Holländer feilt in Reichenbach an beliebtem Festival

Der Nachwuchsband-Wettbewerb in Hauptmannsgrün wäre ohne Ben Sepers kaum vorstellbar. Wie hat alles begonnen?

Reichenbach.

Wer in der vergangenen Woche den Niederländer Ben Sepers in Reichenbach gesichtet hat, unterlag keiner Täuschung. Der quirlige Moderator und Mitorganisator des Sommer-Indie-Music-Festivals Labore am Mühlteich in Hauptmannsgrün kümmert sich mit dem Verein Borwaerk um die Vorbereitungen. "Ich war bei der Vorbesprechung und bin außerdem dabei, den Nachwuchsband-Wettbewerb zu organisieren", verriet der Gast, der neben seiner Muttersprache Englisch und Deutsch spricht.

Die Neuen Bundesländer kannte er schon vor der Wende. "Ich arbeite für eine große Computerfirma. Wir hatten zu DDR-Zeiten Beziehungen zu einer Firma in Leipzig, die für uns Plastikteile herstellte." Aus dieser Zeit erinnert er sich auch an eine eindrucksvolle Begegnung mit Stasi und Co. "Ich wusste, dass man in der DDR Verkehrsregeln einhalten muss und nicht zu schnell fahren darf. Aber nicht, dass man nicht an einen Baum pinkeln darf", erzählt er. Dazu kam, dass der Baum neben einem Guck- und Horch-Haus stand. Der Notdurft wohnten zwei Herren mit Maschinengewehr und ein Mann im langen schwarzen Ledermantel bei. Das menschliche Bedürfnis wurde auf Polaroid festgehalten. Der Fehltritt kostete 15 Westmark. Für das Foto löhnte er noch einmal zehn, denn er brauchte es als Beweismittel zur Spesenabrechnung. "Das war das einzige Mal, dass meine Firma ein Bußgeld bezahlt hat", lacht er noch heute.

Zum Labore-Festival kam er "wie die Jungfrau zum Kind". "1990 waren sechs junge Leute aus Netzschkau nach Amsterdam getrampt. Sie hatten kaum Geld, und Amsterdam ist sehr teuer. Sie fragten mich nach Live-Musik. Ich schickte sie in einen einigermaßen preiswerten Club", plaudert Ben. Er traf die Jungs im Club, sie bekamen ein paar Bier spendiert und erzählten von ihrer Heimat. Die Einladung zum Gegenbesuch in Netzschkau, wo der Verein damals sein Domizil im ehemaligen Schulhort hatte, ließ nicht lange auf sich warten.

Mit einem Begrüßungsbanner am Haus, in dem Nachwuchs-Bands probten und spielten und in das Ben von da an auch immer Nachwuchsbands aus Holland mitbrachte, wurde er empfangen. Im Laufe der Jahre entstanden viele Freundschaften. Ben beherbergte Leute von hier in Amsterdam und kam im Gegenzug bei Vogtländern unter. 2000 fand das erste Labore-Festival statt. 2003 wurde Ben gefragt, ob er nicht moderieren will, "weil ich so lustiges Deutsch spreche, hieß es". In seiner Rolle geht er auf und kann als positive Inkarnation des fliegenden Holländers durchgehen. Das Festival ist für ihn so etwas wie ein Baby, das man hegen und pflegen muss. Deshalb organisiert er den Nachwuchsband-Wettbewerb mit vier Ausscheiden, aus denen die besten Bands für das Halbfinale und das Finale hervorgehen. Der Sieger spielt beim Festival.

Im Mai ist der Start für die Ausscheide. "Man muss den jungen Leuten eine Perspektive geben, sonst sehen sie keinen Sinn darin, hier zu leben. Wenn sie keinen Bock haben, ziehen sie weg, und eine Gesellschaft ohne Jugend ist einfach nur furchtbar", sagte der 61-Jährige, der selbst keine Kinder hat. Das Festival, das am 26./27. Juli zum 19. Mal stattfindet, hat sich längst zur Veranstaltung für alle Generationen und als beliebtes Angebot für junge Familien entwickelt. Im Vorbereitungsteam ist jetzt die dritte Generation aktiv. Die eingeladenen Bands decken ein breites Spektrum ab. "Zurzeit laufen die Verhandlungen. Es dauert noch, bis wir etwas Konkretes bekanntgeben können."

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