Gnadenhochzeit in Elsterberg: Es war Liebe auf den ersten Blick

Ein seltenes Ehejubiläum feiern heute Eberhard und Anni Dietzsch. Wie man das schafft? Das Jubelpaar hat's verraten.

Elsterberg.

Das Elsterberger Ehepaar verbindet 70 gemeinsame Ehejahre, ein seltenes Jubiläum. "Wir haben schon die Steinerne, Eiserne und Diamantene gefeiert", sagt Eberhard Dietzsch. Heute ist die Gnadenhochzeit dran. "Es ist ein großes Geschenk, dass wir das zusammen feiern können", meint Anni Dietzsch.

Beide sind der gleiche Jahrgang, Eberhard Dietzsch ist 91, Anni Dietzsch wird es bald. Eigentlich wollte das Paar damals, im Jahr 1948, schon Ende Juli heiraten, wie die Eltern. "Aber das hat nicht mit dem Mond gepasst", erinnert sich Eberhard Dietzsch. Mit dem Mond? "Wir haben noch ein paar Tage gewartet, dann war der Mond zunehmend." Anni Dietzsch lächelt und ergänzt: "Das hat uns scheinbar Glück gebracht."

Kennengelernt hatten sich die Beiden im Herbst 1943. "Ich hatte in Adorf gewohnt, kam dann nach Elsterberg in Stellung in einen Fabrikantenhaushalt", blickt Anni Dietzsch zurück. Das war gleich nach der Schulzeit, später hatte sie drei Jahre an der Berufsschule Hauswirtschaft gelernt.

Eberhard Dietzsch zog 1940 mit der Familie nach Elsterberg, wo man das Elternhaus übernahm. Anfang der 1940-Jahre gab es keine Tanzabende, wo sich junge Leute vergnügen und kennenlernen konnten. Es war Kriegszeit. Dennoch war es Tradition in Elsterberg, dass man sich regelmäßig traf. "Wir lernten uns durch Schulkameraden kennen", so Eberhard Dietzsch. Das junge Mädel war neu in Elsterberg. "Sie ist mir gleich aufgefallen, die kleine Schwarze", erinnert sich der Jubilar schmunzelnd. Also hatte er sich nach ihr erkundigt. Und: "Es war Liebe auf den ersten Blick." Das junge Paar ging spazieren, ins Kino oder nach Greiz ins Theater. So fing es an.

Am 14. August 1948 war schließlich die Hochzeit. "Wir mussten heiraten, um in mein Elternhaus ziehen zu können", sagt der Elsterberger. Der Zeitpunkt war eigentlich nicht günstig. "Am 30. Juni 1948 war die Währungsreform. Das Geld war weg. 100 Mark waren bloß noch zehn Mark wert." Doch man wusste sich zu helfen. Gefeiert wurde im ganzen Haus. Im Wohnzimmer und auch im Hof mit Musik. Das Wetter war schön. "Als wir zum Standesamt gingen, war etwas Regen und etwas Sonne", so Anni Dietzsch. Diese Mischung soll Glück bringen. Da Eberhard Dietzsch in der Weberei in Elsterberg arbeitete, konnte er ohne Bezugsschein, die es damals für den Kauf gab, Kleiderstoffe erwerben. Reine Seide fürs Brautkleid, hellblaue und grüne Stoffe für die Kleider der Brautjungfern und für sich selbst Anzugstoff. Das war ein Glücksfall fürs junge Paar. In der Laurentiuskirche wurde das Brautpaar von Pfarrer Karl Hühnermund getraut.

"Am Montag haben wir das Gerüst am Haus aufgestellt", so Eberhard Dietzsch. Statt Hochzeitsreise war Arbeit angesagt, am Giebel musste gebaut werden. Erst zur Silbernen Hochzeit reisten die Elsterberger in den Böhmerwald. "Wir hatten schöne Jahre, aber auch Zeiten der Krankheit", sagt Anni Dietzsch. Sie arbeitete 15 Jahre in der Wäscheunion, der Weberei. 20 Jahre dann als Kassiererin im Konsum am Kirchplatz. Er lernte Wirtschaftskaufmann, musste ein halbes Jahr in den Krieg, war ebenfalls in der Wäscheunion, wo er erst im Versand, dann nach mehreren Fernstudien zum Techniker, Bilanzbuchhalter und Ökonomie-Ingenieur, in der Verwaltung, in der EDV und im Rechnungswesen als Hauptbuchhalter tätig war.

Und worin besteht nun das Ehe-Geheimnis? "Man muss in guten und schlechten Zeiten zusammenhalten", sagt Anni Dietzsch. Und Eberhard Dietzsch ergänzt: "Gegenseitiges Vertrauen ist wichtig und eine gemeinsame Kasse." Und auch, dass man immer wieder aufeinander zugeht, auch wenn mal Funkstille herrscht.

Gefeiert wird die Gnadenhochzeit zu Hause mit der Familie in Elsterberg. Dabei sein werden neben ihrer Tochter sicher auch der Enkel und das Urenkelchen. Die kleine Charlotte, voriges Jahr geboren, ist der ganze Stolz der Familie.

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