Denkmalschwund in Reichenbach

Geöffnete Denkmale, interessante Vorträge: Den bundesweiten Aktionstag nutzten gestern viele und gewannen neue Einblicke.

Reichenbach.

Viele Menschen aus der Region haben das Ausflugswetter am Sonntag genutzt, um die zum Tag des offenen Denkmals geöffneten Einrichtungen zu besuchen. Einen Bezug zu Denkmalen, dem bundesweiten Denkmaltag und dem diesjährigen Thema "Gemeinsam Denkmale erhalten" stellte Wolfgang Viebahn in seinem Vortrag im Alten Wasserwerk Reichenbach her. Er sparte dabei nicht mit Kritik an Eigentümern und Behörden, die Denkmale verfallen lassen.

"Eigentum verpflichtet zu gar nichts, vielfach geduldet von Behörden", schrieb er den Slogan "Eigentum verpflichtet" aus dem Grundgesetz fort. "Wenn das Dach hinreichend löchrig ist, regelt sich das andere von ganz allein. Erst verkommen lassen, dann abreißen", sagte er und zeigte Bilder von vielen Reichenbacher Dankmalen, die abgerissen sind oder vor dem Abbruch stehen. Begünstigend sei dabei auch, dass das Land Sachsen die Denkmalmittel kürzt und 2017 Sonderprogramme wegfallen sollen.

Am Beispiel der Angermühle, die 2002 abgerissen wurde, zitierte der Vereinschef des Vereins Aqua et Natura, Wolfgang Michel, den Reichenbacher Werner Markhardt, der den Abbruch dokumentiert hatte: "Der eine hat einen Bauplatz, der andere ein Paar Euro verdient und Reichenbach hat ein Kulturdenkmal weniger. In einigen Jahren wird wohl keiner mehr wissen, wo das älteste Haus Reichenbachs stand." Die Mappe mit Fotos vom Abbruch konnten sich die Besucher anschauen.

Wolfgang Viebahn hatte sich in seinem Vortrag den Denkmalen im Raumbachtal zugewendet. Dabei wurde deutlich, dass einst Denkmal an Denkmal aufgereiht war wie die Perlen einer Kette. Ein Teil davon ist verschwunden, von einigen wurde Teile erhalten wie Decken und Bleiglasfenster aus der Schleber-Villa, einige Villen wurden saniert und anderen Häusern sieht man nach vielen Umbauten nicht mehr an, wie prachtvoll sie einst waren. 524 Denkmale stehen in Reichenbach und Mühlen, also Stoff genug für weitere Vorträge.

In der Reichenbacher Region hatten die Vereine oder Eigentümer mit besonderen Angeboten gelockt. Bei den Kirchen in Mylau und der Peter-Paul-Kirche in Reichenbach war die Turmbesteigung möglich. Im Schloss Netzschkau nahmen Gäste aus dem gesamten Vogtland an der Führung teil. Einige Besucher wandelten auf den Spuren ihrer Ahnen. Außerdem wurde eine Sonderausstellung mit Bildern und Skizzen von Dirk Söllner eröffnet. Eine neue Ausstellung gibt es seit gestern auch im Gärtnerhaus Mylau, in dem Bilder von Winfried Burkhardt gezeigt werden. An der geführten Radtour des Radkulturzentrums nahmen nur drei Personen teil.

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