Wilde Weihnachten: Plauen kann anders

Ob alternatives Feiern nun Party bedeutet oder Nachhaltigkeit: Wer in Plauen nicht pappsatt mit Sodbrennen zu Weihnachtsmusik im Familienkreis unterm Baum liegen will, wird fündig.

Plauen.

Für manche sind Advent und Weihnachten die schönste Zeit des Jahres, für andere ein Albtraum aus Gemütlichkeit, Glockenklang und zu viel zu essen. Auf der Flucht vor Familie, Konsum, besinnlicher Musik und Drei-Gänge-Menü gibt es in Plauen viele Ausweich-Möglichkeiten. Von fetzig über gesund bis nachhaltig: Plauen bietet Partys, Kino mit Kunstbärten, besondere Speisen und Öko-Tannen.

Party: Auch an diesem Heiligabend veranstaltet der Club Zooma an der Schöpsdrehe die Fete "Mann mit Bart". Das macht das Team hinter dem Club, solange es den Tanztempel gibt, sagt Eric Seifert - inzwischen im 16. Jahr. "Wir wollten gerade an diesem Abend eine Adresse bieten", erklärt er. Inzwischen treffe man dort jedes Mal "gefühlt jeden". Viele, die in der Heimat Weihnachten verbringen, kämen in den Club. "Klassisch unweihnachtliche" Klänge sind mit Elektro von House bis Techno versprochen. Auf einem zweiten Floor gibt es Musik von 80er-Jahre-Nummern über Funk und Hiphop bis Dancehall. Start: 24. Dezember, 22 Uhr, Eintritt: 5 Euro bis 23 Uhr, danach 7 Euro.

In der Alten Kaffeerösterei steigt ebenfalls am 24. Dezember der "Tanz unterm Weihnachtsbaum" mit einem bunten Musik-Mix aus Hip-Hop, Soul, Funk, Rap oder Partyclassics. Wie "Röste"-Vereinsvorstand Jens Bühring erklärt, war das Kulturzentrum erste und für einige Jahre auch einzige Veranstalter in Plauen und Umgebung, der am 24. Dezember eine Tanzveranstaltung anbot und damit den Nerv der Feierfreudigen traf. Los geht es um 22 Uhr. Um den Eintritt wird übrigens gewürfelt. Wer eine Sechs hinkriegt, der bekommt sogar freien Eintritt. 

Im Malzhaus feiert der "Weihnachtstanz unterm Baum" an Heiligabend zehnjähriges Jubiläum. Alte Schallplatten werden aufgelegt. Malzhaus-Sprecher Tommy Ziegenhagen vermutet: "Im digitalen Zeitalter, wo man alles haben kann, finden das viele Gäste schön." Los geht es dort am 24. Dezember ab 22 Uhr.

Kino: Seit über 20 Jahren zeigt das Malzhaus-Kino den Weihnachts-Kultstreifen schlechthin: "Das Leben des Brian". "Das Publikum spricht teils mit", verrät Tommy Ziegenhagen. "Wir verteilen selbst gebastelte Bärte und Styroporsteine. Die fliegen dann durch die Luft." Aber es sei noch nie jemand verletzt worden - ganz im Gegenteil zur Steinigungs-Szene im Film. "Manchmal kommen Zuschauer sogar im Kostüm", sagt Ziegenhagen schmunzelnd. Der Kultfilm startet am 23. Dezember, 20 Uhr. Danach steht Disko mit DJ Lovebringer Harris an.

Ausstellung: Zwischen traditionellen Stücken lugen sie zurzeit im Vogtlandmuseum hervor: Entenschnäbel. Bei der "Duckomenta" der Künstlergruppe "Interduck" sind klassische Kunstwerke auf die Ente gekommen. Das Parodie-Projekt läuft bis zum 26. April, in der Weihnachtszeit hat das Museum täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. An Heiligabend von 10 bis 14 Uhr, an den beiden Feiertagen von 10 bis 18 Uhr.

Kulinarisches: Ohne Konservierungsstoffe, Palmöl und Zuckermassen, dafür mit Olivenöl kommt der Schoko-Aufstrich Olivoko vom Plauener Silvio Müller daher. Neu sind die weihnachtlichen Sorten Nougat-Anis und Zartbitter-Wintermandel. Letztere liege an Beliebtheit gleichauf mit Vollmilch-Spekulatius, so Müller.

Der Plauener Gerry Hallbauer, der aus regionalen Zutaten eine Gemüsepaste namens "Bums" herstellt, sagt: "Bums passt auch gut in weihnachtliche Rezepte wie Walnuss-Suppe und Bratensauce."

Auch Veganer, die tierische Produkte meiden und dabei oft den Klimaschutz im Blick haben, gehen nicht hungrig und durstig vom Adventsmarkt nach Hause. Statt auf Roster, Mutzbraten und Honig setzt die Plauenerin Sandy Schmidt dort auf veganen Glühwein, belgisches Glühbier, heiße Zitrone oder Punsch. "Es gibt eine Riesenauswahl", erklärt sie. Auch zum Essen: Bambes, Spinatknödel, Holzofenbrot, Oliven, mit Reis gefüllte Weinblätter, Nüsse, Schokofrüchte oder Marzipankartoffeln.

Öko-Tanne: Bio-zertifizierte Nordmanntannen verkauft die Bauhaus-Filiale in Plauen. Laut Aktionsgemeinschaft Robin Wood werden rund 28 Millionen Weihnachtsbäume jährlich in Deutschland verkauft. Nur wenige Bäume, heißt es auf der Internet-Präsenz, wüchsen unter kontrolliert ökologischen Bedingungen heran. Filialleiter Erik Heerwagen hat beobachtet: "Kunden legen verstärkt Wert auf ungespritzte Bäume. Wir bieten nun das dritte Jahr Bäume mit Bio-Zertifikat an", sagt er. Die Nachfrage nehme von Jahr zu Jahr zu. Der Lieferant beziehe die Bäume aus Dänemark. Im Vergleich mit den anderen Bäumen am Bauhaus machten die Öko-Tannen aber nur etwa zehn bis 20 Prozent aus.

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