Mordprozess: Ein Haus, viel Ärger

Der Brand mit zwei Toten hat ein Fass in der Dürerstraße 8 zum Überlaufen gebracht. Im Haus wurde geprügelt und mit Crystal hantiert. Heiligabend 2016 stach eine Frau dort ihren Ex nieder. Was sie mit dem Feuer zu tun hat.

Plauen/Zwickau.

Das Haus an der Dürerstraße 8 gehört Frank Bürner. Er ist der Mann in Plauen, der an Menschen vermietet, die sonst keiner in seinen Häusern haben will. In der Stadt hat er viele Kunden inzwischen, in über 100 Wohnungen. Jetzt sitzt er als Zuschauer im Landgericht Zwickau und sagt, er erwarte eine lückenlose Aufklärung von der Justiz. Und er will wissen, welche Rolle eine seiner Mieterinnen spielt bei dem Feuerdrama: "Ich habe ihr eine neue Wohnung gegeben, da ist sie greifbar."

Um die Mieterin, eine 34-jährige Frau mit langer Vorstrafenliste, drehte sich am zweiten Prozesstag gestern einiges. Weil sie bei dem Feuer im Februar verletzt wurde, tritt sie als Nebenklägerin auf. An den Füßen hatte sie sich leicht verbrannt und lag drei Tage im Krankenhaus. "Sie ist ein ziemlich manipulativer Mensch", sagt ein anderer Nebenkläger in dem Verfahren. Durch den Brand verlor er seinen Bruder und seine Verlobte. Beide kamen in den Flammen Anfang Februar um. Er selbst verbrannte sich so sehr, dass er fast drei Monate im Krankenhaus lag.

Der beste Freund seines Bruders ist wegen zweifachen Mordes angeklagt. Die Staatsanwaltschaft hat keinen Zweifel daran, dass er das Feuer gelegt hat. Es gibt ein Geständnis. Aber die Suche nach dem Motiv ist ein Stochern im Nebel. Die Männer kannten sich aus dem Kinderheim. Mehrere Jahre lebten sie dort zusammen. "Ich kenne ihn so viele Jahre. Ich kann ihm nicht zutrauen, dass er einfach mal so Feuer legt", sagt der Nebenkläger. Die 34-Jährige bringt er in ein zweifelhaftes Licht. Er könne sich vorstellen, dass sie sich an seinem Bruder rächen wollte und den Angeklagten angestiftet habe. Der Bruder habe mit ihr Schluss gemacht. Sie selbst behauptet, sie waren vor dem Brand noch ein Paar. 

Das Milieu, in dem die Clique lebt, ist geprägt von Drogen und Alkohol. Rund um das Haus an der Dürerstraße 8 gab es schon länger Ärger. Nachbarn klagten über Lärm. Ab und zu fuhr ein Streifenwagen vorbei. Zuletzt lebten mehrere Familien der Volksgruppe der Roma dort, weil ihr Wohnhaus wenige Wochen zuvor bei einem Brandanschlag zerstört wurde. Sie hatten Angst, dass es wieder brennen könnte. Die Staatsanwaltschaft sieht zwischen den beiden Fällen aber keinen Zusammenhang und spricht von Zufall. 

Die Zeugen berichteten gestern, wie sie sich in der Dachgeschosswohnung trafen, Playstation spielten und Crystal-Linien zogen. Sie inhalierten den Stoff durch die Nase. Am Wochenende, bevor das Haus niederbrannte, ging das drei Tage lang so. Sie saßen im Wohnzimmer und dröhnten sich zu. Zwischendurch rauchten sie Marihuana. Bei der Obduktion fanden die Gerichtsmediziner außerdem Designerdrogen im Körper des Verstorbenen. "Es war Geldtag. Da wird gefeiert", sagt einer aus der Clique. Auch er lebte in der Dürerstraße 8. 

Der Bruder des Opfers, 24, erzählt von ständigen Streitigkeiten in der Wohnung. "Sie ging mit Gegenständen auf ihn los", sagt er über dessen Freundin. Einmal sei sein Bruder blutüberströmt gewesen. Die junge Frau hat mehrere Vorstrafen. Weihnachten 2016 stach sie mit einem Messer auf ihr damaligen Freund ein, ebenfalls in der Dürerstraße 8. Das Landgericht verurteilte sie zu einer Bewährungsstrafe. 

Der Angeklagte hörte sich die Geschichten seiner Clique gestern an und schwieg. Das Gericht hat einen Psychiater beauftragt, ein Gutachten über den 27-Jährigen zu verfassen. Ihm gegenüber hat der arbeitslose Dresdner sein Geständnis zurückgenommen. Er habe das den Kriminalbeamten nur gesagt, weil die "übelst genervt" hätten. 

Hauseigentümer Bürner hat das Haus indes mit seiner Versicherung notrepariert. Wohnen kann darin für lange Zeit keiner mehr. 

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