Rotierende Räder und andere Rockstars

Wie soll das Textilzentrum im Weisbachschen Haus auf 2500 Quadratmetern innen aussehen? Was erwartet die Besucher?

Plauen.

Raschelnde Stoffe zum Anfassen. Soundcollagen. Übergroße Ösen, welche Gerüche, Wassernebel und Geräusche erlebbar machen. Oder ein Exponat, das einem sogenannten Flügelwerk nachempfunden sein wird - früher wurde das zum Trocknen von Textilien genutzt, jetzt präsentieren seine Arme Schautafeln: All das erwartet die Besucher des neuen Textilzentrums Plauener Spitze im Weisbachschen Haus. Die Planungen für die Ausstellungsgestaltung nehmen Gestalt an. Im Plauener Rathaus wurden jetzt erste konkrete Einblicke gegeben.

"Ich zeige Ihnen hier schon mal ein paar unserer Rockstars", macht Joseph Sturm neugierig. Der 27-Jährige ist Projektplaner der beauftragten estnischen Architekturfirma Koko. So soll das Hightech-Museum innen aussehen:

Erdgeschoss: Ein Eventraum soll 200 Personen Platz bieten - bei Modenschauen oder Tagungen. Es wird eine absenkbare Leinwand, Toiletten und Umkleiden geben. Mit Lounge und Kaffeeautomat soll auch junges Publikum angelockt werden. Der beleuchtete Stadtplan Plauens findet sich an Wänden und auf dem Boden. Besucher werden mit einer Toninstallation empfangen, die das Jahr 1860 simuliert.

1. Obergeschoss: Im U-förmigen Gebäude verläuft der Rundgang labyrinthartig, die Altbausubstanz gibt es nicht anders her. Es soll barrierefrei zugehen, auch Texte oder Audios zur Mechanisierung sollen für alle Besucher gut verständlich sein. Das in der Weltausstellung 1900 in Paris ausgezeichnete Kleid aus Plauener Spitze soll als 3-D-Hologramm entstehen.

2. Obergeschoss: Dort wird ein kultureller und kultur-geschichtlicher Schwerpunkt gesetzt. Spannend erzählt wird die Entwicklung der Spitze in Stadt, Land und Welt. Es gibt visualisierte Familien- und Firmengeschichten. Zum Beispiel kann man an einer Gartenparty bei der High Society aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts "teilnehmen".

Dachgeschoss: Der Bereich ist den Sonderausstellungen vorbehalten. Zunächst werden orientalisch anmutende Stoffe gezeigt. Ebenso wird die Museumspädagogik in der oberen Etage ihren Platz finden und die Bibliothek. Schaudepot und Schulungsräume soll es dort auch geben.

Das Büro Koko hat unter anderem ein spektakuläres Wasserflugzeugmuseum in Tallin konzipiert. Viele nennen es das spannendste Museum Europas. Kulturbürgermeister Steffen Zenner (CDU) war beeindruckt, als er die Einrichtung kürzlich auf Privatreise besuchte. "So ein Ambiente wird man sicher nicht noch einmal im Vogtland finden", gibt Zenner Vorschusslorbeeren.

Dass sich die Plauener für ihr seit mehr als einem Jahrzehnt geplantes Spitzenzentrum die kreativen Macher ins Boot holten, begrüßen Stadträte durch die Bank, Bernd Stubenrauch (SPD) etwa. "Das Objekt hat nun eine Seele", sagte er nach der Präsentation im Rathaussaal. Er sei froh, dass die Wahl auf die Esten gefallen sei, so Stubenrauch. Er dankte Joseph Sturm, der in makellosem Deutsch gedanklich durch die Ausstellung geführt hatte. Der Mann wurde im Schwarzwald geboren und arbeitete bereits in der Schweiz. Koko setze auf Vielfalt, sagt Sturm, und verspricht, dass in jedem Raum mindestens ein Stück existieren werde, das perfekt für Kinder geeignet sei - und für deren Eltern. "Erwachsene sind ja auch nur große Kinder", so der Innenarchitekt. Zudem sollen bei der Schau Personen im Mittelpunkt stehen. "Das ist der Unterschied zu anderen technisch-historischen Museen", hebt Martin Salesch, Direktor des Vogtlandmuseums, hervor. Unter seiner Ägide soll das Erlebnismuseum stehen. Er stellt in Aussicht: "Wir gehen auch kritisch mit einzelnen Themen um, zum Beispiel der Umweltverschmutzung." Weil die Museumsleute genau wissen, dass Besucher, die von weit über Plauens Grenzen hinweg angelockt werden sollen, wählerisch sind, wollen sie Medien und Exponate immer wieder auswechseln, die Neugier am Leben halten. Salesch und Sturm schielen in Sachen Textilindustrie in die Zukunft: "Die Entwicklung ist da noch lange nicht zu Ende."

Die Museumsmacher wollen auch die Sommerakademie im Weisbachschen Haus fortführen. In Martin Saleschs Augen sei diese "ein Schatz". Bisher von der Initiative Kunstschule Plauen gehändelt, seien die seit 1994 mit renommierten Künstlern durchgeführten Workshoptage "für einen Verein eine Nummer zu groß", so Salesch.

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