Heinrich von Plauen kehrt in seine Heimat zurück

Vor über 600 Jahren rettete der vogtländische Adelige den Deutschen Ritterorden und schrieb Weltgeschichte. Im Herbst hält der Hochmeister Einzug in den Komturhof. Aber wird man ihn erkennen?

Plauen.

Es war nicht bloß eine Niederlage, es war ein Debakel. Der Deutsche Ritterorden - einer der mächtigsten Staaten Osteuropas - lag am Boden. In der Schlacht von Tannenberg hatte eine polnisch-litauische Armee die als unbesiegbar geltenden Ritter 1410 vernichtend geschlagen. Die vollständige Auslöschung des Ordens schien nur noch eine Frage von Wochen.

Doch ein Mann riss das Ruder herum. Ritter Heinrich von Plauen vereinigte die Reste des Heeres an der Marienburg, dem Hauptsitz des Deutschen Ordens. In nur wenigen Tagen organisierte er die Verteidigung und wehrte verbissen alle Eroberungsversuche ab. Nach rund acht Wochen mussten die Belagerer abziehen. Der Orden war - vorerst - gerettet. Ohne den Vogtländer wäre die Landkarte Osteuropas 1410 wohl völlig neu gezeichnet worden. Die dankbaren Ritter wählten ihn damals zu ihrem Hochmeister.

Jetzt kehrt der Held in seine Heimat zurück. Der echte Heinrich ist es natürlich nicht. Die Gebeine des 1429 gestorbenen Ritters liegen mit großer Wahrscheinlichkeit im Dom zu Marienwerder (Kwidzyn). Die polnische Stadt südlich von Danzig befindet sich rund eine Autostunde von der Marienburg entfernt.

In der monumentalen Kirche ist Plauens Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP) dem Hochmeister 2015 begegnet. Sein dortiger Amtskollege hatte ihn eingeladen. "Im Mai 2007 ist der Dom umfassend restauriert worden", so Oberdorfer. "Dabei sind drei Sarkophage aufgetaucht." In diesen lagen die Skelette dreier Männer. "Wissenschaftler haben Sarkophage und Knochen untersucht", so der Rathauschef. "Einer der Toten ist mit einer Wahrscheinlichkeit von 97Prozent Heinrich von Plauen."

Dies allein war schon interessant genug. Doch die Polen hatten noch mehr getan. Die Knochen der Männer - vermutlich alle drei Hochmeister - betteten sie an Ort und Stelle in drei Holzschreinen zur Ruhe. Durch eine Glasscheibe kann man sie betrachten. Doch vor allem stellten sie drei Särge auf, in denen Puppen liegen, die die toten Ritter darstellen sollen. Die Köpfe hatten Mitarbeiter einer polnischen Fachfirma bei Krakau täuschend echt aus Silikon und Echthaar gestaltet.

"So etwas wollte ich für Plauen auch", sagt Oberdorfer. Allerdings nicht liegend, sondern aufrecht stehend. "Wo die Puppe hinkommt, ist klar: in den Komturhof." Denn in dem Gebäude befand sich einst sozusagen die Plauener Niederlassung des Deutschen Ordens. Streng genommen war der 1370 vermutlich in Thüringen geborene Heinrich dort nie Hausherr. Er leitete statt dessen Komturen auf dem Gebiet des heutigen Polens. Doch damit kann Oberdorfer leben. "Wir wollen im Komturhof eine Ausstellung über die Ritter in Plauen zeigen", so Oberdorfer. "Durch die Puppe wird das Thema viel lebendiger und bleibt länger im Gedächtnis."

Nachdem das Lions-Hilfswerk Plauen 3000Euro zu dem Projekt beisteuerte, konnte der Oberbürgermeister die lebensechte Figur bei der Krakauer Spezialfirma bestellen. Wobei das mit dem lebensecht so eine Sache ist. Der Fotoapparat war 1410 noch nicht erfunden und die Künstler des Mittelalters malten keine detailgetreuen Portraits. Hatte der vogtländische Ritter eine große oder kleine Nase? Keiner weiß es.

Deshalb ist Oberdorfer selbst gespannt, wie Heinrich aussieht, wenn der voraussichtlich im Oktober in den Komturhof einzieht. Fest steht nur, dass der Hochmeister Bart und Schnurrbart tragen wird. Denn so ist er bei den Polen bestellt.

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