Warum Plauens Planer besser mit Pfunden wuchern sollen

Verkauft sich Plauen mit seinem Stadtentwicklungskonzept Insek zu schlecht? Ein Stadtrat hat das 160-Seiten-Werk jetzt unter die Lupe genommen. Er sieht Alarmzeichen.

Plauen.

Das aktuelle Integrierte Stadtentwicklungskonzept (Insek) für Plauen findet sich im Internet. Wer will, kann sich auf der Homepage der Stadtverwaltung auf rund 160 digitalen Seiten über viele Details informieren, mit deren Hilfe die Planer die Stadt entwickeln, voranbringen und auf die Zukunft einstellen wollen. Und vor allem will man den Bekanntheitsgrad Plauens erhöhen. Nicht genutztes Potenzial sei schließlich ein Haupthemmnis, schätzen die Experten vom Fachgebiet Stadtentwicklung und Umwelt auf Seite 19 ihres Papiers ein.

Doch die Probleme der Stadt im Internet offen darzulegen, sei der strategisch falsche Weg, monierte jetzt Stadtrat Bernd Stubenrauch (SPD). Weshalb genau er Alarmsignale sieht, hat er kürzlich in einer Stadtratssitzung erklärt, in der die Fortschreibung des Städtebau- und Denkmalpflege-Konzeptes beschlossen wurde. Stubenrauch: "Es ist zu lesen, dass es demografisch immer weniger Frauen im gebärfähigen Alter geben wird und dass die Plauener bis zu 80 Prozent Soziallastleistungen beziehen werden," Die Veröffentlichung dieser Zahlen sei kontraproduktiv. "Ich persönlich würde mir sehr genau überlegen, ob ich ein Unternehmen hier ansiedeln möchte", sagte der ehemalige Geschäftsführer.

Bauamtsleiterin Kerstin Wolf nahm die Kritik an. Sie machte das Angebot, die offensichtlich nicht wegzudiskutierenden Fakten etwas geschmeidiger zu formulieren und "nicht so drastisch". Wolf hat das Konzept unter Federführung von Stadtentwickler Falk Förster und mit einem Team von insgesamt 14 Rathausmitarbeitern inklusive Baubürgermeister Levente Sárközy (parteilos) verfasst. Unter den weiteren externen Akteuren sind zum Beispiel die Geschäftsführer von Plauens Großvermietern, der WBG und der AWG, sowie die Chefs der Ortschaftsräte.

Als negativ sehen sie unter anderem den hohen Wohnungsleerstand an Einfalls- und Verkehrsstraßen sowie in Nachbarschaft von störendem Gewerbe. Ebenso existierten viele Brachen, und ja, es gebe in Plauen auch richtig unattraktive Lagen, in denen Wohn- und Lebensqualität geschmälert werde.


Wie geht es bis 2035 weiter?

Schrumpfung: Mehr als 76.000 Einwohner hatte Plauen nach der Wende. Seither ging es bergab. Nur 2015 erhöhte sich die Zahl um 1215 Menschen. Es waren vor allem Flüchtlinge. Perspektivisch wird es 2035 nur noch 58.500 Plauener geben.

Einschulung: Schulpflichtige Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund ließen Daz-Klassen (Deutsch als Zweitsprache) entstehen. Einschnitte durch geburtenschwache Jahrgänge Mitte der 1990er Jahre blieben deshalb zunächst aus. Kindergärten wurden beziehungsweise werden erweitert oder neu gebaut.

Alarmsignal: Die Entwicklung der Plauener im erwerbsfähigen und besonders der Frauen im gebärfähigen Alter, also theoretisch der 15- bis 45-Jährigen, bereitet Sorgen. Prognosen gehen von einem weiteren Absinken aus - von aktuell 9100 auf 8000 im Jahr 2035. Das wirke sich negativ auf die Geburtenzahlen aus. Der Anteil der Bürger mit Migrationshintergrund könnte von aktuell fünf Prozent bis 2035 auf rund neun Prozent wachsen.

Überalterung: Ein Drittel der Plauener wird laut Insek im Jahr 2025 im Rentenalter sein. Zu einer nach Einschätzung der Stadtverwaltung "relativ niedrigen Wirtschaftskraft" komme dadurch eine geringe Kaufkraft hinzu.

Abwanderung: Junge und qualifizierte Leute ziehen dorthin, wo es weiterführende Bildungs- und Forschungseinrichtungen gibt. Dies führt laut Insek zu einem wachsenden Fachkräftemangel in der Region. (sasch)

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