Wenn für den kurzen Moment ein Stücke heile Welt Einzug hält

Die Weihnachtsfeier des Vereins Leuchtturm ist für sozial Schwache eine wichtige Veranstaltung. Das meint auch die Vorsitzende. Dennoch findet sie bittere Worte.

Reichenbach.

Die Weihnachtsfeier für sozial Schwache am Heiligabend in Reichenbach - für Annemarie Schramm, Vorsitzende des sozialen Vereins Leuchtturm, ist das seit vielen Jahren ein Ritual. Auch in diesem Jahr war der Gemeinschaftsraum im ehemaligen Schulhort Am Graben wieder gut gefüllt, als sie den Besuchern den Sinn des Weihnachtsfestes ans Herz legte und zu einem friedvollen Fest im Kreise der Familie aufrief - wohl wissend, dass die friedvollen Stunden im Leuchtturm für einige die einzigen an diesem Tag sein würden.

Und dass einigen ihrer Klienten noch nicht einmal das gegönnt ist, denn einige Geschenke bleiben übrig und einige Plätze leer. "Manche Eltern versuchen ihre Kinder zu bestrafen, indem sie ihnen den Besuch bei uns und zur Hausaufgaben- oder Nachhilfe verbieten. Damit verweigern sie ihnen Bildung", sagt Annemarie Schramm, während ihre Schützlinge nebenan Sauerbraten, Klöße und Rotkraut zu sich nehmen - aus gespendeten Zutaten, im Hause frisch zubereitet von ehrenamtlichen Helfern. Davon hat der Leuchtturm einige, die sich je nach ihren Fähigkeiten einbringen, im sozialen Bereich, bei der Nachhilfe, bei der Betreuung.

"Die Problemfälle haben sich in den letzten Jahren verändert. Früher war Alkohol das Hauptthema, jetzt sind es mehr Familien", so Annemarie Schramm. Sie ist froh, dass sie mit Heidi Jung eine ehemalige Jobcenter-Mitarbeiterin mit im Boot hat. "Wir haben Menschen, die können keine Formulare ausfüllen, die wir sogar oft nicht verstehen. Da ist so eine Fachkraft gut, denn sie kennt auch die andere Seite", sagt sie. Manchmal ärgert sie sich, wenn dem Verein alles aufgebürdet wird: Menschen, die gerade aus der Justizvollzugsanstalt kommen und um die sich keiner kümmert, weil alle Ämter geschlossen haben, sind nur ein Beispiel. "Problemfälle werden zu uns geschickt. ,Geht mal in den Leuchtturm', ist ein geflügeltes Wort geworden", sagt Schramm. "Trotzdem wird viel getan in Reichenbach, niemand muss auf der Straße leben. Die Zusammenarbeit mit der Verwaltung hat sich gebessert. Wir werden anerkannt und unterstützt."

Manchmal finden Menschen im Leuchtturm zueinander und zurück in ein selbstbestimmtes Leben. Andererseits kennt Annemarie Schramm Kinder, die von sich aus ins Heim wollen. "Einige Eltern tun ganz selbstverständliche Dinge nicht und setzten lieber weitere Kinder in die Welt. Das ist in den vergangenen fünf bis zehn Jahren schlimmer geworden. Manchmal kann ich nachts nicht mehr schlafen", gesteht die Betreuerin und blickte in die Zukunft: "Wir ziehen hier etwas heran, das noch schlimm werden kann. Bei den Kindern baut sich Gewalt auf. Wenn die größer sind und in einer kritischen Situation ein Messer in die Hand bekommen ..." Weiter will sie gar nicht denken, sondern den Leuchtturm-Besuchern lieber ein paar schöne Stunden bereiten.

Die Geschenke liegen schon bereit. Zur Bescherung für die Kinder sind der Netzschkauer Weihnachtsmann und sein Engel gekommen, nun schon zum sechsten Mal. "Hier engagieren sich viele. Das möchte ich unterstützen", sagt Tina Hösel und erinnert sich an ihren ersten Auftritt, nach dem sie den Engel-Job beinahe hingeschmissen hätte. Damals fand sie die Kinder ungepflegt und das ewige "Lieber guter Weihnachtsmann" oder "Advent, Advent, ein Lichtlein brennt" in zig Varianten konnte sie nicht mehr hören. Diesmal haben die Leuchtturmkinder verschiedene Gedichte vorbereitet. Sie begrüßen das Weihnachts-Gespann mit gemeinsam gesungenen Liedern. Geschwister oder Cousinen helfen sich gegenseitig beim Vortrag und Jaycee hat ihre Blockflöte mitgebracht. Für die Mühen gibt es liebevoll gepackte Geschenke von Spendern. Lego, Teddys oder ein Fußball standen auf den Wunschzetteln. Tina schreibt die Namen der Kinder auf die Autogrammkarten von Weihnachtsmann und Engel, die es ebenfalls seit sechs Jahren gibt. Anschließend bekommen die Erwachsenen ihre Geschenke. Engel und Weihnachtsmann gehen zu ihren Familien, mit dem Gefühl, etwas Gutes getan zu haben.

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