Generationswechsel auf Raten: Bei Kummers gibt es zwei Chefs

Bei der Reichenbacher Elektrikfirma sind künftig Vater und Sohn Geschäftsführer. Beide sind Experten darin, Neues auszuprobieren.

Reichenbach.

Der neue Besen hat seinen Job streng genommen noch gar nicht angetreten. Kehren tut er trotzdem schon gut. Firmenchef Jens Kummer lobt seinen Sohn: "Chris hat hier einiges angeschoben." Und: "Die Digitalisierung der Firma, den Bereich der Erneuerbaren Energien ... - ohne ihn wären wir mit all dem noch lange nicht soweit."

Juniorchef ist Chris Kummer also eigentlich heute schon. Doch im Laufe des kommenden Jahres soll der 30-Jährige offiziell als Mitinhaber und Mitgeschäftsführer den Platz an der Seite seines Vaters einnehmen. Noch ein paar Jahre später soll er die Firma allein leiten. Jens Kummer: "Ich habe mich wirklich sehr gefreut, als klar war, dass Chris hier einsteigt." Von vorherein klar war das keinesfalls. "Als ich Kind war, hat es zwischen Vater und mir immer mal geraucht", gibt Chris zu. Der Vater nickt. Aber das ist Schnee von gestern."Dafür verstehen wir uns heute um so besser." Gemeinsam wollen beide nun die Firma mit den knapp 50 Mitarbeitern und elf Auszubildenden in die Zukunft führen. Pläne gibt es dafür viele. "Wir wollen noch mehr in den Bereich erneuerbare Energien investieren", nennt Jens Kummer ein Beispiel. Der Betrieb an der Friedensstraße ist dabei sein eigenes Referenzobjekt. Die Firma ist zu 90 Prozent autark bei der Energieversorgung. Nur in den Wintermonaten bei Schlechtwetter muss aus dem Netz Strom bezogen werden. Die sechs Elektroautos des Unternehmens werden meist ebenfalls mit eigenem Strom geladen. Zudem will Kummer seine Smart-Home-Sparte ausbauen.

Diese Geschäftszweige hätte sich der Seniorchef wohl kaum vorstellen können, als er auf den Tag genau vor 30 Jahren sein Gewerbe als Einmannbetrieb anmeldete. "Das ist einer der schönsten Tage in meinem Leben gewesen", blickt der 55-Jährige zurück. Er konnte machen, was seinem Vater verwehrt geblieben war. "Er wollte sich ebenfalls selbstständig machen", sagt Jens Kummer. "Aber er galt als politisch nicht zuverlässig genug. 1990 hat so etwas endlich keine Rolle mehr gespielt."

In den kommenden Jahren wurde das Unternehmen kontinuierlich größer - trotz aller Probleme. Und davon gab es in diesen 30 Jahren viele. Fachkräftemangel, Kunden, die nach einer Insolvenz ihre Rechnungen nicht mehr zahlen konnten, Tausende an Metern defekt angelieferte Kabel, für die er selbst den Kopf hinhalten musste, dieses Jahr dann die Coronapandemie, an der Mitarbeiter erkrankten - als Selbstständiger musste Kummer mit all dem irgendwie klarkommen. Eines seiner Erfolgsrezepte: Er blieb nie "bei seinen Leisten", sondern investierte in neue Geschäftsfelder. 1999 eröffnete Kummer zusätzlich ein Fußbodengeschäft, betrieb für einige Jahre auch noch ein Küchenstudio. Die Erweiterung ist noch nicht abgeschlossen. Aber mehr verraten die beiden noch nicht.

Eingefahrene Gleise verlassen - auch dabei kommt Sohn Chris Kummer ins Spiel. Der 30-Jährige hat einerseits eine reguläre Ausbildung zum Elektriker gemacht aber auch Elektrotechnik studiert. Beides kann er jetzt gut gebrauchen. "Viele meiner Studienkollegen wussten nicht, wie man auf der Baustelle einen Schlitz in die Wand klopft", sagt Chris Kummer. "Auf der anderen Seite habe ich bei meinem Masterstudium gelernt, mich schnell in neue, mir bislang unbekannte Gebiete einzuarbeiten." Als Chef eines Handwerksbetriebs braucht er in der Tat beides.

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