Fußgänger leben in Neumark gefährlich

An der unübersichtlichsten Stelle im Ort ist plötzlich der Bürgersteig zu Ende. Dabei wurde die Straße kürzlich mit Millionenaufwand saniert. Eine verpasste Chance?

Neumark.

Von hinten rechts biegt die Werdauer Straße ein. Von hinten links kommt die Zwickauer Straße dazu. Und von vorn schlängelt sich die Alte Reichenbacher Straße um das Rathaus herum. Wenn es einen Verkehrsknoten in Neumark gibt, dann ist er genau dort. Und exakt an dieser Stelle ist der Bürgersteig plötzlich zu Ende. Ein Schild fordert alle Fußgänger auf, die Straßenseite zu wechseln.

Ein Unding, findet Gemeinderat Benno von Römer (CDU). Bei der jüngsten Versammlung der Bürgervertreter machte er seinem Ärger Luft. "Das ist eine extrem unübersichtliche Stelle", sagte von Römer. "Für Erwachsene ist das schon nicht ohne. Aber Kinder darf man dort nicht allein die Straße überqueren lassen." Alte Reichenbacher Straße und Werdauer Straße bilden quasi eine große S-Kurve. Deshalb ist nur schwer einsehbar, ob der Weg frei ist oder sich Autos nähern. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Fahrer mit Bleifuß unterwegs sind. "Dort rasen vor allem die Einheimischen", berichtete Bauamtsleiterin Marion Dick

Was von Römer besonders ärgert: Das Problem existiert zwar schon seit Jahrzehnten. In den vergangenen Monaten wurden die Straßen in diesem Bereich aber mit einem Millionenaufwand grundhaft neu gebaut. Warum wurde dieses Dauerärgernis nicht gleich in einem Aufwasch miterledigt?

Darauf hat auch Bürgermeister Sven Köpp (FDP) nicht so recht eine Antwort. "Die letzten 40 Jahre ging es so ja irgendwie. Und etwas Neues wurde nicht geschaffen." Zufrieden stellt ihn das Ganze freilich nicht. Da es sich um eine Kreisstraße handelt, kann die Gemeinde jedoch nichts auf eigene Kappe unternehmen. "Wir setzen uns aber mit den Behörden in Verbindung", sicherte er zu. "Es muss möglich sein, da eine andere Variante zu finden."

Wie könnte die aussehen? Bürgermeister Köpp peilt einen Zebrastreifen an. Eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 Stundenkilometer - wie sie im Gemeinderat ebenfalls diskutiert wurde - hält er dagegen für aussichtslos: "Da haben wir bereits eine Absage bekommen. Schließlich handelt es sich um eine gut ausgebaute Straße und eine ganz normale Ortsdurchfahrt."

Zum Glück gibt es eine Sache, die das Problem etwas entschärft: der gesunde Menschenverstand. Der Gehweg kann nämlich jenseits des genannten Schildes nicht fortgesetzt werden, weil dahinter Privatbesitz beginnt. Dort wohnt Familie Zimmermann, die den Untergrund vor ihrem Haus gerade neu befestigt. "Wir brauchen die Fläche, um unsere Autos dort zu parken", sagt Nadine Zimmermann. "Aber vom Prinzip können Leute dort natürlich entlanglaufen. Das ist gar kein Problem. Leben und leben lassen."

Eltern mit Kinderwagen können von dieser Variante vermutlich aus Platzgründen keinen Gebrauch machen. Andere Fußgänger schon. So wie eine Frau, die kürzlich mit Tomaten und weiteren Einkäufen bepackt das Schild erreichte. Wie alle anderen blickte sie gründlich nach vorn und hinten, damit nicht doch noch ein Auto angeschossen kommt. Die Alte Reichenbacher Straße überquerte die Frau anschließend jedoch nicht. Stattdessen betrat sie nur kurz die Fahrbahn, lief um das Schild herum und ging einfach geradeaus weiter - am Haus der Familie Zimmermann vorbei.

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