Warum die DDR Teppiche verscherbelte

Wenn vom Vogtland als Textilregion die Rede ist, meint das nicht nur Spitze, Gardinen und Bekleidung. Ein Kenner der Branche zeigt in einer neuen Publikation die geschichtliche Entwicklung der Teppichindustrie auf.

Plauen.

Geld für Textilbetriebe im Vogtland: Das war von 1968 an oft die Angelegenheit von Peter-Joachim Hering. Der Plauener arbeitete nach Abschluss seines Studiums in verschiedenen Banken der Region und ab 1980 in der Staatsbank in Plauen. Auch in der Industrie- und Handelskammer war er tätig. Sein Verantwortungsbereich: die Firmen der Textilbranche, vor allem die der Teppichindustrie.

Deshalb kennt sich das Mitglied des Vereins für Vogtländische Textilgeschichte bestens in diesem Bereich aus. Das Wissen und die Ergebnisse seiner mehrere Jahre dauernden Nachforschungen fasste er jetzt in einer Broschüre zusammen, die in der Schaustickerei am Obstgartenweg in Reusa und im Teppichmuseum auf Schloß Voigtsberg in Oelsnitz für 6,50 Euro zu haben ist. Die 56-seitige Schrift widmet sich unter anderem den Anfängen der Teppich-Industrie im 19. Jahrhundert, den einzelnen Unternehmen in Oelsnitz, Adorf, Auerbach, Münchenbernsdorf, den Wirtschafts- und den Arbeitsbedingungen und auch dem Export zu DDR-Zeiten.

"Der Staat hatte das Valutamonopol", schreibt der Autor. "Deshalb hatten beim Export spezielle Außenhandelsbetriebe das letzte Wort." Deren Ziel seien vor allem hohe Deviseneinnahmen gewesen - ganz egal, wie viel Teppich man dafür hergeben musste. Die gute Ware wurde oft verscherbelt. Den Exportverlust listet Peter-Joachim Hering in seinem Heft auf. "Das war überall so", sagt der Banker und meint damit auch andere Wirtschaftsbereiche. "Viele wollen das aber heute immer noch nicht wahrhaben", ergänzt er.

Dem Vogtländer geht es aber vor allem um die Bedeutung der Teppichhersteller im Vogtland. Dazu ist bisher kaum etwas erschienen und deshalb wollte der 78-Jährige diese Lücke jetzt schließen. Das ist ihm mit Gründlichkeit, Genauigkeit und Übersicht gelungen.

Unter den einzelnen Abschnitten finden sich jeweils eine einfache Zusammenfassung in Kursivschrift. Fotos wie etwa die des Halbmondwerkes nahe dem Bahnhof Oelsnitz um das Jahr 1930 sowie wichtige Dokumente wie der Befehl zur Enteignung der Adoros Teppichwerke Uebel in Adorf im Jahr 1948 sind ebenso enthalten. Eine Zeittafel gibt die wichtigen Ereignisse von der Gründung von Koch & te Kock in Oelsnitz 1880 bis zum Beginn der Marktwirtschaft 1990 und der Umwandlung von Halbmond in eine private GmbH wieder.

Zu den interessanten Fakten in der Publikation gehören auch diese: "1925 arbeiteten 12.000 Menschen in der deutschen Teppichindustrie, davon 4000 im Vogtland", weiß der Heimatforscher. Die Oelsnitzer stellten im Jahr 1913 die größte Teppichfabrik Deutschlands dar. Von den zehn Prozent Exportanteil der Teppiche in dem Jahre stammte die Hälfte aus der Region.

Herausgeber der Broschüre ist der Verein Vogtländische Textilgeschichte. Für das Lektorat zeichnete Frank Luft vom Verein verantwortlich. Helga Hartenstein vom Redaktionsteam übernahm die Überarbeitung des Internetkonzeptes und recherchierte die abgedruckten Bilder. Die Schaustickerei am Obstgartenweg 1 in Plauen ist montags bis samstags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Mit der Straßenbahn erreicht man sie auf der Linie 4 und steigt am Schloß Reusa aus.

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