Nach Panne: Neutermin für Pöhler Bürgermeisterwahl steht

Die Einwohner der Talsperren-Gemeinde sollen am 27. Oktober an die Urnen. Ein Fehler der Bürgermeisterin führte zur Absage des ursprünglichen Termins. Für Folgekosten will sie aufkommen.

Pöhl.

Noch hängen rund um die Talsperren-Gemeinde Pöhl die Wahlplakate mit dem Datum des bisher geplanten Urnengangs. Doch der Termin für die Bürgermeister-Stichwahl ist seit letzter Woche passé. Die Aushänge müssen zumindest in Teilen erneuert werden. Der Gemeinderat hat sich als neuen Termin für den 27. Oktober entschieden. Das haben die ehrenamtliche Amtsinhaberin Daniela Hommel-Kreißl (FDP) und neun anwesende von zwölf Gemeinderäten in einer außerordentlichen Sitzung am Mittwochabend in Jocketa beschlossen.

Nur drei Tage vor der avisierten Wahl hatte die Rechtsaufsichtsbehörde des Vogtlandkreises Veto eingelegt. Grund: Hommel-Kreißl hatte Wahlwerbung auf zwei Facebook-Seiten gepostet, die einen offiziellen Eindruck erweckten. Laut Gemeindechefin sind sie aber privat. Der Mitbewerber um das Amt, Lothar Kramer von den Freien Wählern (FW), beschwerte sich - und bekam Recht.

Die Terminverschiebung, die mehr als 2100 Wahlberechtigte betrifft, wertete Hommel-Kreißl im Gespräch mit "Freie Presse" als einen logistischen Großaufwand. In Pöhl waren für vergangenen Sonntag vier Wahllokale geplant, für welche Helfer im Zweischichtsystem eingerechnet waren. Sie gehe von 35 bis 40 Personen aus, inklusive des sechsköpfigen Briefwahlvorstandes, so die stellvertretende Wahlleiterin Jeannette Wich. "Bei der Auszählung am Abend müssen dann wieder alle ran", sagte sie.

Die Wahl-Panne verursacht freilich auch Kosten. Doch obwohl keiner der Räte bei dem kurzfristig anberaumten Treffen am Mittwoch zu dem finanziellen Thema Fragen hatte, stehen sie im Raum. "Wer kommt denn zum Beispiel für die neuen Briefwahlunterlagen auf", fragte Bürgermeisterkandidat Kramer im Nachgang. Hommel-Kreißl werde selbstverständlich gerade stehen, erklärte sie auf Nachfrage - was die eventuellen finanziellen Konsequenzen anbelangt. "Aber nur, weil mir ein Fehler unterlaufen ist, werde ich nicht auf die Kandidatur verzichten."

Bis zur Wahl in einem Monat führt Hommel-Kreißl die Geschäfte in Pöhl weiter. Sie ist seit Oktober 2012 ehrenamtlich Gemeindechefin. Im ersten Wahlgang hatte sie mit 46,5 Prozent der Stimmen nicht die erforderliche absolute Mehrheit erreicht. Kramer errang 33,5 Prozent. Der damals dritte Kandidat, Andreas Sachse, unterstützt nach seinem Rückzug jetzt den Bewerber der Freien Wähler.


Kommentar: Der Wind hat sich gedreht

Keine zehn Minuten hat die außerordentliche Sitzung des Pöhler Gemeinderates am Mittwochabend gedauert. Das ist nicht mal ein Wimpernschlag gemessen an der 600-jährigen Geschichte von Jocketa, Hauptort der Talsperren-Kommune. Im dortigen Versammlungsraum der Freiwilligen Feuerwehr tagte auch der Rat.

Nun können zehn Minuten sicher unerwartet kurz, sie können jedoch auch unerträglich lang sein. So muss den Moment Bürgermeisterin Daniela Hommel-Kreißl empfunden haben, die sich entschuldigte für eine taktisch unkluge Handlung. Und es gibt tatsächlich auch nichts zu beschönigen - Fehler bleibt Fehler. Nur entsteht der Eindruck, und da reichten zehn Minuten als Tagungs-Zaungast locker, dass der Fehler von ihr genau zur richtigen Zeit gemacht wurde, ja, dass mancher nur auf einen Fauxpas gewartet hat. Denn der Wind in Pöhl hat sich gedreht. Er weht Hommel-Kreißl eiskalt und erbarmungslos ins Gesicht. Für sie wird es schwer bei der Wahl.

Möglicherweise gehen die Querelen innerhalb der Gemeindevertreter den Pöhlern jetzt aber langsam selbst auf die Nerven. Denn obwohl die Mittwochssitzung als öffentlich angekündigt worden war, fand kaum ein Bürger den Weg nach Jocketa, abgesehen von Mitarbeitern der Verwaltung und dem anderen Bürgermeisterkandidaten, Lothar Kramer. Es wird wohl Zeit, dass die Einwohner an die Wahlurne und danach zur Ruhe kommen.

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