Hilfsverein Karo macht sich Sorgen um Roma-Kinder

Das Umfeld der Kinder besteht aus sozialem Zündstoff, sagt die Karo-Chefin. Der Hilfsverein möchte mit den Behören zusammenarbeiten.

Plauen.

Die Chefin des Hilfsvereins Karo bittet das Landratsamt, zu handeln und einen sozialen Brennpunkt in Plauen zu entschärfen. Sie sorgt sich um Kinder der Volksgruppe Roma, die mit ihren Müttern inmitten eines Drogen- und Neonazi-Milieus leben. Cathrin Schauer-Kelpin, Chefin des Karo-Vereins, sieht eine Gefährdung der Kinder.

Das betroffene Mehrfamilienhaus sei kein geeignetes Umfeld. Vergangenes Jahr fuhr die Polizei bis November 22 Einsätze zu diesem Haus in der Nähe der Plauener Innenstadt. "Schlechte Wohnbedingungen fördern Gewalt", sagt Schauer-Kelpin. Ängste würden entstehen, auch die Psyche sei bedroht. "Wir wünschen uns von den Behörden, dass diese Menschen unterstützt werden", so die Vereinschefin. Sie bietet den Sozialbehörden ihre Hilfe an.

Die "Freie Presse" hatte die Kreisverwaltung im Dezember gefragt, ob das Sozialgefüge in dem Mehrfamilienhaus bekannt sei. Die für die Behörde zuständige Pressestelle antwortete: "Generell kann jeder Bürger in eine Wohnung einziehen, die er mag ... Probleme im Haus bzw. Hausflur sind Vermietersache." Cathrin Schauer-Kelpin kritisiert diese Aussage. Es müsse für die Kinder ein Umfeld geschaffen werden, in dem sie sicher aufwachsen können. Nach Recherchen der "Freien Presse" werden die Kinder von Anwohnern beschimpft. Die Mütter alarmierten nach eigenen Aussagen bereits die Polizei deswegen. Im Treppenhaus liegen Scherben und Müll.

Vor einem Jahr war bundesweit über die Roma in Plauen berichtet worden. Zweimal hatten kurz hintereinander Häuser gebrannt, in denen sie lebten. Beide Male handelte es sich um Brandstiftung, so die Polizei. Der Täter, der das Feuer im ersten Haus gelegt hatte, ist nicht gefunden worden. Bei dem zweiten Brand hatte es zwei Tote gegeben. Ein junger Mann aus dem Drogenmilieu wurde wegen Mordes verurteilt. Er hatte mit Bekannten mehrere Tage lang Crystal genommen und danach deren WG angezündet.

Die Bewohner des Brandhauses leben heute wieder zusammen unter einem Dach. Die Häuser gehören einem Privateigentümer, der an Menschen vermietet, die schwer eine Wohnung finden. "Ich kaufe billige Wohnungen, und die Miete für meine Leute überweist meistens das Amt", sagte er in vergangenes Jahr in einem Interview mit der "Freien Presse". Drei seiner Mehrfamilienhäuser in Plauen sind nach Brandstiftungen nicht bewohnbar.

Eine Mutter und ihr dreijähriger Sohn erlitten bei einem der Feuer schwere Verbrennungen. Sie klagt seitdem über Schlafstörungen und Angstzustände. Im April bringt sie ihr viertes Kind zur Welt.

Karo ist nach eigenen Angaben jede Woche vor Ort. Sie vermittelten unter anderem zwischen den Familien und der Umzugsfirma Petzold, die ihnen Betten spendete.

Nach einem Zeitungsbeitrag über die slowakischen Familien meldete sich eine Plauenerin bei Karo. Sie wolle den Kindern Nachhilfeunterricht geben.

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