Als die Mylische Berta durch Reichenbach schnaufte

Reichenbach erhielt im 19. Jahrhundert recht schnell einen Anschluss ans Eisenbahnnetz. Unternehmer forderten jedoch noch mehr.

Reichenbach.

Den Anschluss an das mitteldeutsche Eisenbahnnetz hatte Reichenbach im Vogtland sehr früh erhalten: 1846 wurde der erste Bahnhof in Reichenbach eingeweiht. Das war wichtig für die Industrialisierung. Am Oberreichenbacher Bach und an der Göltzsch entstanden vor allem Textilfabriken. Für sie gab es aber keinen Anschluss an die Eisenbahn. Die Roh- und Brennstoffe sowie die Fertigwaren mussten mit Pferdefuhrwerken aus einer Höhenlage von etwa 300 Meter bis zum Bahnhof auf 401 Meter befördert werden. So wurde aus Unternehmerkreisen die Forderung laut, endlich eine Nebenbahn nach Oberreichenbach und weiter über die Altstadt nach Mylau bis ins Göltzschtal zu bauen.

1892 wurde mit der Planung und dem Bau der Bahnstrecke auf der Flur am Vogel nach Oberreichenbach begonnen. 1895 konnten so die ersten Betriebe über den neuen Bahnhof in Oberreichenbach unmittelbar unterhalb des heutigen Freibades erreicht werden. Die Trasse erforderte Brückenbauten. Von den ehemaligen Brücken sind heute nur noch die Brückenköpfe erhalten. Das hat zwei Oberreichenbacher animiert, diese zu bepflanzen und zu dekorieren. Am Bahnhof Ost, wie er nun benannt wurde, konnte der Zug rangiert werden für die Weiterfahrt entlang des Oberreichenbacher Baches bis zum nunmehr unteren Bahnhof in der Altstadt und von da aus weiter nach Mylau. Deshalb erhielt die Lokomotive im Volksmund die Bezeichnung "Mylische Berta". Aus dem Bahnhof Reichenbach wurde nun "Reichenbach Vogtl. Oberer Bahnhof". Ein Bezeichnung, die bis heute besteht, obwohl es keinen Bahnhof Ost und keinen unteren Bahnhof mehr gibt.

Nicht nur Güter wurden auf der neuen Bahnstrecke befördert, sondern auch Personen. Haltepunkte gab es neben dem Bahnhof Ost an der Dittesschule und in der Karolinenstraße. Bereits 1957 wurde der Personenverkehr eingestellt und dann 1975 der gesamte Bahnverkehr nach Oberreichenbach und bis ins Göltzschtal. In diesem Jahr ist auf einem Teil der ehemaligen Bahntrasse zwischen der Dittesstraße und dem Mosraberg ein Radweg angelegt worden. Heute erinnern auch nur noch die Brückenköpfe und Granitsteine als Begrenzung der Bahnstrecke am Wege an die Eisenbahn in Oberreichenbach. Die Bahnhofstraße in Oberreichenbach wurde nach der Eingemeindung 1908 zur Eisenbahnstraße umbenannt, da es in Reichenbach bereits eine Bahnhofstraße gab.

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