Landgenuss löst Obstschau ab

Die traditionelle Waldkirchener Obstschau gibt es nicht mehr. Mit neuem Konzept präsentieren sich die Hobby-Obstbauer mit dem Landhandel Hocher.

Waldkirchen.

Die Männer an der Saftpresse waren am Montag in Waldkirchen am Landhandel Hocher komplett ausgebucht. Von früh bis abends lief die Presse fast ununterbrochen. Jeder, der seine Apfelernte mitbrachte, konnte später den Saft seiner eigenen Früchte mit nach Hause nehmen. Dieses Angebot, das Apfelbaumbesitzer jedoch nur nach Voranmeldung nutzen konnten, war Teil der vom Landhandel Hocher in Zusammenarbeit mit dem Obstbauverein Waldkirchen organisierten Veranstaltung Landgenuss.

Gerd Döhler aus Schnarrtanne hat zwei Apfelbäume in seinem Garten stehen, einen James Grieve und einen Albrechtsapfel. "Die Bäume haben dieses Jahr so gut getragen, dass ich zwei Zentner zum Saften bringen kann. Die schönsten Äpfel habe ich vorher aussortiert und im Keller eingelagert. Die essen wir so", erzählt der Senior. Seine Frau Elke ergänzt: "Ich backe außerdem gern Apfelkuchen, mache Mus und koche Apfelkompott."

Zu sehen gab es außerdem eine kleine Apfelschau mit verschiedenen Sorten. Die traditionelle Obstschau im Bürgerhaus, die sonst immer am ersten Oktoberwochenende stattfand, gibt es in ihrer bisherigen Form nicht mehr. Der Vorsitzende Bernd Mothes sagt: "Wir sind nicht mehr im Vereinsregister eingetragen, aber es gibt uns noch. Wir zählen 23 Mitglieder. Aber leider sind die meisten um die 80 Jahre alt und können keine Schau mehr vorbereiten." Es fehle der Nachwuchs.

Silvana Hocher, Chefin des Landhandels, war gerne bereit, den Verein zu unterstützen. "Wir hatten sowieso die mobile Saftpresse hier vor Ort. Da passten Obstbaumverkauf, Apfelausstellung und Sortenbestimmung gut dazu." Für die Sortenbestimmung war in altbewährter Weise der Pomologe Kai Geringswald aus Niederdorf bei Chemnitz angereist. Er hatte auch etliche Sorten für die Schau mitgebracht.

Vor eine besonders knifflige Frage stellt ihn Obstbaumbesitzer René Lorenz aus Zschorlau, der sechs Sorten zur Bestimmung dabei hatte. Eine dieser Sorten gehörte zur Gruppe der Küchenäpfel. Das hatte Kai Geringswald relativ schnell herausgefunden. "Küchenäpfel standen früher in den Hausgärten. Die Früchte müssen schnell verarbeitet werden, weil sie sich nicht lange lagern lassen. Besonders zur Bereitung von Dörrobst und für den Apfelkuchen waren diese Sorten zwischen 1850 und 1920 sehr beliebt. Heute gibt es sie kaum noch. In den Baumschulen muss man schon lange danach suchen." Und dann fand der Pomologe auch den passenden Sortennamen: "Das ist ein Deans", stellte der Experte zweifelsfrei fest.

Cheforganisatorin Silvana Hocher hatte außer den Hobby-Obstbauern auch einige lokale Anbieter, die Obstbäume, Honig, Alpakaprodukte und anderes mitbrachten, eingeladen. "Bis jetzt ist die Resonanz sehr gut. Mir war es vor allem wichtig, dass die Tradition, die der Obstbauverein hier in Waldkirchen begründet hat, nicht verloren geht." Entscheidend für die Zukunft sei die Beantwortung der Frage, wie es gelingen kann, junge Leute auch für solche Hobbys zu begeistern. Silvana Hocher weiter: "Das Problem hat ja nicht nur der Obstbauverein. Wir hatten kürzlich hier eine Ortschaftsratssitzung, da kam das Thema zur Sprache. Auch die anderen Vereine klagen über Nachwuchsprobleme."

Mit der Teilnahme am Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" beteiligen sich die Waldkirchener aktiv und stellen genau solchen Fragen. Es gehe nicht nur darum, dass der einzelne Verein zu wenige junge Leute hat. "Das Problem müssen wir alle gemeinsam lösen, sonst geht uns die Jugend hier für den gesamten Ort verloren", so Silvana Hocher.

Eine zweite ähnliche Veranstaltung ist für den 19. Oktober geplant, dann allerdings ohne die fachmännische Sortenbestimmung.

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