Bad Linda erwacht aus Dornröschenschlaf

Ein Unternehmer aus Pausa hat das Areal gekauft. Spaziergänger nehmen den Wandel wahr. Es gibt aber noch viele Pläne für den historischen Kurpark.

Bad Linda.

Junge Purpurweiden, Bruchweiden, Korbweiden und Vogelbeerbäume säumen die Teiche, eine Lindenallee ist an der Straße angelegt. Die Hecke aus Wildapfel, Wildbirne und Holunder grenzt das benachbarte Maisfeld ab. Spaziergänger rätseln: Bad Linda, da tut sich etwas. Dirk Förster schlägt den Bepflanzungsplan seines Leipziger Landschaftsarchitekten für sein Grundstück auf. "Ich will nichts pflanzen, was hier nicht hingehört", sagt der 55-Jährige. 170 Bäume und Büsche setzten der in Pausa ansässige Unternehmer und sein Mitarbeiter Gerd Chalupka auf dem 13 Hektar großen Areal, dessen Herz die seit Jahrhunderten sprudelnde Reinhardsquelle ist. Seit Dirk Förster das Gelände vor zwei Jahren von der AOK kaufte, erweckt er es Stück für Stück aus dem Dornröschenschlaf. "Ich möchte es wieder der Öffentlichkeit zugänglich machen, bevor es ganz vergessen wird", sagt er.

Ende des 19. Jahrhunderts war Bad Linda als Moor- und Heilbad über die Grenzen des Vogtlands hinaus ein Begriff. Die Einrichtung galt als luxuriös und modern. 1882 eröffnete das Kurhaus seine Fremdenzimmer mit benachbartem Badetrakt und machte schon bald der Badeanstalt im nahen Pausa Konkurrenz. Innerhalb der ersten drei Jahre des Kurbetriebs logierten laut der Badelisten 600 Gäste in Bad Linda. Neben Moorbädern, Wasseranwendungen und Trinkkuren gab es Inhalationen gegen Erkrankungen der Atemwege. Das im Gebiet gestochene Moor galt als bestes des Vogtlandes und kam sogar in Karlsbad zur Anwendung. Der mit seinem hohen Eisenanteil zum Heilwasser erklärte Sauerbrunnen der Reinhardsquelle wurde auf Pferdewagen in Kliniken bis nach Zwickau oder Karlsbad verschickt, berichtet Gerd Chalupka.


Als Mitglied der Pausaer Erdachsenkommision interessiert Chalupka die Geschichte seiner neuen Wirkungsstätte. Für seinen Chef sammelt er Bilder und Postkarten vom damaligen Kurbetrieb. In der Sammlung von Marco Hering wurde er fündig. Wie ein Puzzle setzen Förster und Chalupka Details zusammen, die sie von Alteingesessenen und aus Dokumenten der Zeit erfahren. Wo Gebäude standen, wofür sie genutzt wurden und was sich heute davon finden lässt. Das ehemalige Kurhaus, das nach dem Abzug der Roten Armee ab 1947 Senioren beherbergte, brannte 1993. Es stand damals schon leer. Es war Brandstiftung. Ein Jahr später ebneten es Abrissbagger ein. Danach wurde es still um Bad Linda. Die Rhododendren mit den pastellfarbenen Blüten wuchsen zu, meterhoch standen Buschwerk und Gras, bevor sich Dirk Förster und sein Mitarbeiter durchschlugen. "Man kam hier kaum durch", berichtet Förster.

Eigentlich setzt der Diplomingenieur mit seiner Firma Abwasserrohre, entwässert Grundstücke. Sein Fachwissen war ihm bei seinem privaten Projekt dienlich. Der Zulauf der Teiche war verstopft. Förster und Chalupka legten den Verlauf des Lohbachs auf einem Teilstück neu an. Mehr als eine Viertelmillion Euro steckte Förster inklusive des Erwerbs in sein Grundstück, allein 11.000 Euro für Neuanpflanzungen. "Das macht doch kein normaler Mensch", sagt Förster und lacht.

