Wechselvolle Geschichte am Stadtrand

Auflösung Fotorätsel 1262: Es wurde gefragt, ob in Reißig Uhren oder Autos gebaut wurden. Sowohl als auch!

Plauen.

Man kennt Reißig, weil dort die Falken fliegen, man kann einkehren und es lassen sich als Bodendenkmal auch noch Reste einer Wasserburg erkennen. Ein Rittergut gab es dort, das 1946 zum Volksgut geworden ist und dessen Haupthaus vor Jahren zum Mehrfamilienhaus umgebaut wurde. Natürlich ist noch in Erinnerung, dass es in Reißig einmal eine Schweinemastanlage mit 11.000 Tieren gab, auf dessen Boden nun ein Gewerbegebiet entstanden ist.

Wer kennt aber RAW oder DESU? Diese Abkürzungen werden in Reißig wohl nur noch älteren Menschen bekannt sein. Wenn überhaupt. RAW stand für "Reissiger Automobil-Werke" und mit DESU waren die "Deutsch-Schweizerischen-Uhrenfabriken" gemeint. Gebäude des Uhrenwerkes stehen heute noch an der Pfaffengutstraße, auch das burgartige Sommerhaus des damaligen Direktors. Diese Details teilte uns Jörgen Meyer aus Plauen mit. Sein Großvater Ludwig Meyer (1881 - 1932), der in Plauen Ecke Bahnhof- und Wettinstraße ein Uhrenfachgeschäft besaß, war 1921 Mitbegründer dieser Gesellschaft. Lange gab es aber diese Gesellschaft nicht, schon 1925 kam der Konkurs.

Während des Zweiten Weltkrieges war das langgezogene Fabrikgebäude mit einem grüngelben Farbanstrich vor alliierten Bomben-Flugzeugen getarnt, man munkelte, weil dort militärische Messinstrumente gefertigt worden sind. Einen solchen Tarnanstrich hatte damals auch die Mitteldeutsche Spinnhütte in Reißig wegen ihrer Fertigung von Fallschirmen.

Autos aus Reißig gab es von 1913 bis 1914 auch: Personen- und Lieferwagen mit 26 PS. Die Reissiger Automobil-Werke waren eine Tochterfirma der Siegfried-Werke. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Autobau nicht fortgeführt. Lediglich Autoreifen kamen in den 1970er Jahren aus Reißig. Der VEB Berliner Reifenwerk errichtete neben der Spinnhütte einen Neubau mit modernsten Maschinen. Auch das war einmal.

Reißig als selbstständiges Dorf wurde 1939 nach Plauen eingemeindet. Im Jahre 1474 nannte man diese Gegend "am niedrigen, struppigen Gehölz", übersetzt als "Reyßik".

Gewonnen hat Walter Würtemberger aus Jößnitz ein vogtländisches Wanderbuch. Der Gewinner wurde benachrichtigt. Für alle, die kein Glück hatten: Das nächste Rätselfoto erscheint in der morgigen Ausgabe.

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.