Rasen für die Stadtkasse: 780.000 Euro eingezahlt

Die Plauener Stadtverwaltung hat angekündigt, das Netz ihrer Tempo- und Rotlichtblitzer weiter auszubauen. Aus Gründen der Verkehrssicherheit? Oder weil es ein einträgliches Geschäft ist?

Plauen.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Statistisch gesehen gehen der Stadt Plauen täglich mehr als 130 Tempo- und Rotlichtsünder ins Netz der mobilen und stationären Kontrollpunkte. 130-mal täglich potenzielle Gefahr für Fußgänger oder andere Verkehrsteilnehmer. Und darin sind die Zahlen der Polizei, die im Stadtgebiet ab und zu ebenfalls kontrolliert, noch nicht enthalten.

Die Frage, ob Abzocke oder notwendige Verkehrserziehung, könnte also schnell beendet sein, wenn es nach dem Leiter des städtischen Fachbereichs für Ordnung und Sicherheit, Wolfgang Helbig, geht: "Wenn keiner mehr geblitzt wird, halten sich alle an die Geschwindigkeit. Das ist das eigentliche Ziel", sagt er in jahrelang antrainierter stoischen Art. Ihm ist ein dickes Fell gewachsen: Er hat alle Diskussionen zum Thema schon hunderte-, wenn nicht tausende Male geführt.

Auf der anderen Seite summieren sich die Einnahmen für die Stadt aus Verwarn- und Bußgeldern für Geschwindigkeits- und Rotlichtverstöße seit Anfang des Jahres bis Ende September auf mehr als 780.000 Euro - ebenfalls ohne die von der Polizei festgestellten und der Stadtverwaltung geahndeten Verstöße. Und gerade eben hat Helbig nochmals angekündigt, dass es demnächst drei weitere stationäre Blitzanlagen in Plauen geben wird - zu den zwei bereits Anfang des Jahres aufgebauten an der Pausaer und Oelsnitzer Straße.

Obwohl deren Standorte bekannt sind, ist die Zahl insbesondere der an der Pausaer Straße festgestellten Verstöße bisher nicht signifikant gesunken (siehe Tabelle). Anfang November soll der nächste "Starenkasten" an der Pausaer Straße stadtauswärts installiert werden, ein weiterer im März an der Friedensstraße in Richtung Oberer Bahnhof. In der Gegenrichtung wird es dort ab Juni 2017 so weit sein.

Für den mobilen Blitzer der Stadt - den weißen Skoda Roomster mit dem Kennzeichen V-PL 2244 - gibt es rund 220 registrierte Messstellen im gesamten Stadtgebiet. Helbig wertet bereits den offenen Umgang damit sowie die täglichen Vorabveröffentlichungen ausgewählter Kontrollstandorte als Zeichen dafür, dass es der Stadt eben nicht um die Einnahmen, sondern tatsächlich um die Verkehrssicherheit gehe: "Wir könnten auch, wie die Polizei, Wechselkennzeichen anbringen. Aber wer beim Fahren immer nach dem weißen Skoda Roomster mit dem Kennzeichen guckt, fährt meist schon langsamer - Ziel erreicht", so Helbig.

Die Messstellen sind nach fünf Kriterien eingestuft, für manche treffen mehrere zu: Unfallschwerpunkte, gefährliche Abschnitte, Lärmschutz, häufiges Überschreiten der Geschwindigkeit sowie Messstellen auf Antrag von Anwohnern. Laut Helbig kommen laufend neue Messstellen hinzu - jüngstes Beispiel sei die Elsterberger Landstraße. Wird nichts Auffälliges festgestellt, werden Messpunkte im Lauf der Zeit auch wieder gelöscht.

Will man diese Aussagen näher überprüfen, beißt man jedoch auf Granit: Die Stadtverwaltung führe keine Statistik über die häufigsten und seltensten Einsatzorte des mobilen Blitzers, sagt Helbig. Die Kontrolleure haben freie Hand, orientieren sich nur an einem Grobplan, der monatlich neu aufgestellt wird. Wo es Beschwerden über Raserei gibt, fließt das ein. Regelmäßig aufgenommen werden laut Helbig der verkehrsberuhigte Bereich in der Altstadt, der mindestens einmal pro Woche kontrolliert wird, Schulwege und Unfallschwerpunkte. Den Beweis dafür bleibt er schuldig.

Alle weiteren Angaben sind "Bauchgefühl". So sei seit Jahren der Abschnitt auf der B173 stadtauswärts zwischen Elster-Park und Bauhaus gut im Rennen. Dort blitze die Stadt im Interesse der Fußgänger, da kein Gehweg vorhanden ist. Funktioniert habe die Verkehrserziehung mittlerweile auf der Hammerstraße stadteinwärts: "Dort wird deutlich weniger gerast als noch vor ein, zwei Jahren."

Weniger hoch als erwartet sei die Raserei auf der Pausaer Straße stadteinwärts. Vom stationären Blitzer dort festgestellte Verstöße bewegten sich oft im Verwarngeldbereich. Weil die Stadt aber darauf hingewiesen worden sei, dass Raser nach Passieren der Anlage häufig wieder aufs Gas drücken, hat man begonnen, danach mit dem mobilen Blitzer eine zweite Messstelle einzurichten. Die einfachste Vorbeugung gegen Buß- und Verwarngelder ist also wohl doch immer noch: sich an die Verkehrsregeln zu halten.


Festgestellte Verstöße an stationären Überwachungsanlagen

Pausaer StraßeOelsnitzer StraßeRotlichtüberwachung

Januar1635707noch nicht in Betrieb

Februar2235961112

März20841004125

April1437774122

Mai1944819119

Juni1988592*96

Juli1509540*14

August148449984

September122639984

* Rotlichtüberwachung war vom 26. Juni bis 25. Juli außer Betrieb

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3Kommentare
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  • 2
    0
    Norman
    02.11.2016

    Na endlich wird mal was! Andere Städte nutzen die Geldquelle schon lange. Super dass mal wieder Geld in die Kassen gespült wird. An alle die das nicht verstehen können, es sind 50 in der Stadt, Punkt.

  • 0
    0
    Zeitungss
    01.11.2016

    Alter Hut - Not macht erfinderisch.

  • 1
    2
    Tauchsieder
    01.11.2016

    Wenn man hier wirkliche eine Antwort auf diese Frage haben will muss man unbedingt den Amtsbereich der Stadtkämmerin, Fr. Göbel, mit einbeziehen. Was für Antwort hat man denn von Hr. Helbig erwartet, eine andere Antwort hätte ihm das Genick gebrochen. Sollte man auf wahrhaftige Antworten auf die gestellten Fragen von Hr. Selbmann warten wartet man bis zum St. Nimmerleinstag, zumindest wird vom Rathaus diesbezüglich nichts anderes kommen.
    Statistisch gesehen wird dort geblitzt wo es sich lohnt und da geht es nicht um die Verkehrssicherheit allein, oder hat schon mal jemand auf der "Weststraße" oder der "Windmühlenstraße" einen Blitzer gesehen? Auch die Begründung von Blitzerstandorten wegen fehlenden Fußwegen z.B. "Bauhaus" läuft hier ins Leere. Was ist dann mit der "Hammerstraße" oder der "Pausaer Straße", da gibt es rechts und links welche.



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