Homöopathie im Kuhstall auf Vormarsch

Die einen halten sie für blanken Hokuspokus, die anderen sind überzeugt von ihrer Wirkung: alternative Medizin. Mit Erfolg setzen einige vogtländische Landwirte sie schon seit Jahren für ihre Milchkühe ein.

Plauen.

Einige vogtländische Milchviehhalter setzen seit Jahren alternative Medizin zur Behandlung ihrer Kühe ein. Für sie sind Globuli kein Hokuspokus, sondern eine gute Ergänzung zur Schulmedizin und ein Weg, um Antibiotika einzusparen. Dem Gesetzgeber sind sie damit mehrere Nasenlängen voraus.

Das im März 2018 in Kraft getretene Arzneimittelgesetz soll die Behandlung von Tieren mit Antibiotika reduzieren, um Resistenzen gegen diese Mittel vorzubeugen. Mehrere vogtländische Betriebe verabreichen ihren Milchkühen homöopathische und pflanzliche Präparate und das zum Teil seit vielen Jahren mit Erfolg. Einen ganz wesentlichen Anteil an dieser Entwicklung trägt der Arbeitskreis Milch, der sich seit Anfang der 1990er-Jahre etwa sieben Mal im Jahr zu Vorträgen, Workshops und Seminaren trifft. Im Durchschnitt nehmen etwa 40 der 100 vogtländischen Milchviehbetriebe an diesen Veranstaltungen teil. Mehrfach war auch schon alternative Tiermedizin Thema der Zusammenkünfte.

Bettina Dög, Mitarbeiterin der Service- und Informationsstelle des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, organisiert die Veranstaltungen. Sie sagt: "Alternative Medizin ist ein Thema, das in unsere Welt passt. Sie soll die klassische Schulmedizin nicht ersetzen, sondern ergänzen."

Seit zwölf Jahren überzeugt von der Wirksamkeit solcher Mittel sind Heiko Hölzel, Geschäftsführer der Marienhöher Milchproduktion in Waldkirchen, und Jörg Mothes, der im Betrieb für die Tierhaltung zuständig ist. "Früher habe ich Homöopathie für Hokuspokus gehalten. Seit Globuli meine Tochter vor zwölf Jahren gesund gemacht haben, bin ich davon überzeugt, dass die Mittel wirken", so Mothes. Hölzel sagt: "Wir brauchen bei der Behandlung Alternativen zu Antibiotika." Die 700 Milchkühe im Stall bekommen seit Jahren homöopathische Mittel, sobald erste Anzeichen einer Euterentzündung auftreten. Der Melkroboter sei hier eine echte Hilfe. Er liefert verschiedene Daten, die auf den Gesundheitszustand der Kuh Rückschlüsse zulassen. Mothes: "Wir erkennen eine beginnende Euterentzündung schon, da zeigt das Tier noch keine Symptome. Dann geben wir homöopathische Mittel. Die helfen sehr gut."

Andere Anwendungsgebiete für Homöopathie sind in der Marienhöhe von der Geburt geschwächte Kühe, Kälber, die schlecht saugen, verletzte Kühe oder Kühe mit Geburts- oder Nachgeburtsproblemen. Doch auch bei Jörg Mothes und Heiko Hölzel hat die Schulmedizin weiterhin einen festen Platz in der Behandlung: "Hat eine Kuh 40 Grad Fieber, dann hole ich den Tierarzt. Wenn es nötig ist, bekommt die Kuh dann auch Antibiotika", so Mothes.

In der Agrargenossenschaft Bobenneukirchen sind der stellvertretende Geschäftsführer Ronny Seidel und sein Mitarbeiter Domenik Krug ebenso von der Wirksamkeit alternativer Medizin überzeugt. Seidel: "Wir arbeiten seit anderthalb Jahren mit einem pflanzlichen Knoblauchpräparat und seit einem Jahr mit homöopathischen Mitteln. Ich kann nur sagen: Es funktioniert." Entscheidend für die Bobenneukirchener Landwirte war auch die Unterstützung ihrer Tierärztin. "Außerdem ist es wichtig, seine Tiere genau zu beobachten", so Seidel. Krug schreibt gerade seine Abschlussarbeit als Staatlich geprüfter Wirtschafter zu einem solchen Thema und beschäftigt sich darin ebenfalls mit dem Knoblauchpräparat, das Euterentzündungen im Anfangsstadium ausheilen soll. Zwischenergebnisse stellte er kürzlich dem Arbeitskreis Milch vor.

