Plauener Nacht der Museen: Singendes, klingendes Erlebnis

Was wäre die Plauener Museumsnacht ohne Musik? Ob als Programm- Höhepunkt oder zur Untermalung - diese Nacht hat Rhythmus im Blut.

Plauen.

Um einen Blick auf den wächsernen Heinrich von Plauen zu erhaschen, hieß es erst mal Schlange stehen. Seine Enthüllung war zugleich Eröffnung und erster Höhepunkt der 12. Plauener Museumsnacht am Freitag. "Eine Stadt lebt von der Summe ihrer Kleinigkeiten", sagte Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP). Die Wachsfigur sei solch eine Kleinigkeit, die die Plauener daran erinnern soll, wie geschichtsträchtig ihre Stadt ist. Damit Heinrich sich willkommen fühlte, hatte man auf dem Komturhof für Mittelalter-Flair gesorgt. Dazu wurde die feierliche Heinrich-Enthüllung von mittelalterlichem Flötenspiel untermalt - wenn auch nur aus der Stereoanlage.

Das Beispiel zeigt: Musik schafft Atmosphäre und von ebendieser lebt Jahr für Jahr die "Nacht der Museen". Wer an diesem Abend in der Plauener Innenstadt unterwegs ist, hört an jeder Ecke andere Klänge und Rhythmen. Dabei sind die musikalischen Genres so bunt gemischt wie die teilnehmenden Kulturhäuser und deren Programmpunkte.

Popmusik gab es am Freitag zum Beispiel am Theater, wo die jungen Talente des Vogtlandkonservatoriums mit Hits und Eigenkompositionen Straßenfest-Stimmung herbeimusizierten: Die Erwachsenen tranken und quatschten, die Kinder bastelten am Biertisch. Das verleitete fast jeden Passanten zu kurzem oder längerem Verweilen.

Für einen musikalischen Geheimtipp sorgte die Lutherkirche. Im Gemeindehaus spielte das Duo Musica da Chiesa auf gut 25 Renaissance-Instrumenten. Dass Kirchenmusik auf Schalmei, Gemshorn, Laute, Zitter und allerlei anderen Blas- und Zupfinstrumenten nicht antiquiert wirken muss, bewiesen die beiden Tschechen durch humorvolle Einlassungen und mit energiegeladenen, fast tanzbaren Rhythmen. Zwischendurch las "Katharina Luther" im originalgetreuen Kostüm aus den Briefen ihres Mannes. So manch eine Zeile, die Luther seiner "Käthe" schrieb, sorgte für Erheiterung, etwa: "Ich fresse wie ein Böhme und saufe wie ein Deutscher, das sei Gott gedankt, Amen."

Der deutsche Schlager aus den Boxen vorm Quartier 30 indes wollte nicht so recht passen zur Vernissage im gegenüberliegenden Forum K. Die Galerie präsentiert historische Bilder Plauens aus der Sammlung Lars Buchmanns. Die Fotografien aus den Jahren 1945 bis 1947 zeigen die kriegsversehrte Spitzenstadt. Jedes Bild wird einer zeitgenössischen Aufnahme aus gleicher Perspektive gegenübergestellt. Nicht nur ältere Plauener begeisterten die historischen Bilder. Auch Jugendliche und junge Erwachsene tummelten sich in der gut besuchten Ausstellung.

Aufsehen erregte der Limbacher Künstler Dirk Söllner. Vor der Galerie am Altmarkt hatte er seine "Maschine" aufgebaut, eine eigenwillige Konstruktion aus Kutschenrädern, Leinwand und blauer Blechtonne. Den ganzen Abend malte Söllner Szenarios, in deren Mittelpunkt ein Mann mit schwarzer Sturmhaube und dicker Goldkette stand. Der sang, tanzte, posierte und feierte sich selbst und die Nacht. Am Ende stellte Söllner die Bilder per Tablet-PC zu einem Film zusammen und erweckte sie im großen Finale bei treibendem Jazz zum Leben.

Im dichten Gedränge rund um die Weberhäuser ließen viele Nachtschwärmer den Abend ausklingen. Stilecht unter bunten Lampions - und natürlich mit Live-Musik.

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