Illegale Drogen: Seit 2004 doppelt so viele Hilfesuchende

Ihr 25-jähriges Bestehen hat gestern die Suchtberatungsstelle des DRK Reichenbach gefeiert. Ihre Arbeit hat sich mit der Zeit gewandelt.

Reichenbach.

Das 25-jährige Bestehen der Suchtberatungsstelle des DRK-Kreisverbandes Reichenbach hat gestern Gratulanten und interessierte Bürger gleichermaßen in die dritte Etage des Ärztehauses Albertistraße 38 gelockt. Der Tag der offenen Tür bot Gelegenheit, sich über die Angebote zu informieren. Zwei Referate und ein gemeinsames Mittagessen in der Begegnungsstätte "Ausweg" rundeten den Tag ab.

"Es freut mich, dass wir die Suchtberatungsstelle so lange aufrecht erhalten und fachgerecht besetzen können", sagte Bianca Zisowsky, Geschäftsführerin des DRK Reichenbach. Jessica Poller, Leiterin der Suchtberatungsstelle, zog Bilanz: Im September 1992 begann alles mit einer halben Stelle. Im März 1993 wurde eine Vollzeitstelle daraus. Pollers Vorgängerin Rosemarie Neuberger begann seinerzeit mit 16 Hilfesuchenden, deren Anzahl aber schnell auf 100 anwuchs. Zumeist Männer mit einem Alkoholproblem. Damals sei alles noch Neuland gewesen, erst ab 1995 habe es Richtlinien für die Suchtberatung gegeben. "Wir haben individuell gearbeitet, sind mit den Klienten zum Arbeitsamt gegangen und haben versucht, sie schnell wieder in Arbeit zu bringen", berichtete Neuberger.

1995 wurde in ehemaligen Garagen im Hof der Albertistraße 38 die Begegnungsstätte "Ausweg" gegründet. Sie ist bis heute für alle da, die reden möchten, ohne gleich in Therapie zu gehen. Hier kann man neue Freunde finden, in der Gruppe Kreatives Gestalten oder in der Laienspielgruppe aktiv sein. "Zurzeit proben wir an einem zweiten Stück der Olsenbande", verriet Heidemarie Arzt. Das gemeinsame Frühstück und Mittagessen strukturieren den Tag. 2016 wurden in der Begegnungsstätte 2091 Besucher gezählt.

1999 verzeichnete die Suchtberatung erste Fälle von Cannabis-Konsumenten. Die Jugendlichen wurden damals von Eltern oder Schulen ans DRK vermittelt. "Es gab damals in Lengenfeld und Greiz einen regelrechten Klan, der die Drogen vertickte", erinnerte sich Neuberger.

Heute kümmert sich die Suchtberatungsstelle pro Jahr um rund 300 Klienten. 2016 waren es exakt 312 Hilfesuchende. Dabei erfolgten 48 Vermittlungen in die stationäre Entgiftung und 19 in die stationäre Entwöhnung. "Es dauert heute länger als früher, Leute in stationäre Therapien vermittelt zu bekommen", schätzte Jessica Poller ein.

Während die Anzahl der Alkoholklienten 2004 bis 2016 von 198 auf 160 sank, macht ihr eine andere Entwicklung Sorgen: Kamen 2004 40 Klienten und damit 17 Prozent wegen illegaler Drogen in die Beratungsstelle, so waren es 2016 87, was 35 Prozent entspricht. "Der Anteil hat sich verdoppelt", sagte sie.

Die einzelnen Fälle seien dabei weitaus komplexer als früher. Mussten 2007 mit 380 Klienten 1185 Gespräche geführt werden, so waren es 2016 bei 312 Klienten schon 1940 Gespräche. Der Beratungsaufwand wächst. Es gibt jede Menge Arbeit für das Team der Suchtberatungsstelle, das aus drei Sozialpädagogen und Psychologen, einer Studentin und einer Verwaltungskraft besteht.

Hilfe bieten zudem die Selbsthilfegruppe Trockene Alkoholiker und eine Angehörigen-Gruppe. Die Cleangruppe illegaler Drogen sei aktuell unbesetzt.

Reichenbachs Oberbürgermeister Raphael Kürzinger (CDU), der sich gestern vor Ort informierte, würdigte die Arbeit der DRK-Suchtberatung. Angesichts der Drogenstatistik werde die Stadt auch den Einsatz von Streetworkern zu prüfen haben. Er selbst setze gern die Tradition seines Amtsvorgängers fort, die Schirmherrschaft für das jährliche Abstinententreffen am Alaunwerk Mühlwand zu übernehmen.

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