Drohende Kosten-Explosion: Rat hebt Ausschreibungen auf

Die Neugestaltung des Solbrigplatzes muss warten. Die Pläne sollen jetzt abgespeckt werden. Verschoben wird zudem der Ausbau der Liebaustraße.

Reichenbach.

Der Reichenbacher Stadtrat hat am Montagabend einstimmig die drei Ausschreibungen für die Neugestaltung des Solbrigplatzes aufgehoben.

Der Grund: die grassierende Baukostensteigerung. Die Angebote der Firmen übersteigen die Kostenberechnung zum Teil immens. Bei Straßenbau, Freianlagen, Kanal und Trinkwasserleitung liegt das beste Angebot mit 1,85 Millionen Euro bei 179 Prozent der Kostenberechnung. Bei der Technik fürs Wasserspiel sind es mit gut 83.000 Euro sogar 277 Prozent und bei Straßenbeleuchtung und Elektroinstallation mit rund 87.350 Euro 118 Prozent.


Die hochwertige Neugestaltung des Platzes mit extravaganter Bushaltestelle, Wasserspiel und Ringleuchte über dem Zentralbereich war mit 1,4 Millionen Euro kalkuliert worden. Die Angebote summieren sich indes auf 2,02 Millionen Euro. "Wir werden mit dem Planer und allen Beteiligten in Diskussion treten. Vom Gesamtvorhaben wollen wir uns aber nicht verabschieden", erklärte Baufachbereichsleiter Sven Hörning. Im 3. Quartel wolle man den Bau neu ausschreiben.

"Es ist nicht zu finanzieren", meinte Uwe Kukutsch (SPD), fragte aber nach, was derzeit bereits für Arbeiten am Platz laufen. "Momentan laufen Trockenlegungsmaßnahmen durch die Woba am Stadtpalast", erklärte OB Raphael Kürzinger (CDU). Bernd Müller (Bitex) erinnerte an die geplatzten Baupläne auf dem Volksfestplatz. Jetzt komme der Solbrigplatz auch nicht wie geplant. "Das tut uns nicht gut", sagte er und fragte: "Glauben Sie wirklich, dass die Preise im 3. Quartal nach unten gehen?" "Das kann keiner garantieren", erwiderte Hörning. Auf Anfrage von Andreas Lochmann (Linke) bestätigte Hörning, dass beabsichtigt sei, die Ausschreibung inhaltlich zu verändern. Bautechnische Regeln seien freilich einzuhalten, aber es gebe für alles Alternativen. Für die Pläne ist also ein Abspecken angesagt. "Wir müssen unsere Ansprüche zurückschrauben", fand Frank Otto (Bitex) und erinnerte, dass sich CDU-Stadtrat Alfons Kienzle schon im März gegen den Luxus ausgesprochen hatte. "Es ist kein Luxus", hielt Hörning gegen. Ein solcher würde nicht gefördert. "Ich fragte, ob es nicht etwas bescheidener ginge", erklärte Kienzle.

Einstimmig aufgehoben wurde am Montag auch die Ausschreibung für den grundhaften Ausbau der Liebaustraße zwischen Fritz-Ebert- und Heinrich-Ludwig-Straße. Hier hatte es zwei Bieter gegeben. Das beste Angebot lag zwölf Prozent über der Kostenberechnung. Vor allem bei Trinkwasser- und Kanalbau gab es gravierende Kostenüberschreitungen. Die öffentliche Ausschreibung soll im 4. Quartal wiederholt werden mit geplanter Bauausführung im ersten Halbjahr 2020.

Die Liebaustraße ist im besagten Abschnitt die marodeste Verkehrsanlage in ganz Reichenbach. Im Schnitt hat sie 16,6 Prozent Gefälle. 2009 hatte die "Freie Presse" der Liebaustraße den Schlaglochteufel für das größte Schlagloch im Vogtland zuerkannt. Der Fahrbahnbelag hat sich in Wohlgefallen aufgelöst. In der Prioritätenliste für den Straßen- bau bis 2023 in Reichenbach steht die Schotterpiste auf Platz 1.

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