Wenn Nischd's den Gärbehälter verlässt

Seit einem halben Jahr brauen Johannes Meichsner und Christoph Neumann in Waldkirchen Bier. Der Gerstensaft weckt Sehnsucht nach Irland.

Waldkirchen.

In der Waldkirchener Hobby-Brauerei von Johannes Meichsner und Christoph Neumann hat jetzt die Verkostung des ersten selbst gebrauten Stout-Bieres begonnen, das die Männer vor ein paar Wochen ansetzten. Mit ihrem Hobby folgen sie einem Trend, der in Deutschland inzwischen tausende Menschen begeistert. Es geht um Craft-Beer, was so viel wie handgemachtes Bier bedeutet.

Seit den 1990er-Jahren gibt es diese handwerklich gebrauten Biere in Amerika. Vor wenigen Jahren schwappte der Trend nach Deutschland und 2018 nach Waldkirchen ins Vogtland. Dort widmen sich seit einem halben Jahr hingebungsvoll Johannes Meichsner aus Waldkirchen und Christoph Neumann aus Oberheinsdorf dem handwerklichen Bierbrauen. Sechs Sorten Bier sind bisher entstanden, abgefüllt in Flaschen mit einem Schnappverschluss und originell beschriftet mit auf dem heimischen Computer gedruckten Etiketten. Die Biere tragen so klangvolle Namen wie Ziegnseesche, Nischd's oder Scheen Dank. "Die Namen haben wir vor dem ersten Kosten festgelegt. Sie haben nichts mit dem Geschmack zu tun", erklärt Hobby-Brauer Johannes Meichsner, in dessen Bierbraustube hin und wieder illustre Gäste vorbeischauen, entweder, um die neueste Kreation des Brauer-Duos zu kosten oder den beiden Männern beim Werkeln zuzuschauen.

Seine Braustube hat Johannes Meichsner in einer Hauruck-Aktion aus dem Boden gestampft. "Vor einem dreiviertel Jahr war das hier der Lagerraum für Brennholz und davor ein Stall", erklärt der Waldkirchener. Innerhalb von 14 Tragen entstand eine kuschlige Mini-Brauerei mit Schaffell bestückten Sitzgelegenheiten, einer zum Designobjekt aufgemöbelten, voll funktionstüchtigen Getreidequetsche, die zum Abstellen der kostbaren Bierflaschen dient oder wahlweise als Stehtisch fungiert. Als Equipment dient ein Gärapparat aus Edelstahl und zwei Gärbehälter.

Besucher tun gut daran, zu Fuß in die Brauerei zu kommen. Denn gleich nach Eintreten in die gute Stube gehört es zur Willkommenskultur, die von den Gastgebern gereichten Proben zu verkosten. Und das sind nicht wenige: "Kennst du schon unser Glühbier. Und, nach was schmeckt es? Hier haben wir Apfelbier, alles aus selbst hergestellten Zutaten. Den Apfelsaft habe ich selbst pressen lassen." Johannes Meichsner kommt beim Reden über sein neues Hobby schnell in Fahrt. Im Nu bauen sich vor dem Gast mehrere Tassen und Gläser auf. So war das auch beim Schau-Brauen vor wenigen Wochen, als die Zutaten für das Stout-Bier in den Kessel kamen. Spätestens beim Erscheinen von Ehefrau Gelia ist eine kleine Zwischenmahlzeit ratsam, denn auch Gelia Meichsner erweist sich als kreatives Pendant zu ihrem Mann und preist zugleich ihren Nusslikör an, bevor die Teller mit den belegten Schnittchen gereicht werden. "Ich habe die noch grünen Walnüsse aus unserem Garten mit Korn aufgesetzt", erklärt die Ehefrau und unterbricht für einen Moment die Hingabe der Veranstalter und Gäste zum eigentlichen Thema des Tages, dem Brauen von Stout-Bier, das viel mit einem irischen Guinness zu tun hat. Dieses Stout-Bier war sozusagen das Jahresabschlussbier der Brauerei Meichsner/Neumann. Die Arbeitsweise während des Brauvorganges ist für jede Sorte anders - die Zutaten ähneln sich dagegen: Hopfen, Getreide, Wasser, Hefe. Die Ausbeute aus dem 30-Liter-Gärapparat liegt bei etwa 23 Litern Bier pro Durchgang.

Das Resultat ihres Bemühens verschenken die beiden Hobby-Brauer an Freunde, Verwandte oder Besucher. Selbst als beim ersten Versuch ein paar Startschwierigkeiten auftraten, war das Ergebnis trotzdem trinkbar. "Bei unserem leichten Sommerbier brach der Gärprozess in der Flasche zu früh ab. Das Bier wurde dadurch noch leichter, als wir eigentlich wollten. Den Frauen hat es aber geschmeckt", berichtet Christoph Neumann.

Eigentlich sei das Bier nach einer Woche fertig, aber: "Wir lassen es noch drei Wochen in der Flasche reifen, dann schmeckt es erst richtig", so Hobby-Brauer Neumann. Über alle Ereignisse der Mini-Brauerei führt Johannes Meichsner ein Brautagebuch. Alle Rezepte mit Datum und Bemerkungen sind dort festgehalten, denn: "Wir wollen herausfinden, welches unser Lieblingsbier ist."

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