Roboter-OPs: Vogtländer fragen nach

Leonardo da Vinci war nicht nur Maler, sondern Visionär. Auch Hofer Chirurgen setzen auf Zukunftsmodelle. Bei einigen Medizineingriffen hilft ihnen künstliche Intelligenz - das teure da Vinci-System.

Plauen.

Es gibt Tage, da wünscht sich Jörn Beier, er könne seine Hände unendlich drehen, seine Finger noch mehr winkeln. So wie eine fünf Millimeter kleine Roboterzange. "Die schafft so viel", sagt der Leitende Oberarzt am Sana-Klinikum in Hof. Der Urologe will sich den OP-Alltag dort gar nicht mehr ohne die futuristische Technik vorstellen.

Gestern zeigten Beier und seine Kollegen interessierten Besuchern der Stadt-Galerie, wie präzise der technische Assistent namens da Vinci im Körper eines Menschen Tumore greifen, abzwicken und nähen kann, allerdings mittels 3D-Ansicht, in zehnfacher Vergrößerung und auf spielerische Art. Tatsächlich geht es Tumoren an Prostata, Harnblase und Niere in der urologischen Abteilung bereits seit Juni an den Kragen. Der Leib großflächig aufgeschnitten wird dabei nicht mehr. Vielmehr nähere sich das moderne OP-System minimal-invasiv, so Dr. Hansjörg Keller. Er ist Chefarzt am Hofer Klinikum. Der Roboter ist dort ein Alleinstellungsmerkmal.

Obwohl Dr. Keller ein Fan des Hightech-Assistenten ist, warnt er: "Da Vinci ist und bleibt ein künstlicherer Helfer", ohne menschliche Anleitung mache dieser gar nichts. Zwei Mediziner und weiteres Personal seien stets im OP-Saal. Dr. Keller schätze, dass künftig rund ein Viertel der urologischen Eingriffe mit dem 1,9 Millionen Euro teuren Gerät durchgeführt werden. 170.000 Euro kostet laut Dr. Keller die jährliche Wartung, egal, ob der Roboter im Einsatz ist oder nicht. Pro OP fielen 1700 Euro an. Auf den Kranken kämen keine Mehrausgaben zu. Die Kassen springen ein.

Genau hinsehen müssten Ärzte aus Fleisch und Blut, dies sei bei der Schlüsselloch-Chirurgie jedoch nicht gewährleistet, so Dr. Keller. Da operiere der Mensch, während er auf einen Monitor blickt. Die Roboterarme und das Werkzeug hingegen befinden sich im Körper, ebenso wie eine Kamera. Für den Patienten bedeutet das fünf bis sechs kleine Löcher. "Die Narben verheilen schnell. Es gibt weniger Schmerzen nach der OP und weniger Blutverlust", erklärt Raphael Riegler. Als technischer Fachmann sorgt er dafür, dass bei den Eingriffen alles glatt läuft.

Auch Ursula Träger aus Mechelgrün könnte sich vorstellen, von einem da Vinci operiert zu werden. Allgemein traue sie der Technik fast noch mehr zu als einem Menschen. Der könne Fehler machen.

Nach Angaben von Oberarzt Razvan-Vasile Dican existieren momentan 80 da Vinci-Roboter in Deutschland, darunter neben Hof auch in Jena und Dresden. Weltweit seien es rund 4000.

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