Auch im Milchgut Triebtal in Trieb bei Falkenstein schätzt Nicole Andermann seit vielen Jahren homöopathische Mittel. "Wir haben mit der Behandlung von Nachgeburtsproblemen begonnen und seitdem die eingesetzten Mittel auf etwa 30 Präparate erweitert", sagt die Landwirtin. Auch Verletzungen, wie Stöße, Prellungen oder Wunden, behandelt Andermann homöopathisch. Für sie steht fest: "Homöopathie ist kein Hokuspokus. Das wirkt auch bei uns Menschen. Auch meine Pferde behandle ich damit." Doch auch für sie ist der Einsatz alternativer Medizin nicht der Abschied von der Schulmedizin. Andermann erklärt: "Es gibt auch Notfälle. Da geben wir den Tieren Antibiotika."


Das sagen andere Landwirte:

Adelheid Sachs, Landwirtin aus Schönberg: "Ich gebe nur einen kleinen Teil homöopathische Mittel, zum Beispiel bei Nachgeburtsproblemen, bei Verletzungen oder bei Stoffwechselkrankheiten."

Stefanie Schwabe, Agrargenossenschaft Großzöbern (Bio-Betrieb):

"Wir fangen mit alternativer Medizin gerade erst an. Wir setzten zum ersten Mal ein homöopathisches Mittel gegen Atemwegserkrankungen bei Kälbern ein."

Tino Wunderlich, Agrargenossenschaft Oberes Vogtland (Bio-Betrieb):

"Wir haben bisher noch keine alternative Medizin eingesetzt. Ich bin diesem Thema gegenüber aber aufgeschlossen."

Gerhard Feustel, Geschäftsführer Hofgut Eichigt (Bio-Betrieb):

"Wir fangen dieses Jahr mit alternativer Medizin an und werden uns langsam herantasten. Für uns ist der Weg das Ziel." (sia)

Bewertung des Artikels: Ø 2.5 Sterne bei 4 Bewertungen
4Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 3
    0
    hkremss
    03.01.2019

    Leider wird bei diesem Artikel suggeriert, es gäbe unter Fachleuten verschiedene Meinungen zum Thema Homöopathie. Fakt ist, dass es keinen einzigen wissenschaftlich geführten Nachweis für die Wirksamkeit von Globuli gibt, der über einen Placebo-Effekt hinaus geht! Nicht bei Menschen, geschweige denn bei Tieren. Es kann deshalb auch keine Alternative zu Antibiotika sein. Es sei denn, man versteht auch Antibiotika nicht und verteilt es mit völligem Unverstand genau so wie Globuli. Hier wäre aber eher Aufklärung nötig, als Quacksalberei! Und 'pflanzliche Präparate' kennt durchaus auch die Schulmedizin. Nur kocht heute eben niemand mehr einen Sud aus Weidenrinde, wie es unsere Vorfahren taten, sondern stellt die Wirkstoffe synthetisch her. Weil es viel billiger ist und schneller geht. Aber man schimpft gern auf die böse Pharmaindustrie und begegnet Wissenschaft mit bauchgefühlten Wahrheiten.

  • 3
    2
    voigtsberger
    02.01.2019

    Wer sich auch nur einigermaßen in der Tierhaltung auskennt, der weis doch, das egal ob herkömmlich oder biologische Tierhaltung und da auch egal ob Massentierhaltung oder Einzelhaltung, bei den meisten Erkrankungen hilft nur die "chemische Keule" , denn Tiere erkennen keinen Placeboeffekt und wie groß sollen da die Globuli sein oder wieviel kleine Kügelchen müssen da in eine Kuh rein?
    Wahrscheinlich wieder eine Werbeidee, um denn Preis fürs Bio-Fleisch von einigen Erzeugern zu rechtfertigen!

  • 2
    3
    BlackSheep
    02.01.2019

    Ich gebe es zu, klingt auch für mich ein bisschen "schräg", allerdings warum nicht mal was versuchen, kann ja auch sein es funktioniert.

  • 6
    5
    Blackadder
    02.01.2019

    Wird von Zuckerkugeln die Milch süßer?



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...