Vortrag weckt Erinnerungen an alte Gaststätten

Wenn Ortschronist Friedrich Machold über Schankstätten berichtet, zieht das die Besucher magisch an. So auch in Waldkirchen. Dabei schloss dort die letzte Gaststätte schon in den 1980er Jahren.

Waldkirchen.

Die Gaststättenvorträge des Lengenfelder Ortschronisten Friedrich Machold sind in der Stadt genauso wie in den Ortsteilen der Renner. Am Dienstag kamen mehr als 50 Besucher, darunter viele Senioren aus Waldkirchen und Schönbrunn, ins Waldkirchner Bürgerhaus, um etwas über alte Schankstätten in den Dörfern zu erfahren.

Auch für Lengenfeld hatte der Ortschronist schon einen bildreichen Streifzug durch die früheren Schankstätten der Stadt zusammengestellt und rannte bei den Bewohnern damit offene Türen ein. Von drei ausverkauften Vorträgen innerhalb von drei Monaten berichtet Machold.

Für die Waldkirchner und Schönbrunner Zuhörer hatte sich der Ortschronist mit den Schankstätten vor Ort befasst, die allesamt Geschichte sind. Mitte der 1980er-Jahre schloss die letzte Gaststätte in Waldkirchen. In Schönbrunn gibt es mit dem "Goldenen Herz" immerhin noch eine Einkehrmöglichkeit.

Wie auch schon in Lengenfeld unterstützen auch in den Ortsteilen Zeitzeugen und Nachfahren früherer Gastwirte die Recherche des Ortschronisten. So berichtet Joachim Kögler aus Schönbrunn, für den Vortrag alte Fotos des Gasthofes Geßner hervorgeholt zu haben. Alban Geßner, der bis in die Mitte der 1980er Jahre noch seinen Gasthof betrieb, war der Onkel von Joachim Kögler. Dessen Familie wohnt heute im ehemaligen Gasthaus. Den Umbau zu einem Wohnhaus schloss die Familie 1994 ab. "Als mein Onkel älter wurde, gab es dann nur noch Bockwurst und Flaschenbier", berichtet Kögler von den letzten Jahren der Gaststätte. Mehrere Jahre stand das Fachwerkhaus, bestehend aus Gaststätte und Saal mit Bühne, leer. Auch die Auftritte des nicht mehr existierenden Schönbrunner Männergesangsvereins sind längst Geschichte.

Ganz andere Erinnerungen an die Gastwirtschaft von früher hat Dorothea Schaarschmidt aus Waldkirchen. Mit ihren 92 Jahren ist sie die älteste Einwohnerin des Ortes. Sie hat alle fünf Gaststätten, die es dort einst gab, gekannt: das Schweizerhaus, das Kachelhaus, die Linde, den Unteren und den Oberen Gasthof. Besucht hat Dorothea Schaarschmidt diese aber so gut wie nie. "Das war früher nicht üblich, dass Frauen in eine Gaststätte gegangen sind. Das war den Männern vorbehalten", erinnert sich die Seniorin noch gut an einstige Sitten und Bräuche. In den Gaststätten hätte es auch keine umfangreiche Gastronomie gegeben. Es stand eher das gemeinsame Treffen und Biertrinken der Männer im Vordergrund.

"Als Kinder hat man uns aber manchmal dort hingeschickt, um Bier für die Männer zu holen, die draußen auf dem auf dem Feld gearbeitet haben. Für den Opa haben wir ein kleines Fläschchen Schnaps abfüllen lassen. Das war so ein bittersüßer Kräuterlikör. Wir mussten immer auf einem der Steige nach Hause laufen. Hinter einem Haus waren wir außer Sichtweite. Da haben wir heimlich vom Schnaps gekostet", erzählt die Waldkirchnerin von ihren Kindheitserlebnissen und fügt an: "Der Kräuterschnaps war aber nicht sehr stark. Betrunken waren wir davon jedenfalls nicht."

Ans Bier holen erinnert sich auch noch Christina Riedel, die als Mitglied des Heimatvereins Dorfgemeinschaft Waldkirchen den Nachmittag, zu dem auch ein Kaffeetrinken gehörte, mit organisiert hat. Bier in Flaschen in Geschäften kaufen, das gab es damals nicht. "Wir haben als Kinder das Bier immer im Schweizerhaus geholt", sagt sie.

Gaststätten hatten früher eine ganz andere Bedeutung als heute. Darüber erzählte der Ortschronist in seinem Vortrag. "In Lengenfeld gab es 28 Gaststätten. In der Grün fünf, in Waldkirchen fünf und in Schönbrunn zwei", so Machold. Seine Blüte erlebte die Schankwirtschaft von damals zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Jeder Verein hatte sein eigenes Vereinslokal. Die Gaststätten waren der Treffpunkt für die Menschen, um Informationen auszutauschen und um gesellig beisammen zu sitzen. Nach dem Zweiten Weltkrieg, begann mit Vereinsverboten und Mangelwirtschaft das Gaststättensterben, das sich bis in die Mitte der 1980er-Jahre hinzog.

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