konzept darauf eingelassen. Von der Ausschreibung erfahren habe er im Internet. In Sachen Altmarkt-Brunnen habe er gut mit dem Stadtarchiv zusammengearbeitet, eine erneute Kooperation habe nahegelegen. Sein Werk soll an die einst aktive jüdische Gemeinde erinnern. Es sollen auch Mitarbeiter jüdischer Herkunft des Kaufhauses Tietz (das heutige Landratsamt) aufgeführt werden. Die Recherche sei jedoch schwierig, so Zenner. Namen müssten später ergänzt werden.

Geklärt ist nun die Finanzierung. Ursprünglich sollte die Stele durch Spenden bezahlt werden. Nun sind 10.000 Euro fürs Honorar im Haushalt eingestellt. Würde allerdings eine LED-Beleuchtung an dem dreiteiligen, 150 Kilogramm schweren Kunstwerk eingearbeitet, könnte es teurer werden. Martens Kunstwerk soll teils aus einem Keramikverbundwerkstoff bestehen - keimfrei und resistent gegen Kratzer.

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