Traktor-Virus sorgt für Freundschaften

70 Maschinen, manche mehr als 80 Jahre alt, setzten sich rumpelnd in Bewegung. Was die Faszination eines Traktorentreffens ausmacht, erklären die Teilnehmer.

Waldkirchen.

Was sind das für Menschen, die stundenlang an einem alten Traktor schrauben können und gerne einen ganzen Sonntag damit zubringen, mit Gleichgesinnten alte Technik zu bestaunen? Michael Zisowsky, der das Traktorentreffen zum Hoffest der Marienhöher Milchproduktion in Waldkirchen organisiert hat, kennt die Antwort: "Das sind Leute, die man mit Du anreden kann."

Mit diesen technikbegeisterten Typen, die den Geruch von Diesel mögen, die sich erst mit ölverschmierten Händen wohl fühlen und die sich gern einen Hauch von Nostalgie um die Nase wehen lassen, konnte Zisowsky noch viel mehr anstellen: Er stellte die Gefährte samt Fahrer vor eine Strohwand, ließ darauf Landfrauen in Tracht posieren und fügte die Fotos zum Kalender zusammen, den es zum Druckkostenpreis ab November in der Marienhöhe zu kaufen geben wird.

70 Traktorenfans hatten sich beim dritten Treffen, organisiert von Michael Zisowsky, versammelt. Die ältesten Modelle stammten aus den 1930er Jahren. Jedes einzelne Gefährt war mit eigener Motorkraft angereist. Manche hatten bis zu 60 Kilometer zurückgelegt. Von dem Traktor-Virus infiziert sind auch die Familien von Thomas Kalusok und Sebastian Popp aus Weißensand. Sie waren mit drei Traktoren zum Treffen gekommen, genossen, wie sie berichteten, die Fahrt mit maximal 18 Kilometern pro Stunde durch das Göltzschtal und brauchten für die sieben Kilometer lange Strecke eine halbe Stunde. Die beiden Männer und ihre Familien mit Kindern sind seit ein paar Jahren befreundet.

Sebastian Popp berichtete vom Beginn dieser Freundschaft: "Ich hatte vor ein paar Jahren einmal einen Schaden am Schwader und habe Thomas gefragt, ob er mir mit seinem Traktor aushelfen kann." Beide Familien betreiben ein bisschen Landwirtschaft, Popps halten Tiere, Zebu-Rinder, Schweine und ein paar Kleintiere. Wer Tiere zu versorgen hat, muss Gras mähen, wenden, schwadern, einfahren, Mist fahren. Es gibt viel zu tun für so einen alten Traktor, denn Sebastian Popp findet: "Wenn man sich einen alten Hof kauft, gehören da auch Tiere hin."

Thomas Kalusok infizierte sich bei Vater Waldemar mit dem Traktor-Virus. Zwei Aktivist-Traktoren aus den 1950er-Jahren, gebaut in Brandenburg, verrichten zuverlässig ihren Dienst auf dem Hof. Die Zweitanschaffung bekam eine Hydraulik angebaut. Die Erstanschaffung war beim Kauf in zwei Hälften zerbrochen. Es gab also immer viel zu tun, für Thomas Kalusok kein Ding, denn: "Männer und Technik, das geht immer." Zum Traktor-Treffen kamen die beiden Männer mit ihren Frauen und den Kindern, die alle auf einem Hänger Platz fanden.

Sylvio Paul aus Waldkirchen besitzt erst seit kurzen einen Harrison- Ferguson, Baujahr 1953, und auch erst, seit er vor zwei Jahren mit einem Rasentraktor zum Treffen kam. Damals empfand er beim Start der Rundfahrt, eingehüllt in einer Dieselwolke, diese Atmosphäre als überaus faszinierend. Er wollte unbedingt einen richtigen Traktor besitzen, mit dem er zum Treffen kommen kann. Das hat geklappt.

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