Hofpausen zum Genießen

Bon Appétit hieß es am Mittwoch in der Weinhold-Oberschule. Die Französisch-Schüler hatten zur Geburtstagsfeier für den 1963 geschlossenen Élysée-Vertrag eingeladen.

Reichenbach.

Die Gratulanten gaben sich am gestrigen Mittwoch die Türklinke zuhauf in die Hand. Nur das Geburtstagskind fehlte. Was keinen störte, schließlich galt die von Französisch-Schülern organisierte Party in der Reichenbacher Weinhold-Oberschule dem 1963 geschlossenen Élysée-Vertrag, mit dem seinerzeit Adenauer und de Gaulle der seit Ende des Zweiten Weltkriegs in Gang gekommenen Versöhnung zweier Erbfeinde den vertraglichen Rahmen gaben. Der Geist der im gleichnamigen Pariser Palast besiegelten Freundschaft herrschte auch in der zu den zwei Hofpausen von allen Weinhold-Schülern regelrecht gestürmten Cafeteria.

"Ich finde es gut, dass Deutschland und Frankreich nach so langer Feindschaft endlich zum Frieden gefunden haben", sagte Zehntklässler Julien Vogel, der genau weiß, wo beide Länder auf der politischen Landkarte Europas zu verorten sind - der 16-Jährige vertritt die Weinhold am 27. Februar beim Landesfinale der Geografie-Olympiade und glänzt auch in Französisch mit breit gefächertem Allgemeinwissen. Im Gegensatz zum Unterricht bei den Fachlehrern Elfrun Vogl und Mandy Gruhle war am Mittwoch in den Pausen allerdings Appetit gefragt.

Und den brachten die Gratulanten mit. Die tischeweise von den Französisch-Schülern vorbereiteten Teller voller mit Camembert belegten Baguettes oder Crêpes waren noch vor dem Ende der zweiten Hofpause ratzekahl gegessen. Zum ausgelassenen Schlemmen trug auch die von Elfrun Vogl passend zum Anlass ausgewählte Musik bei. Zu den Liedern der Sängerinnen Édith Piaf und Zaz oder des Chansonniers Charles Aznavour schmeckten die Leckereien noch mal so gut.

"Alle haben toll mitgezogen", zollte Elfrun Vogl den Schülern Respekt, die Geburtstags-Idee der Lehrer initiativreich vor und nach dem Unterricht in der Schulküche umgesetzt zu haben. Die Schüler waren zudem einverstanden, die über Spenden der Gäste erzielten Einnahmen dem Schulförderverein zukommen zu lassen und damit allgemeinen Zwecken zuzuführen. Die Hofpausen zum Genießen waren auch nach dem Geschmack von Schülerin Elise Jamard-Schröder.

"Ehrlich gesagt hatte ich vor der Idee der Lehrer und den Informationen im Unterricht nicht wirklich eine Ahnung von diesem Vertrag. Ich finde es aber gut, dass Länder so aufeinanderzugehen", sagte die Achtklässlerin - der die deutsch-französische Freundschaft quasi im Blut liegt. Die Schülerin aus Mylau ist Tochter einer Französin und eines Vogtländers und wächst zweisprachig auf. Vater Maik Schröder hatte Elises Mutter Aurelie Jamard einst auf Montage in der Pfalz kennengelernt. Der Mylauer deckte im Südwesten Dächer, während die Französin dort kellnerte. "Deshalb bin ich öfter bei Großeltern oder Tanten in Frankreich", erzählte Elise.

Den besonderen französischen Slang ihrer Schülerin mögen auch die Lehrer. Lauter Einsen bekommt die Muttersprachlerin deshalb nicht: Da Elfrun Vogl 2017 einzige Französisch-Lehrerin an der Weinhold war, konnte damals keine sechste Französisch-Klasse gebildet werden. Deshalb besucht die Achtklässlerin nun den Unterricht in den höheren Klassen quasi außerhalb der Wertung, um ihre schriftlichen Leistungen zu verbessern. Im Hinblick auf weitere besondere Aktions-Tage könnten indes alle Französisch-Schüler von einem anderen Besuch profitieren. Elfrun Vogl und Mandy Gruhle denken darüber nach, einmal auch Elises Mutter Aurelie anlassbezogen einzuladen.

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