Hüttenkäse-Kabarett erntet langen Applaus

Die Herkuleskeule tischt im Neuberinhaus Typisches und Deftiges auf - und bedankt sich bei immerhin 100 Gästen.

Reichenbach.

Der von einem Molkereiunternehmen als Marke eingetragene Hüttenkäse ist ein Frischkäse mit Biss. Die Dresdner "Herkuleskeule" hat aus dem Begriff ein Programm gemacht, das drei vollkommen unterschiedliche Personen in einer Hütte am Jakobsweg aufeinander los lässt. Am Samstagabend war es im Neuberinhaus zu erleben. Rund 100 Zuschauer hatten sich vom Veranstaltungsangebot ansprechen lassen.

Bei strömendem Regen trafen sich der redselige Pfarrer Lars, der von seiner Schwester veralberte Spulendreher Dirk und die mit Oberlehrer-Allüren behaftete Marion in einer viel zu kleinen Hütte am Jakobsweg. Während Marion sich selbst finden wollte und der sprechfaule Dirk am liebsten seine Ruhe gehabt hätte, quasselte der auch als ehrenamtlicher Bürgermeister gescheiterte Pfarrer ohne Punkt und Komma. Dem ersten Kennenlernen folgte eine Parodie auf die Bewertungsorgien im Internet, die für manche die Urlaubsvorbereitungen ersetzen. Lars erklärte anhand seines Dorfs die miserable Umsetzung von Maßnahmen mit Bezug auf die Integration von Flüchtlingen, Marion den Widersinn einer Web-Challenge. Nach eingehender Debatte kamen die drei darauf, dass den Deutschen die Entscheidungsfreudigkeit fehlt - wie Buridans Esel aus dem gleichnamigen Roman des eben verstorbenen Günter de Bruyn. Für alles benötigen sie einen Ratgeber, ob es nun Liebe, Ernährung oder Verdauung ist. Aus "Wie Russland" wurde das "Virusland" und die Suche nach dem Schuldigen für die neue Situation endete nicht beim Virus, sondern bei Bill Gates und diversen Verschwörungstheorien.

Kam bei Witzen über Corona oder Donald Trump der Beifall aufs Wort, so blieb so manchem das Lachen bei einigen Anspielungen auf Nazis oder den Zweiten Weltkrieg im Halse stecken. Seit 1945 sind ausreichend Absurditäten passiert, die man aufgreifen könnte, ohne jedes Mal den Namen oder die Person Hitler erwähnen zu müssen. Aber vielleicht gehört gerade das zum eingangs erwähnten Käse in der Hütte.

Am Ende gab es langen Applaus, weil endlich wieder einmal Kabarett in der dafür prädestinierten Spielstätte geboten wurde, weil überhaupt etwas los war, weil man lachen konnte, weil man sich in Lars, Dirk oder Marion stellenweise wiedererkannte, oder einfach so. Den Dank, dass sie gekommen waren, hatten die Besucher bereits am Anfang erhalten. Immerhin hatten sie trotz einer Neuinfektion in der vergangenen Woche den Mut zum Risiko, zumal mehr als die Hälfte des Publikums der Risikogruppe 60+ angehörte, fanden die Darsteller. Dem Team des Neuberinhauses ist inzwischen ein hohes Maß an Routine bei der Umsetzung des Hygienekonzeptes eigen. Nur an den Toiletten stutzen einige Besucher, denn es ist nicht feststellbar, ob sich bereits eine Person im Inneren befindet und man den Raum betreten darf.

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