Was Plauen an Wahlplakaten verdient

Wahlen 2019 Sie können in Schieflage geraten oder werden beschmiert: Wahlplakate. 3000 hängen in Plauen im Vorfeld der Landtagswahl, heißt es aus dem Rathaus. Doch das darf nicht überall sein.

Plauen.

In Plauen wird nicht nur über das eine oder andere Wahlplakat der Satirepartei Die Partei debattiert, auch Poster anderer Politiker sorgen für Gesprächsstoff. Ist Frank Heidans (CDU) Haar in echt nicht viel heller? Warum sieht Juliane Pfeil-Zabel auf einem Plakat aus wie TV-Moderatorin Katrin Bauerfeind? Oder wirbt sie mit der Mähne darauf für einen Frisör? Unübersehbar ist: Die Parteien setzen in Plauen im Wahlkampf noch immer auf bunte und möglichst zahlreiche Plakate.

Dabei wird das Werbeinstrument bundesweit längst nicht mehr in allen Städten genutzt. Häufiges Argument hierbei ist der Umweltschutz. Denn die meisten Plakate bestehen aus Kunststoff oder werden mit Kabelbindern aus Plastik befestigt. Weiterer Kritikpunkt: Das Ortsbild wird durch beschmierte oder in Schieflage geratene Plakate in Mitleidenschaft gezogen. Zum Teil klagen Parteien über gestohlene Plakate, die sie mehrfach ersetzen müssen.


Für Plauen hat der Stadtrat eigentlich bereits im April 2017 durch eine Satzung geregelt, welche Bedingungen es für Wahlplakate in der Stadt gibt. Dadurch soll "wildes Plakatieren" verhindert werden. So darf nicht beliebig viel und nicht überall gehängt werden. Und es kostet Gebühren. Laut Stadtsprecherin Silvia Weck fallen 35 Euro pro Genehmigung an. "Wesentlich mehr Geld kosten der Druck und das Aufhängen, falls man es nicht selbst macht", sagt Direktkandidat und Stadtrat Sven Gerbeth (FDP). Wie Stadtsprecherin Weck sagt, beläuft sich das zulässige Gesamtkontingent der Plakate auf 3000 Stück. Zwar gibt es rund 10.000 Lichtmasten, doch nicht jeder eignet sich zum Plakatieren. So sei verkehrsrechtlich einiges zu beachten. "Wahlwerbeplakate dürfen zum Beispiel nicht an Ampelanlagen, Verkehrszeichen, Zäunen, Bäumen, Geländern sowie an historischen Lichtmasten etwa in der Innenstadt oder auf der Friedensbrücke angebracht werden", erklärt Ordnungsamtsleiter Martin Gabriel. Auch um das Rathaus herum dürfe keine Plakatierung erfolgen, was für Herren- und Marktstraße, den Unteren Graben und den Altmarkt gilt. Damit solle die Neutralität der Verwaltung hervorgehoben werden.

"Etwaige Ordnungswidrigkeiten können mit einer Geldbuße von bis zu 500 Euro geahndet werden", sagt Gabriel. Mitarbeiter kontrollierten, aktuell seien keine Verstöße festgestellt worden. Was erlaubt ist: Dass sich in einer Mindesthöhe von 2,25 Meter Plakate mehrerer Parteien an einem Pfosten befinden. Manchmal treibt das Blüten. So hängt unter einem Poster der Humanisten mit der Aufschrift "Wer vögeln will, muss freundlich sein - Dreh mich um!" (Rückseite: "Wer Zukunft will, muss mutig sein") ein freundlich lächelnder Maik Schwarz (Linke). Daneben: der Aufsteller eines Unterwäscheladens.


Kommentar: Gesichts-Kontrolle

Ihren Konterfeis kann derzeit niemand entgehen. Sie schauen seriös, grinsen oder posieren für die Kamera: die Kommunalpolitiker, die am 1. September in den Sächsischen Landtag gewählt werden wollen. Manche von ihnen waren in dem Gremium bereits vertreten und erhoffen sich von den Wählern eine weitere Chance. Nach eingehender Gesichtskontrolle fragt sich der Betrachter: Animiert allein ein Plakat zum Ankreuzen? Wirken die Frauen und Männer sympathisch, kann man sich mit den Zielen identifizieren, den Argumenten zustimmen? Im Grunde muss all das bereits vorher klar sein. Denn wegen eines Posters oder eines Spruches wird sich doch wohl eher für keine Partei und für keinen der schier unzähligen Kandidaten entschieden. Ein künftiger Wahlkampf ohne Plakate ist deshalb durchaus denkbar.

Bewertung des Artikels: Ø 4.5 Sterne bei 2 Bewertungen
1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
    1
    Tauchsieder
    24.08.2019

    Ich möchte Fr. Schott lediglich ergänzen, manch Einer auch gequält in die Linse lächelt (ich betone extra "Einer"). Eine sagen wir mal christlich orientierte "Lokalgröße", zumindest was die Parteizugehörigkeit angeht.



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...