Junges Storchenpaar übt sich im Nestbau

Haben sich Weißstörche Treuen als neue Heimat ausgewählt? Weshalb die alte Esse dennoch nicht der beste Bauplatz ist.

Treuen.

Weil die Auenlandschaft entlang von Treba und Trieb ausreichen Futter bietet, werden in Treuen und Umgebung regelmäßig Störche gesichtet: bei der Nahrungssuche auf einer Wiese, beim Zwischenstopp oder weil sie Ausschau nach einem Nestbauplatz halten. Jetzt scheint ein Weißstorch-Pärchen ernsthaft Ambitionen zu haben, sich in Treuen niederzulassen. Seit bald zwei Wochen können die zwei Jungstörche dabei beobachtet werden, wie sie versuchen, auf einem Schornstein der Brauerei Blechschmidt ihren Horst zu bauen.

"Der stillgelegte Schornstein wurde schon früher immer wieder mal als Bauplatz ausgewählt, aber die letzten zwei, drei Jahr war Ruhe", erinnert sich Karl Blechschmidt. Dass er nun täglich das Weißstorch-Pärchen dabei beobachten kann, wie es Äste und Zweige als Baumaterial heranschafft und dabei ordentlich klappert, freut den Senior der Brauerei-Familie. Doch zugleich sieht er mit Bedauern: "Die beiden haben nicht das richtige Geschick." Denn viele Äste bleiben nicht auf dem Kopf des knapp 20 Meter hohen Schornsteins liegen, sondern fallen wieder herab. Der Bau des Horsts kommt nicht recht voran.


Für Vogelkundler Michael Thoß ein Hinweis darauf, dass es sich bei den Treuener Horst-Baumeistern um Jungstörche handelt. Ornithologen nennen diese Tiere "Übersommerer": Die Vögel sind noch nicht geschlechtsreif, brüten nicht, starten aber erste Versuche, ein Nest zu bauen. "Dass das nicht im ersten Anlauf klappt, ist normal. Zumal wenn sie sich für ihr Nest keinen bestehenden Horst aussuchen, der nur auszubessern wäre", sagt Thoß.

Immerhin bescheinigt der Kenner der heimischen Vogelwelt den beiden Neu-Treuenern eine gute Standort-Wahl: "So ein frei stehender Schornstein ist eigentlich ideal. Da kriegen Störche den Horstbau meist ohne Nisthilfe hin. Diese Gestelle wie zum Beispiel Wagenräder brauchen sie in der Regel nur, wenn das Nest auf einem Dachfirst gebaut werden soll." Unabhängig davon, ob die Jungstörche ihren Nestbau-Versuch auf der Brauerei-Esse den Sommer über fortsetzen: Für die Brut ist es dieses Jahr ohnehin zu spät. Geschlechtsreife Vögel haben damit längst begonnen, müssen die Jungtiere doch spätestens im September bereit sein für den Flug ins Winterquartier in Afrika.

Doch die Standort-Wahl des Weißstorch-Pärchens hat einen Haken, gibt Karl Blechschmidt zu bedenken: Wäre voriges Jahr nicht die Baufirma abgesprungen, stünde die Esse dieses Jahr schon nicht mehr. Denn der Brauereischornstein verfällt, seit er Ende der 1960er-Jahre stillgelegt wurde. "1964 schlug der Blitz ein, danach wurde der Schornstein teilweise neu aufgemauert, aber inzwischen ist er reif für den Abbruch", sagt Blechschmidt.

Auerbachs Ornithologen lässt diese Auskunft aufhorchen, sie wollen Kontakt zur Brauerei aufnehmen, vielleicht lässt sich der Standort sichern. Denn die Neuansiedelung eines Storchenpaares wäre ein Erfolg. Gibt es derzeit im Vogtland doch nur noch in Weischlitz einen regelmäßig zur Brut besetzten Horst. Andere wurden trotz Nisthilfe verlassen oder nicht angenommen.

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