Unterwegs auf dem Kulturweg der Vögte

Sie gaben dem Landstrich ihren Namen und sollen künftig wieder eine größere Rolle spielen: die Vögte. Eine Route verknüpft touristische Angebote und erläutert historische Hintergründe.

Reichenbach/Greiz.

Um der Geschichte gerecht zu werden, muss manchmal mit Klischees aufgeräumt werden. Nicht anders ist es beim Projekt Kulturweg der Vögte, der seit vergangenem Jahr besteht. "Die Vögte waren nicht nur Männer, die zu Ritterturnieren zogen. Ihre Hauptaufgaben waren Sicherung und Ausbau der Herrschaft", sagte Martin Salesch, Fachdirektor des Vogtlandmuseums Plauen, bei der Vorbereitung des Projekts.

Der Kulturweg ermöglichst eine Zeitreise auf den Spuren jener Vögte, die im späten 12. Jahrhundert aus dem Dunkel der Geschichte traten. Es ist eine Tour mit rund 80 Stationen nach dem Vorbild der Straße der Romanik in Sachsen-Anhalt. An der nördlichen Strecke liegen 14 Orte, darunter Greiz und Weida. Der südliche Teil umfasst 43 Orte in Thüringen und dem Vogtland sowie zwölf Kommunen in Westböhmen.

Die erste Beratung zu dem von Ulrich Jugel, Chef des Greizer Vereins Dialog mit Böhmen, koordinierten Projekt hatte es im Dezember 2014 auf Schloss Voigtsberg in Oelsnitz gegeben. 2016 wurden EU-Mittel in Höhe von 1,76 Millionen Euro bewilligt. Elf Partner aus Böhmen, Thüringen und Sachsen waren integriert, um das kulturhistorische Erbe aus dem Herrschaftsgebiet der einstigen Vögte von Weida, Gera und Plauen aufzuwerten und sichtbar zu machen. Projektpartner waren das Futurum Vogtland, die TU Chemnitz, die Euregio Egrensis Sachsen/Thüringen, die Städte Asch/Aš, Eger/Cheb, Franzensbad/ Františkový Láznì, Weida, Greiz und Plauen, die Oelsnitzer Kultur GmbH und der Tourismusverband Vogtland.

Im September 2020 fand erstmals eine deutsch-tschechische Exkursion statt. Sie begann in Asch/Aš und führte über Neuberg/Podhradí, den vogtländischen Burgstein und das fränkische Kirchgattendorf zur Burg Seeberg.

"Der Kulturweg erlebt deutschlandweit eine große Aufmerksamkeit", sagte dabei Dirk Heinze vom Tourismusverband Vogtland (TVV). Rund 30.000 Flyer wurden bereits verteilt, der 14-minütige Imagefilm werde über den Internetauftritt des TVV oder Youtube oft abgerufen. "Das gesamte Projekt hat die grenzüberschreitende Zusammenarbeit auf eine neue Stufe gehoben", ist nicht nur Heinze überzeugt.

Exkursionen wie jene im September 2020 sollen zur Tradition werden, hatte Ulrich Jugel angekündigt. Zum Tour-Abschluss auf Burg Seeberg könnten sich dann nach seinen Worten auch touristische Einrichtungen aus dem Vogtland präsentieren. Für die Burg Seeberg das Konzept einer Dauerausstellung mit dem Titel "Vogtland/Egerland - Aspekte einer Nachbarschaft". Das kündigte Štìpán Karel Odstrčíl an, Chef der Museen Franzensbad/Františkový Láznì und der Burg Seeberg.

"Der Kulturweg der Vögte sollte nicht auf eine Ziel- oder Altersgruppe begrenzt werden", so Christoph Fasbender, Professor der TU Chemnitz, der das Projekt begleitete. Offen sein für die verschiedenen Interessen von Musik über historische Waffenkunde bis zu mittelalterlichem Essen und Trinken - eine große Projektionsfläche bietet aus seiner Sicht viele touristische Chancen. Dazu gehöre auch, das Potenzial der Sagen, Novellen und Romane zu dem Thema zu nutzen.

Fasbender ist auch der Autor des Buches "Der Kulturweg der Vögte - Entdeckungsreisen durch das Vogtland der Vormoderne", das noch kurz vor dem Weihnachtsfest 2020 erschien, und mit dem das Kultur- wege-Projekt seinen vorläufigen Abschluss fand - was durch die Coronapandemie freilich kaum Beachtung fand.

Das rund 500 Seiten starke Buch, dass jeweils in einer Ausgabe in Deutsch, Englisch und Tschechisch vorliegt, ist in zwei Teile gegliedert. Der erste nähert sich dem Kulturweg quasi geografisch und beschreibt die Sehenswürdigkeiten anhand von Routen. Der zweite Teil ist thematisch geordnet und behandelt etwa die Spuren des Deutschen Ordens in der Region.

Das Buch zum Kulturweg der Vögte ist erschienen im Verlag Schnell & Steiner und kostet 20 Euro. Auch über das Internet kann das Nachschlagewerk bezogen werden. ISBN: 978-3-7954-3540-0.

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