Spaß an den menschlichen Schwächen

Veit Schenderlein zeigt seit gestern im Auerbacher Amtsgericht einen Querschnitt seiner handgemachten Werke.

Auerbach.

Für Veit Schenderlein ist der Alltag ein riesiges Füllhorn. Genau dort holt er sich die Arbeitsanregungen. Lange suchen muss der Cartoonist aus Mülsen selten. "Mir fällt zu jeder Situation Blödsinn ein", sagt er.

Dass es sich um intelligente, exakt auf den Punkt gebrachte Wahrheiten handelt, daran lässt auch seine gestern im Auerbacher Amtsgericht eröffnete Ausstellung als Teil des Projektes "Kunst & Justiz" keinen Zweifel. 53 "Bilder für Menschen mit Humor" zieren die weißen Wände. So hat Veit Schenderlein seine Schau überschrieben. Der Untertitel verrät, was er damit erreichen möchte: "Wenn schon Falten, dann vom Lachen."

Vor fast nichts macht Veit Schenderlein halt, wenn seine Stifte sprechen lässt. Auch nicht vor Arztpraxen und Anwaltskanzleien. Manchmal bringt er Fantasiefiguren zu Papier. Aber auch ihnen wohnt eine tiefere Bedeutung mit Aussagekraft inne. Eines wird der Betrachter jedoch niemals finden: politischen Bezug. Dafür kann sich Schenderlein erklärtermaßen wenig begeistern. "Mich interessieren Menschen, die Kleinigkeiten zwischen den Zeilen und Beziehungen", sagt er.

"Den meisten Spaß habe ich an menschlichen Schwächen." Darin offenbart sich auch der Unterschied zwischen Cartoonisten und Karikaturisten. "Ein Cartoon setzt sich mit dem Leben auseinander, die Karikatur mit politischen Dingen", betont der Künstler Jahrgang 1969.

Mit seinen Werken will Veit Schenderlein die Menschen sowohl auf die Schippe nehmen als auch zum Lachen bringen. Jeder soll sich auf die eine oder andere Weise wiederfinden. Demzufolge sieht er sich selbst als einen "zeichnenden Humoristen", wie er sagt. Allerdings haben auch Karikaturen und Porträts Platz in seinem Schaffen.

Bei der Zeichentechnik scheut Veit Schenderlein keinen Aufwand. Zwölf bis 24 Stunden stecken in jedem Bild. Zunächst wird das Motiv mit Bleistift vorgezeichnet, dann auf Originalkarton übertragen und schließlich in Farbe gezeichnet. Ein Computer kommt nie zum Einsatz. Seinen Zeichenstil bezeichnet er als "wilde Mischtechnik aus Acryl-Farben, Pinseln, Farbstiften, Fingern, Radierern und Airbrush". Angeeignet hat er sich diese Vorgehensweise autodidaktisch.

Bereits während der Schulzeit machte Veit Schenderleins zeichnerisches Potenzial von sich reden. Dennoch ließ er sich zunächst in einem bodenständigen Handwerksberuf bis zum Meister ausbilden. 1997 machte er sein Hobby zum Beruf, seit 2004 besitzt er ein eigenes Atelier samt Werkstatt und Dauerschau.

Service Die Ausstellung im Auerbacher Amtsgericht ist montags von 8.30 bis 15.30 Uhr, dienstags bis 17.30 Uhr, donnerstags bis 15.30 Uhr und freitags bis 14 Uhr geöffnet, mittwochs nach Vereinbarung.

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