Käppels Floßteiche: Gitarre ruft die Karpfen zur Fütterung

Das Paradies im Tal der Göltzsch bei Schneidenbach öffnet an mehr Tagen. Ein junger Mann sichert den Imbisskiosk ab. Und Aal im Teich erspart teuere Security.

Schneidenbach.

Käppels Floßteiche an der Aue der Göltzsch zwischen Weißensand und Mühlwand sind "ein kleines Paradies". Ein Pfarrer, die hier zu Gast war, habe das so ausgedrückt, erklärt Tourismus-Unternehmer Dieter Käppel. Man muss indes kein Mann der Kirche sein, um das zu spüren. Wer in die Idylle eintaucht, ob auf einer Rast auf dem Göltzschtalradweg oder bei einem Ausflug in Familie, lässt die Hektik des Alltags hinter sich. Hier ticken die Uhren anders. Hier warten die Wunder der Natur.

Dieter Käppel geht auf eines der Flöße, die Besucher mieten können, setzt sich aufs Geländer und beginnt, auf seiner Gitarre zu spielen. Aus allen Richtungen näheren sich kleine Wellen, verursacht von den Rückenflossen der Fische. "Die zweijährigen Karpfen sind gefräßig. Sie wissen, wenn die Gitarre erklingt, gibt es Futter", erklärt Käppel. Aus einem Eimer wirft er einen trockenen Brotkanten in den Teich. Sofort schnappen gierige Mäuler danach. Als er den ganzen Eimer hinterher kippt, brodelt das Wasser regelrecht. Die Szenerie erinnert an Piranhas. Drei Reihen kräftiger Schlundzähne helfen den Karpfen, das harte Brot zu zerkleinern. "Die Fische fressen sogar aus der Hand", sagt Käppel. "Ganz Mutige stellen sich daher mit Brot in jeder Hand ins Wasser."


Der große Floßteich sieht trotz der Sommerhitze deutlich besser aus als 2018, als Algenblüte und Insektenmangel grassierten. "Ich hab' rechtzeitig erfahren, wann die Felder bei Pfaffengrün gegüllt werden und habe dann den Holzbach, der den Teich speist, für sechs Wochen abgeschiebert. Das zahlt sich aus. Wir hätten sonst wieder 4,0 statt 0,1 Milligramm Phosphat pro Liter im Zufluss gehabt", erklärt Dieter Käppel. Auch die Entenküken haben dieses Jahr überlebt.

An den Floßteichen können die Gäste fast alles mieten: einen Grillplatz, einen Biwakplatz, einen Zeltplatz, eine Grillhütte, sogar das ganze Imbissgelände samt Schutzhütte - und natürlich die Flöße. Das Flaggschiff ist das große Geburtstagsfloß mit 18 Plätzen und einem Gasgrill. Man kann es selbst steuern oder einen Flößer dazu buchen. "Wir hatten neulich eine Oma hier, die ihren Ehrentag mit zwölf Enkeln aus aller Welt gefeiert hat", erzählt Käppel. Im Kommen seien Junggesellen- und Junggesellinnen-Abschiede mit deftigen Späßen.

Ein Problem mit Vandalismus habe man an den Floßteichen kaum. Dazu tragen auch die Aale bei, die Käppel in den Teich gesetzt hat. Sie locken Angler zum Nachtangeln an. Und die haben auch ein Auge darauf, was sich sonst im Gelände tummelt. "Das ist preiswerter als ein Security-Dienst", so der Chef.

Seit diesem Jahr haben die Floßteiche an mehr Tagen geöffnet. Außer am Wochenende und den Feiertagen von 12 bis 18 Uhr nun auch Mittwoch bis Freitag, 14 bis 17 Uhr. Möglich wurde das auch, weil mit Daniel Glaw ein junger Mann über das Jobcenter für den Imbisskiosk gefunden wurde. Er kümmert sich zugleich um dem Räucherofen, in dem Knacker, Salami und Wiegebraten sowie Gouda-Käse über Buchenrauch geräuchert werden. Das Fleisch stammt von Galloway-Rindern, die in der Aue am Floßteich weiden. Die Späne stammen von alten Buchen, die einst hier standen.

Dieter Käppel ist jetzt 66. Dem Landurlaub Käppel und den Floßteichen will er noch lange treu bleiben. Der einstige Reichenbacher Oberbürgermeister hat hier auch sein persönliches kleines Paradies geschaffen. Zur Gitarre greift er übrigens nicht nur wegen der Karpfen. Zusammen mit Ramona Bauer, die Steirische Harmonika spielt und sonst die Angler fachkundig an den Teichen einweist, lädt er ab und zu am Wochenende zur Hausmusik am großen Floßteich ein. Das nächste Mal am 18. August.

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    3
    j35r99
    31.07.2019

    Einer der schönsten Beiträge, die ich seit langer Zeit in der FP gelesen habe.
    Danke.



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