Pfarrer Andreas Vödisch: "Wir wollen Haselbrunn mitgestalten"

Es ist kein Ghetto und soll auch keins werden. Deshalb will Pfarrer Andreas Vödisch etwas für den sozialen Frieden in Haselbrunn tun. "Leser helfen" möchte ihn unterstützen und sammelt Spenden für seine mobile Mitmach-Werkstatt.

Plauen.

Haselbrunn ist ein Stadtteil mit zwei Gesichtern. Das eine hell und vertraut, das andere verlebt und düster. "Ich wohne gerne in Haselbrunn", sagt Andreas Vödisch. Er ist 39, Stadtteilpfarrer und in Haselbrunn aufgewachsen. Bis Mitte der 80er war sein Großvater Pfarrer in der Markuskirche. Und vor acht Jahren schickte die Landeskirche Andreas Vödisch als Pfarrer in die Kirche, in der er von seinem Großvater getauft wurde.

Die Gegend hat sich verändert, seit Vödisch dort Pfarrer ist. Die Bäckerei hat geschlossen, der Blumenladen, die Gaststätte. "Das macht was mit einem, diese Schließungen", sagt Vödisch. In Haselbrunn gibt es Armut und soziale Probleme und beschmierte Hauswände. Gemeinsam mit Benjamin Olsson, dem Sozialarbeiter des Markuskellers, will der Pfarrer Haselbrunn aufwerten: "Wir wollen gestalten. Wenn man hier wohnt, hat man Ideen, Verbesserungsvorschläge." Sie planen eine mobile Werkstatt. Aufbruch statt wegducken, darum geht es.

Sie wollen einen Autoanhänger kaufen und ihn mit Werkzeug bestücken. Wenn wieder eine Holzbank kaputt ist in Haselbrunn, kuppeln die Jugendlichen den Anhänger ans Auto, fahren mit einem Betreuer los und reparieren. Als Vorbild dienen sogenannte "Repair Cafés", in denen man seine defekten Sachen wieder in Gang setzen kann. Vödisch hat bereits Gespräche mit Handwerkern geführt darüber, ob sie der Haselbrunner Jugend etwas beibringen würden. "Der Tischler könnte ihnen zeigen, wie man eine Bank baut", sagt Vödisch.

Ziel der mobilen Werkstatt: Verantwortung, sagt der Pfarrer: "Wir wollen ihnen vorleben, dass wir Verantwortung für den Stadtteil übernehmen." Noch existiert das Projekt nur in seinem Kopf. Finanziert werden soll die Stadtteilwerkstatt über Spenden der Aktion "Leser helfen". Vödisch braucht einen Anhänger und haltbares Werkzeug.

Am liebsten hätte er einen Jahresplan, auf dem steht, wann der Hänger wo unterwegs sein wird. Aber das ist der nächste Schritt. "Vielleicht gibt es Privatpersonen, die aufspringen möchten", sagt Vödisch. Er kennt aus seiner Gemeinde viele Menschen, denen Haselbrunn am Herzen liegt. Als Beispiel nennt er die, die Müll aufsammeln. Ehrenamtlich und ohne laute Töne dabei zu machen.

Der Markuskeller ist der Jugendclub des Stadtteils. Er liegt hinter einem Nebeneingang der Kirche. Im Frühjahr war die SPD-Europaabgeordnete Constanze Krehl dort zu Besuch, ein Wahlkampftermin. Damals kamen auch Haselbrunner in den kleinen Club, in dem Kinder und Jugendliche ihre Nachmittage verbringen. Die Haselbrunner erzählten von den Sorgen, die sie umtreiben. Von nächtlichem Lärm aus dem Park der Markuskirche, von der Polizei, die sie dann rufen und die den Park dann umkreist. "Die Leute unten haben dann genug Zeit, um ihre Drogen zu verstecken. Das sieht man von oben", erzählte eine Frau damals. Vor die Garagen werde uriniert, im Park klebe Hundehaufen an Hundehaufen.

Vödisch will die Ärmel hochkrempeln. Er möchte, dass die Haselbrunner wieder nettere Sachen aus ihrem Stadtteil erzählen können.

SPENDEN FÜRdie Mitmach-Werkstatt können Sie auch direkt überweisen auf folgendes Konto: Verein "Leser helfen", IBAN: DE47 8709 6214 0224 4224 40, Stichwort "Hilfe für Mitmach-Werkstatt" oder unter: www.freiepresse.de/leserhelfen

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