Vandalen toben sich am Lengenfelder Bahnhof aus

Es gibt keine schlimmere Stelle im Ort als die Bahnhofshalle. Alle Bemühungen, der Probleme Herr zu werden, sind bisher gescheitert.

Lengenfeld.

Überall auf dem Fußboden der Lengenfelder Bahnhofshalle liegen Glasscherben, Abfälle, Zigarettenkippen und von der Decke heruntergefallener Putz. Es knirscht beim Laufen. Unangenehme Gerüche breiten sich aus. Die Wände sind bis zur Unkenntlichkeit mit Graffiti beschmiert. Entgehen kann der Zugreisende diesem Anblick nicht, denn der Weg von und zu den Gleisen führt durch die Bahnhofshalle. Dort gibt es außer Müll und Unrat nichts, wohin sich der Reisende wenden könnte, kein Schalter, kein Fahrkartenautomat, kein Imbiss, keine Touristeninformation, keine Toiletten.

Dieser Anblick will so gar nicht in das Bild passen, um das sich Lengenfeld in der Öffentlichkeit bemüht - das einer gepflegten und sauberen Kleinstadt. Ausgerechnet dort, wo Zugreisende den ersten Eindruck von der Stadt bekommen, erfasst viele das Grausen. Immer wieder ist dieser Zustand Gesprächsthema im Stadtrat und bei Bürgern. Zugreisender Richard Bramowski war dort beispielsweise auf der Suche nach einer Toilette. Da die entsprechenden Schilder noch hängen, glaubte er sich auf der sicheren Seite. Leider vergeblich. "Das Bahnhofsgebäude ist seit 2007 verkauft", teilte ihm eine Mitarbeiterin der Bahn nach einer Beschwerde schriftlich mit. "Der Eigentümer hat leider nichts am Gebäude unternommen und betreibt auch keine Toilettenanlage. Leider kenne ich keine Umbauvorhaben für dieses Gebäude."


Da geht es Bürgermeister Volker Bachmann (Pro Lengenfeld) auch nicht besser. Der Eigentümer habe von ursprünglichen Plänen, im Bahnhofsgebäude kleinen Einzelhandel anzusiedeln und so das Gebäude zu beleben, Abstand genommen. Das erfuhr der Stadtchef in einem vor wenigen Tagen stattgefundenen Gespräch.

Neue Pläne zur Nutzung des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes gebe es derzeit nicht. Lediglich das häufigere Reinigen der Bahnhofshalle habe der Eigentümer angekündigt. Um wem es sich handelt, könne er aus Datenschutzgründen nicht mitteilen. "Am liebsten würde ich das Gebäude schließen lassen und einen oberirdischen Zugang zu den Gleisen anlegen. Von der Bahn liegt mir für einen solchen Umbau eine drei Jahre alte Kostenschätzung über 700.000 Euro vor. Geplant ist ein solches Vorhaben zurzeit nicht."

An eine Wiedereröffnung der Toiletten sei laut Bachmann bei allem Verständnis für die Reisenden nicht zu denken, ganz im Gegenteil: "Solange sich Menschen auf öffentlichen Toiletten so verhalten, wie ich das in der Vergangenheit erlebt habe, überlege ich sogar, die öffentliche Toilette hier am Rathaus zu schließen." Das Reinigen von mit menschlichen Exkrementen beschmierten Wänden und Türen sowie das Beseitigen von weggeworfenen Abfällen sei den Reinigungskräften nicht mehr zuzumuten. Im Bahnhofsgebäude summierte sich die Beseitigung von Vandalismus-Schäden auf 1500 bis 3000 Euro jährlich. Frostschäden an den Wasserleitungen kommen noch hinzu.

Dem Vandalismus etwas entgegenzusetzen sei schwierig. "Wir können in der Toilette keine Videoüberwachung installieren", nennt Bachmann ein Mittel, das von vornherein ausscheidet. Es gebe zu wenige Möglichkeiten, hart durchzugreifen. Anzeigen bei der Polizei bringen nur Papierarbeit aber keine nachhaltigen Ergebnisse, so Bachmann.

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