Ortschaftsrat: Rest-Vertrauen in Müllfirma ist aufgebraucht

Nach dem erneuten Brand bei Glitzner reißt Einwohnern und Politikern der Geduldsfaden. Tenor: Bei der Diskussion um die Zukunft des Müllstandorts muss die Frage nach gesundheitlichen Risiken eine zentrale Rolle spielen.

Schneidenbach.

In einem am Donnerstag an Landrat Rolf Keil (CDU) geschickten Schreiben hat der Schneidenbacher Ortschaftsrat die Gefühlslage wohl nicht nur vieler Einwohner des Reichenbacher Ortsteils nach dem erneuten Brand in der kreiseigenen Müllfirma Glitzner auf den Punkt gebracht: "Unser Rest-Vertrauen in die Firma ist jetzt weg", heißt es in dem im "Namen der Einwohner" formulierten Papier, in dem der Landrat um Stellungnahme zu dem vierten größeren Brandereignis seit 2007 gebeten wird. "Jetzt ist der Zeitpunkt, um öffentlich über die Zukunft des ganzen Standorts zu reden und alles zu überdenken", sagt Jens Groschopf. Der Ortsvorsteher gehörte am Mittwochabend zu den vielen kopfschüttelnden Augenzeugen des Feuers, das offenbar durch Selbstentzündung des in einer Halle lagernden Siedlungsmülls entstanden war.

In dem Schreiben betonen die Schneidenbacher neben der Standortfrage ihr Interesse an Informationen, inwieweit der erneut weit und breit sicht- und riechbare Qualm ein Risiko für die Bevölkerung dargestellt hat und ob es - wie nach dem September-Großbrand - Empfehlungen zum Verzehr von Lebensmitteln gibt. "Der Gesundheitsaspekt ist uns sehr wichtig", sagt der Ortschef - und steht damit nicht allein da.


Auch für den Reichenbacher CDU-Landtagsabgeordneten Stephan Hösl spielt das Gesundheitsrisiko für Bewohner, Mitarbeiter sowie Rettungskräfte im Kontext der Brandserie eine zentrale Rolle. Hösl fordert deshalb "weitere Maßnahmen, die das Entstehen von Bränden verhindern beziehungsweise ein Löschen im Anfangsstadium ermöglichen". Wie der Ortschaftsrat fordert Hösl zudem, öffentlich über die Zukunft des Standorts zu reden und schlägt "ein Treffen des neuen Reichenbacher Stadtrates mit dem Landrat, der Stadtverwaltung, der Glitzner-Firmenleitung und Umweltexperten des Landkreises" vor. "Wir müssen gemeinsam das weitere Vorgehen besprechen." Die Frage sei, ob eine Nutzung des Standorts als Zwischenlager noch sinnvoll ist.

Diese Frage stellt sich Glitzner-Nachbarin Manja Tröger seit Jahren. Die Pferdewirtin und frischgebackene Direktkandidatin der Grünen für den sächsischen Landtag sagt, das erneute Feuer "ist offenbar das Ergebnis jahrelanger Vernachlässigung des Brandschutzes ... Es ist verantwortungslos, auf Kosten der Gesundheit der Mitarbeiter und der Bevölkerung Geld zu sparen". Jetzt müsse es Konsequenzen für den Betrieb geben, da "der Betreiber offenbar nicht in der Lage ist, den Brandschutz sicherzustellen". Ähnlich äußert sich Volkmar Zschocke. Der Grünen-Abgeordnete forderte am Donnerstag mit einer Kleinen Anfrage an die Staatsregierung Informationen dazu, ob Konsequenzen aus der Brandserie "in Bezug auf das Standortkonzept, die zugelassenen Abfälle und die generelle Genehmigung des Anlagenbetriebes durch den Betreiber" gezogen werden.

Und der Landkreis als Eigentümer der Müllfirmen Kreisentsorgung Vogtland, Glitzner Entsorgung und Betreibergesellschaft Deponie Schneidenbach? Landrat Keil hatte am Brandabend auf Anfrage knapp erklärt, Schneidenbach komme nur noch für Siedlungsmüll, Papier und Grüngut in Frage. Zum Thema Restmüll blieb der Landrat vage - im September war eben jener bis dato zu Ersatzbrennstoffen verarbeitete Restmüll in Flammen aufgegangen. Jüngst hieß es, man wolle die Recyclinganlage nicht wieder aufbauen.

Am Donnerstag ging der Geschäftsführer der Kreisentsorgungs GmbH Vogtland Jörg Blei auf Anfrage nicht darauf ein. Blei teilte mit, "das künftige Standortkonzept beziehungsweise Annahmekonzept am Standort" werde "überarbeitet". Sicher sei aber, "der Wertstoffhof wird erhalten" bleiben. Ein Konzept-Entwurf werde Anfang Juli in der Gesellschafterversammlung der kreiseigenen Müll-Firmen besprochen. Und: Der geschlossene Wertstoffhof öffnet ab 11. Juni wieder.

Antworten auf Fragen zur Höhe des Brandschadens, zu möglichen Änderungen des Brandschutzkonzepts oder zu Folgen möglicher Schadstoff-Emissionen gaben weder Landkreis noch Firmenchef. Jörg Blei betont lediglich: Gebrannt haben gemischte Siedlungsabfälle und geringe Mengen kommunaler Sperrmüll. "Keine Folien, keine Industrieabfälle und keine Textilien." Demnach haben am Mittwoch auch keine Restmüll-Brandabfälle vom Septemberfeuer gebrannt - immerhin noch 50 Tonnen davon liegen auf dem Firmengelände. Bis Monatsende soll dieser Müll entsorgt sein.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...