Das von der Quelle gespeiste Moor ist intakt, steht unter Naturschutz. Förster will so wenig wie möglich eingreifen, allenfalls Fichten herausholen, die nicht hingehören. Die bedrohte Braune Langohrfledermaus ist im Refugium zu Hause. Auch wächst die Einbeere, die feuchte Böden mag.

Vom Naturschutzbund bekam Dirk Förster die Auskunft, dass es der einzige bekannte Standort der Pflanze im Vogtland sei. Der private Betrieb im Kurort Bad Linda erreichte nie die Bedeutung der königlich sächsischen Kureinrichtungen von Bad Elster und Bad Brambach, die staatlich gefördert waren.

Historische Fotos und Postkarten zeigen den mit schnurgeraden Wegen vorbei an Rhododendren, jungen Erlen, Eichen und Buchen angelegten Kurpark Bad Lindas, dessen Zentrum laut einer stilisierten Postkarte ein Rundbeet mit Palme zierte. Zur damaligen Zeit war das Mode, wie Vergleiche mit dem Historischen Rosengarten im Staatsbad Bad Elster zeigen. Vor 130 Jahren sahen die Pläne von Gartenbauinspektor Paul Schindel als Herzstück des Rosengartens ein leicht erhöhtes Rundbeet vor, in dessen Zentrum eine Kanarische Dattelpalme thront.

Dirk Förster will in seinem Park keine Blumenbeete anlegen. "Es soll ein Baumpark bleiben", sagt er dazu. Andere Ideen hat er viele, plant Kunstinstallationen wie eine Betontreppe, die ins Nichts führt, oder einen überdimensionierten rosa Elefanten. "Das Schöne ist, dass ich hier machen kann, was ich will", sagt er. Für Ideen anderer Kreativer ist er offen.

Auch ein Kneipp-Pfad führt demnächst durch das von der Quelle gespeiste Wasser des Lohbachs , der die zwei Teiche auf dem Gelände speist. Innerhalb der nächsten zwei Jahre will Förster die Pläne umsetzen. Spaziergänger und Wanderer könnten durch das Wasser waten, das einst schon dem damaligen Plauener Kurbadgründer innerhalb von nur zwei Wochen Linderung bei einer Erkrankung des Bewegungsapparates verschafft haben soll. Einheimische aus Pausa schöpfen das Wasser der Quelle traditionell als Osterwasser.

Der Müllerburschenweg verläuft durch das Grundstück. Förster will den Weg wieder durch den historischen Kurpark führen, vorbei an den mehr als hundert Jahre alten Buchen und Eichen. Verweilen, den Kneipp-Pfad nutzen oder Federballspielen könnten Familien, so schwebt es Dirk Förster vor. Eintritt will er nicht erheben.

Die Schranke am Eingang zum Gelände dient allein dazu, Autos am Weiterfahren zu hindern. Zuschüsse von der Stadt erhält Förster für sein Vorhaben nicht. "Pausa hat doch dafür gar kein Geld", sagt er. Künftig will sich der Unternehmer aber stärker kommunalpolitisch einbringen. Als parteiloser Kandidat zog Dirk Förster jetzt für die CDU in den Pausaer Stadtrat ein. Doch auch sein Areal um die Reinhardsquelle wird ihn auf Jahre beschäftigen.


Aus der Geschichte

1857 wurde die Quelle zum Heilwasser erhoben, 1886 "Reinhardsquelle".

Der Plauener Kaufmann Traugott Eckardt kaufte das Areal um die Quelle und eröffnete 1882 den Kurbetrieb.

In der Wirtschaftskrise in den 1930er Jahren fielen die Gebäude an die Krankenkasse Erfurt, die sie als Genesungsheim für Frauen nutzte. Zum Ende des Krieges war es ein Lazarett.

Als Seniorenheim diente das Gebäude zuletzt, 1994 abgerissen. (nij)

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