Großzöberner Landwirte zeigen Mut zu neuen Investitionen

Anlässlich des 25-jährigen Betriebsjubiläums öffnete die Agrargenossenschaft Großzöbern am Samstag ihre Tore. Besucher konnten ökologische Landwirtschaft hautnah erleben.

Grosszöbern.

Viele Gäste stiegen aufs elektrisch angetriebene Segway um und rollten direkt durch den Kuhstall der Agrargenossenschaft Großzöbern. Bei laufendem Betrieb erklärte das Personal die Abläufe im Melk-Karussell. Zudem stellten die Gastgeber moderne Landwirtschafts-Technik aus.

Mitten im Trubel stand Karin Zetzsche. "So groß haben wir noch nie ein Fest aufgezogen", blickte die zweite Geschäftsführerin der Genossenschaft zurück. Seit Anfang der 1970er-Jahre gehört sie zum Betrieb. Damals noch unter der Flagge der "LPG-Tierproduktion Grenzland Großzöbern" und der "Pflanzenproduktion Kemnitz". Nach der deutschen Wiedervereinigung gründete sich 1991 die Genossenschaft. "Zu dieser Zeit haben nicht viele an das Modell geglaubt", weiß Betriebschef Dirk Rudert. "Nach der Wende war die Genossenschaft totgesagt". Im benachbarten Bayern habe man schon ein Auge auf die genossenschaftlichen Grünflächen geworfen. Doch es kam anders, als dies von einigen prophezeit wurde.

Aktuell steht die Agrargenossenschaft Großzöbern besser da denn je. Bereits im Sommer 2001 stellten die Verantwortlichen auf ökologische Landwirtschaft um. Die beiden Geschäftsführer bereuten diesen Schritt nie. "Wir waren einer der ersten großen Milchbetriebe in Sachsen, die auf Öko umgestellt haben." Man habe eine neue Perspektive gesucht und gefunden. "Wir sind stolz auf das Geleistete."

Heute kümmern sich die Landwirte unter anderem um 700 Rinder, darunter 300 Milchkühe. Übers Jahr geben die Tiere laut Rudert 2,2 Millionen Liter Milch. Pro Kuh liege die Milchleistung bei 8300 Liter. Damit bewege man sich über dem Durchschnittswert der Öko-Betriebe. Die Vermarktung im Bio-Segment sei relativ stabil. Für Bio-Milch werden derzeit um die 50 Cent gezahlt. Abnehmer der Milch ist eine Käserei in Bayreuth. Die Bilanzen stimmen insgesamt 72 Genossenschaftsmitglieder zufrieden. Mit über zwei Millionen Euro Jahresumsatz sei man gut dabei. Zum Betrieb gehören 1200 Hektar Grünland. Angebaut wird nach den Richtlinien des Naturland-Verbandes ohne den Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutz- und Düngemitteln.

Auch nach 25 Jahren wollen Rudert und seine 26-köpfige Mannschaft weiter in der Erfolgsspur bleiben. "Wir müssen auf jeden Fall Mut zu neuen Investitionen haben." In der Vergangenheit wurde die Milchviehanlage mehrmals - zuletzt 2015 - modernisiert. Die Biogasanlage steht seit 2007. Der ein Jahr später eröffnete Hofladen ist inzwischen über die Ortsgrenzen hinaus bekannt. Im Sortiment finden die Kunden Fleisch- und Wurstwaren aus eigener Produktion.

Was die Attraktivität des Berufsbildes für junge Leute betrifft, stehe man in Konkurrenz zur Industrie. "Deshalb bieten wir neben der Ausbildung auch Qualifizierungs-Möglichkeiten." Derzeit haben in der Agrargenossenschaft drei angehende Landwirte einen Ausbildungsplatz. Der Generationswechsel ist im vollen Gange, verriet der Geschäftsführer. "Demnächst gehen fünf Mitarbeiter in Rente." Nach außen hin wolle man sich weiter gläsern präsentieren. Schulen und Kindergärten haben die Möglichkeit, spezielle Projekttage anzumelden.

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