Sie lebt die Leidenschaft für Bücher

Die Reichenbacher Jürgen-Fuchs-Bibliothek hat seit gestern eine Auszubildende. Sie ist 39 Jahre alt - und schreibt selbst Bücher.

Reichenbach.

Wenn nicht jetzt, wann dann? Das sagte sich Antje Böhm aus Netzschkau und begann gestern in der Jürgen-Fuchs-Bibliothek Reichenbach eine Ausbildung zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste, Fachrichtung Bibliothek. Mit 39 Jahren. Gut möglich, dass sie damit aktuell der älteste Lehrling des Vogtlands ist.

Vier Bewerber hatten sich auf die Ausschreibung der Ausbildungsstelle in der Stadtverwaltung gemeldet. Im Eignungstest erzielte Antje Böhm 131 von 142 Punkten. Im Vorstellungsgespräch habe sie durch ihre offene und freundliche Art überzeugt. "Ihre große Leidenschaft sind Bücher", erklärte OB Raphael Kürzinger (CDU), der Antje Böhm gestern zum Ausbildungsstart begrüßte. Sie ist eine langjährige, begeisterte Leserin. "Vom Liebesroman bis zu Fantasy lese ich alles. Mein aktuelles Lieblingsbuch ist 'Die Kinder des Judas' von Markus Heitz", sagte sie. Das ist ein Vampirroman. Und sie schreibt selbst. Erzählungen und Geschichten seit der Schulzeit, jetzt auch Bücher. Im Oktober 2014 erschien unter dem Pseudonym A. M. Boehmsen ihr Debüt-Roman "Whiskykuss und Saitenwechsel", der sich um eine Musikband dreht.

Nach dem Abitur 1995 in Reichenbach hatte Antje Böhm Slawistik, Sinologie und Journalismus studiert, bevor sie ein Studium als Betriebswirtswirtin abschloss. 2005 zog sie nach Netzschkau, wo sie mit Mann und Tochter lebt. Sie arbeitete mehrere Jahre im Handel, zuletzt in einem Schuhgeschäft in Werdau.

Jetzt sattelt sie noch einmal um. Drei Jahre dauert die Ausbildung mit Praxis in Reichenbach und Theorie an der Gutenbergschule in Leipzig. Im neuen Beruf wird Antje Böhm bei Aufbau und Pflege der Bibliotheksbestände mitwirken, Kunden beraten und für sie Medien oder Informationen besorgen. Zwei Praktika haben sie darin bestärkt, dass dieser Beruf der richtige sein wird.

"Wir freuen uns, dass wir die Jürgen-Fuchs-Bibliothek haben und sie uns auch noch leisten können", hielt OB Kürzinger fest. Kultur werde im Doppelhaushalt 2017/18 der Stadt Reichenbach, über den ab Herbst beraten werde, eine große Rolle spielen. Die Finanzierung der Vogtland-Philharmonie, der Sitzgemeindeanteil fürs Neuberinhaus, ein erhöhter Zuschuss für die Musikschule Vogtland und die Vereinsförderung werden dabei Themen sein. "Kultur ist ein wichtiger Teil des Lebens. Wenn Reichenbach für seine Bürger attraktiv sein will, muss uns das auch etwas wert sein", erklärte er.

Um noch mehr Appetit auf die Bibliothek zu machen, brachte der OB Bücherboxen in ländlichen Ortsteilen wie Brunn, Friesen oder Oberreichenbach als Idee ins Spiel. Ausgediente Telefonzellen könnten, bunt bemalt, mit Büchern gefüllt werden. Wer ein Buch mitnehmen und lesen möchte, tauscht es gegen ein eigenes aus. Er habe so etwas mal am Rennsteig gesehen.

Seit 1995 bildet die Stadtverwaltung Reichenbach Verwaltungsfachangestellte für die Kommunalverwaltung aus. Bisher schlossen 33 Azubis ihre Ausbildung ab, 25 davon wurden übernommen. 18 von ihnen sind derzeit noch in der Stadtverwaltung beschäftigt.

64 Angestellte der Stadtverwaltung Reichenbach befinden sich aktuell im Alter von 56 bis 60 Jahren. Vor diesem Hintergrund erklärte der OB: "Wir brauchen Nachwuchs und setzen weiter darauf, die benötigten Fachkräfte selbst auszubilden."

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