Milchbauern machen mobil: Geiz soll nicht mehr geil sein

Beim Aktionstag der Interessengemeinschaft "Heimat braucht Bauern" wurde im Vogtland für regionale Produkte geworben. Das Echo der Kunden war positiv.

Plauen.

Kleine und größere Landwirtschaftsbetriebe aus dem Vogtlandkreis, angrenzenden Erzgebirge und Thüringen sind erneut in die Offensive gegangen. Als Interessengemeinschaft "Heimat braucht Bauern" (IG) starteten sie einen zweiten Aktionstag und bezogen am Edeka-Markt Kadelke im Mühlgrüner Gewerbegebiet mit regionaler Milch, Milchprodukten und dem neuen IG-Logo Stellung.

Nach ihrer erfolgreichen ersten Aktion im Juli mit einem Tag der offenen Milchtanks in 20 von insgesamt 60 bis 70 zusammengeschlossenen Betrieben suchten die Bauern nun den Kontakt zum Handel. Filialleiter Ronny Kadelke erklärte sich eigenen Angaben zufolge sofort einverstanden, als die vor fünf Monaten gegründete IG auf ihn zukam. "Der Handel braucht die Bauern genauso wie die Bauern den Handel", begründete er seine Unterstützung. Das Bewusstsein der Kunden für regionale Produkte sei da, stellt der Kaufmann fest. "Aber man muss sie darauf hinweisen. Und es ist gut, wenn die Leute auch mal die Gesichter sehen, die hinter den Produkten stehen. Es geht hier auch um Wertschätzung von Lebensmitteln." 20 Prozent der in seinen Filialen verkauften Erzeugnisse stammen derzeit aus dem Vogtland. Die günstigste Milch kostet 42 Cent pro Liter.

Landwirte wie Jörg Mothes sehen sich gezwungen, mit solchen Aktionstagen auf sich aufmerksam zu machen. "Die Leute müssen wissen, dass es uns schlecht geht", betonte der Sprecher der Bauern-Initiative. Der Rohstoff für seine Marienhöher Milchproduktion Waldkirchen wird von 700 Kühen geliefert - und abgenommen zu einem Preis, der ihm mehr und mehr den Boden unter den Füßen wegzieht. Er und seine Mitstreiter wollen dazu beitragen, dass die vogtländischen Endverbraucher von der Geiz-ist-geil-Mentalität Abstand nehmen und sich zu Produkten aus der Heimat bekennen. Außerdem wünscht man sich, mehr Händler ins Boot holen zu können.

Die Kundenreaktionen fielen am Samstag ausgesprochen positiv aus. "Ich finde den Aktionstag gut und kaufe gerne regional", sagte eine junge Frau aus Trieb. "Meine Eltern arbeiten selbst in der Landwirtschaft. Es ist wichtig, Arbeitsplätze zu erhalten und die Wertschöpfung in der Region zu belassen."

André Fuchs hat seinen Familienbetrieb mit 50 Kühen ausschließlich auf Weidehaltung ausgerichtet. Auch er weiß nicht, wo er noch sparen soll. Kredite machen es möglich, das Unternehmen über Wasser zu halten. Wie alle anderen Landwirte hofft André Fuchs, fürs Jahresende zugesagte Fördermittel tatsächlich zu bekommen. Pro Kuh und Monat mache er 100 Euro Miese, nannte der Landwirt aus Eibenstock Zahlen.

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