Trotz Problemen: Paracelsus steht zu Reichenbach

Der Standort ist schwierig. Konzernchef Siebert lobt Ex-Klinikmanager Hendel und will dessen Initiativen fortsetzen.

Reichenbach.

Reichenbach ist und bleibt zumindest vorerst im Krankenhaus-Quartett unter dem Dach des Paracelsus-Klinikums Sachsen der problematischste Standort. "Reichenbach hat den größten Aufholbedarf, aber auch zweifellos das größte Potenzial", erklärt Martin Siebert, Geschäftsführer der Paracelsus-Klinikkette mit Sitz in Osnabrück. Das Unternehmen sei "vorsichtig optimistisch", dass sich die wirtschaftliche Situation langfristig positiv entwickeln werde - für jede der vier Kliniken in Zwickau, Reichenbach, Adorf und Schöneck.

Siebert spricht von exzessiven Belastungen durch die Coronakrise. Die Belegung mit Patienten sank durch behördliche Eingriffe und allgemeine Unsicherheit zeitweise unter 50 Prozent. Schrittweise kehre man zum Regelbetrieb zurück. "Die erheblichen Zusatzbelastungen hätten ohne die Maßnahmen des sogenannten Rettungsschirmes nicht geschultert werden können", betont er, dennoch seien die Einbußen nur zum Teil kompensiert worden.

Doch bereits vor Corona steckte Reichenbach in roten Zahlen. Die kolportierte Summe von 3,7 Millionen Euro will Paracelsus ebenso wenig kommentieren wie ein kleineres Minus in Zwickau und ein leichtes Plus in Adorf und Schöneck. Martin Siebert betont vielmehr das langfristige Engagement der Schweizer Eigentümer und das Festhalten an allen vier Standorten.

Umso mehr muss Paracelsus in Sachsen auf einen gemeinsamen Kurs schwenken. Siebert räumte offen destruktive Vorfälle unter Managern und leitenden Medizinern ein. Man werde mit den Akteuren weiter zusammenarbeiten, "ohne nachtragend oder beleidigt zu sein", wie es der Paracelsus-Chef formuliert.

Zu spät für den in Reichenbach ausgeschiedenen Klinikmanager Sven Hendel. Doch für ihn findet Martin Siebert Lob. Engagement und Tätigkeit von Hendel, der selbst gekündigt habe, seien im Unternehmen und auch außerhalb geschätzt worden. O-Ton Martin Siebert: "Die Probleme waren enorm, die Herausforderung beinahe titanisch, das Bemühen redlich." Erste Erfolge gebe es, man werde von Hendel angeschobene Initiativen fortsetzen.

Die lokalen politischen Akteure hat Sven Hendels Ausscheiden getroffen. Reichenbachs Oberbürgermeister Raphael Kürzinger (CDU) nennt ihn eine Führungspersönlichkeit, die positive Akzente gesetzt habe. Das sieht auch CDU-Kreisrat Dieter Kießling so, der allerdings ein altes Manko beklagt: Der in Reichenbach gebildete Krankenhaus-Beirat erhalte keinen wirklichen Einblick in Zahlen. Hendels Ausscheiden habe er "mit Bestürzung aufgenommen", betont der CDU-Landtagsabgeordnete Stephan Hösl und blickt nach vorn: "Auch sein Nachfolger verdient alle Unterstützung." Er habe bereits Kontakt aufgenommen.

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